Times of Life

29.01.2006 um 10:24 Uhr

Wiedersehen mit Mike

von: Galahad

Musik: Helloween... Keeper of the seven keys

Gestern haben wir Mike in der Stadt getroffen. Ja - genau den! Den Mike, den ich damals nach dem Gig nicht abgeschleppt habe.

Wir waren in einem Musikgeschäft, Chris und ich, und da sah ich ihn plötzlich. Er stand bei den Verstärkern und sah zu uns rüber. Er hatte mich mit Sicherheit auch erkannt, wartete aber ganz offensichtlich erst mal, wie ich mich verhalte.

Nun, ich rief "hey Mike" zu ihm rüber, und erst da kam er zu uns. Lächelte und sagte "hi Danny, wie geht’s dir?" Dabei ging sein Blick ein paar Mal zwischen Chris und mir hin und her, dann meinte er leise "das ist er, nicht wahr? Der Typ, von dem du mir damals erzählt hast? Du hast es also tatsächlich geschafft."  - "Ja, das ist Chris". Ich stellte die zwei einander vor, wir haben noch ein paar belanglose Sätze gewechselt, dann ging er weiter. Und hatte uns kaum den Rücken zugedreht, als Chrissy schon rausplatzte "das war ein Ex-Lover, stimmt’s?" - "Nein!" "Doch, erzähl mir nichts - so wie der dich angesehen hat."  "Nein, wir waren nur mal nach einem Gig zusammen was trinken". 

Zweifelnder Blick von meinem Indianer, da ist es mir dann rausgerutscht "ja, vielleicht wäre damals wirklich mehr draus geworden. Es gab nur eine winzige Kleinigkeit, die dagegen gesprochen hat." - "Ach ja, was denn?" "Du, verdammt! Es war während der Zeit unserer Trennung, und ich konnte es einfach nicht".

Da sieht er mich an - oh, er kann lächeln, so schön, da kann man eine Gänsehaut kriegen.  Ich dachte, er fällt mir jetzt gleich mitten in dem Geschäft um den Hals, aber er sagte dann nur leise "yes I know".

Wir haben bis jetzt über diese Scheiß-Zeit noch gar nicht geredet, aber muss man eigentlich überhaupt noch mehr sagen wie dieses "ja, ich weiß"?



27.01.2006 um 14:35 Uhr

Fortsetzung folgt

von: Galahad

Musik: Blind Guardian

Jaaaa… klar gibt’s noch eine Fortsetzung! Ich hab doch noch was vergessen.

 

Wir saßen alle gemütlich zusammen, haben geredet, Wein getrunken. Und Bernd meinte "ja, als erstes werden wir uns jetzt nach einer Wohnung umsehen. Damit bis zum Sommer, wenn Timmy in die Schule kommt, alles geregelt ist."

 

Ich sagte "heißt das, du überlässt Silvia das Haus?" - "Was soll ich denn machen, es ist doch ihr Elternhaus - es hat ihr vor der Hochzeit schon gehört." OK, wusste ich ja nicht. Und in dem Moment stößt mich Chrissy an und sagt "Danny - Haus! War da nicht noch was?"

 

Ich bin ein Schwachkopf! Klar war da noch was - etwas, was ich die ganze Zeit fragen wollte (hat nur bisher nicht richtig gepasst).

 

Alle sehen mich an, und ich sage "Jana, ich wollte dich eigentlich fragen, ob du nicht deine Wohnung kündigen und hierher ziehen willst."

 

Jana kriegt Augen wie zwei Untertassen, so groß und rund, und fragt "Hierher? Warum? Ehrlich?" - "Ja, ehrlich. Weil ich doch in Zukunft so oft drüber in den Staaten sein werde. Und weil das Haus doch dann eh leer steht. Dann könntest du - oder ihr - hier wohnen, und wenn Chris und ich hierher kommen, sind wir alle zusammen. Und du kannst deine Miete sparen."

 

Liebes kleines Janamädel! Hat fast losgeheult. "Ich kann aber nicht viel Miete bezahlen, das weißt du". Boah, ich will ja gar keine Miete. Ich will, dass jemand hier drin ist und sich um alles kümmert.

 

Na ja, kurz gesagt: Sie ist einverstanden, Bernd ebenfalls. Grundschule ist fast um die Ecke, also auch kein Problem. Ich will kein Geld von ihr, aber wir werden einen regulären Mietvertrag abschließen. Das war übrigens Glady’s Idee: ich hab ihr von diesem Plan erzählt, als wir dort waren, da meinte sie "Danny, wenn du deine Freundin dort wohnen lassen willst, mach einen ordentlichen Mietvertrag mit ihr. Sonst hat sie ja gar keine Rechte, kann keine Firma oder Handwerker beauftragen ohne deine Unterschrift, das wird zu umständlich." Hört sich vernünftig an, also machen wir’s so.

 

Bernd war ein bisschen nachdenklich und meinte, zumindest er könne doch was bezahlen, aber ich hab ihm erklärt, er soll besser den "Mann im Haus" machen. Reparaturen und so. Und vor allen Dingen alles optimal versichern *grins*.

 

Wahnsinn, wie manchmal plötzlich eins zum anderen passt!

 

26.01.2006 um 12:40 Uhr

eine weitere Entscheidung

von: Galahad

Musik: Hammerfall

Alea iacta est -  stimmt das so? Der Würfel ist gefallen? Entscheidung getroffen?   

Und Vorsicht -  eine rosarote-Wolke-Story folgt: wer's nicht mag, besser nicht weiter  lesen! 

 

Egal - auf jeden  Fall: Bernd ist da und er wird auch bleiben. Bei Jana. 

 

Mitten in der  Nacht ist er gestern aufgekreuzt. Chris und ich waren beide noch auf, da wir aus  Gewohnheit immer sehr spät schlafen gehen. Ich höre plötzlich die Haustür, gehe  nachschauen - da steht er im Flur (*grins*... bei so einer Gelegenheit kommt mir  jedes Mal die Frage, wer eigentlich alles einen Schlüssel zu diesem Haus  hat). 

 

Er stand da, mit  zwei großen Koffern einer Kiste und einem Vogelkäfig (!) und sah reichlich  ramponiert und mitgenommen aus. Und flüsterte nur "Danny, es ist vorbei,  endgültig - kann ich erst mal hier bleiben?" (Hm, wieso nicht, du warst doch  sowieso die letzte Zeit dauernd hier). Ich sagte "ja sicher", Chris kam dazu,  warf einen Blick auf Bernd, schenkte uns erst mal drei Cognac aus und meinte  dann nur "tell us". Los, erzähl... 

 

Ja, offenbar hat  Silvia, als Bernd gestern dort war, mit den Waffen einer Frau und vollem  Körpereinsatz versucht, ihn ins Bett zu kriegen, und ab diesem Moment hatte der  arme Bernd endgültig die Schnauze voll. (Also hat sich wohl vorher, wenn er dort  war, tatsächlich nichts zwischen den zwei abgespielt).  Meinte, in dem Augenblick habe er Jana  vor sich gesehen und so deutlich wie noch nie gespürt, wo er hingehört. Und noch  an dem Abend hat er dann seine ganzen Sachen gepackt und im wahrsten Sinne des  Wortes das Weite gesucht. 

 

Apropos Sachen -  "Bernd, was ist das?" Ich zeige auf den Käfig, Bernd nimmt das Tuch ab, fünf  oder sechs flatternde Minis sind zu sehen "meine Zebrafinken". "Aha - und das  hier" (die Kiste)?  "Schau doch  mal". Irgendwas grau-braunes mit runden Ohren und einer spitzen Schnauze "das  ist Maxi - das ist ein Chinchilla". Na gut denn. ;-) 

 

Wir haben noch  ein bisschen geredet und ihn dann ins Bett geschickt. Zu Jana. Mann, das muss  doch superschön sein, wenn man nachts mal kurz wach wird und der Mann, den man  liebt, liegt neben einem und flüstert, dass er jetzt niieeee mehr weggeht  (*seufz*... ja, ja, ich hör' schon auf). Der Gedanke hat mir so gut gefallen,  dass ich, als wir auch schon im Bett waren, schnell noch mal runter bin und  einen Zettel unter der Zimmertür durchgeschoben habe, dass sie sich Zeit lassen  sollen und wir uns am nächsten Morgen um den Zwerg kümmern werden. J 

 

Ja, das haben  wir dann auch. Haben ein "Männerfrühstück" mit Timmy gemacht, anschließend den  Tisch noch mal schön für zwei neu eingedeckt, den Kleinen in den Kindergarten  gebracht und anschließend mit Rufus noch einen langen Spaziergang gemacht. Und  als wir dann zurückkamen, saßen sie da, die beiden - wie schön. Rührend. Haben  sich an den Händen gehalten und so richtig bescheuert glücklich ausgesehen.  Genauso haben wir wahrscheinlich auch da gesessen, damals als Chris  zurückgekommen war.  

 

Chrissy hat eine  Flasche Champagner irgendwoher gezaubert (manchmal überrascht er mich echt!),  und wir haben "auf die Zukunft" angestossen. Auf ihre und unsere. 

 

Und - ja, das  war auch noch sehr lieb: wir haben geredet und gelacht, Jana sagte plötzlich  "oh, Zeit für Timmy, der Kindergarten ist gleich aus" ... und der erste, der  aufsprang, war Bernd. Meinte ein bisschen verlegen "ähem - wenn ihr  einverstanden seid - ich könnte ja auch mal schnell fahren..." Das war, finde  ich, eine richtig nette Geste. Jana hat sich sehr drüber gefreut, das konnte man  sehen.

 

Fortsetzung folgt? J

 

 

25.01.2006 um 07:58 Uhr

bye bye

von: Galahad

Musik: Edguy ... Vain Glory Opera

Gestern habe ich jetzt endlich die Sache mit Sven und der Band erledigt. Gleich vorab - es war dieses Mal kein bisschen schlimm. Nicht rührselig, kein tränenreicher Abschied. Es ist richtig, was ich tue.

 

Ich habe zuerst mal mit Sven allein geredet, ihm gesagt, was gelaufen ist und ihm auch den bereits unterschriebenen Vertrag gezeigt. Sven war nicht im Geringsten überrascht. Meinte "Danny, du kannst mir glauben, irgendwie habe ich das kommen sehen. Die sind ja auch nicht blöd da drüben, die wissen, was gut fürs Geschäft ist." Und dann sagte er "mach es, wenn du willst und gib dein Bestes. Wenn du Schwierigkeiten hast, kannst du dich jederzeit bei mir melden, das weißt du hoffentlich." Er hat mit mir noch den Vertrag durchgesehen, aber da ist nichts Besonderes drin. Nur tatsächlich so ein Passus, dass wir unser Privatleben nicht auf der Bühne ausleben sollen oder so ähnlich. Die haben echt einen Schlag weg, die Amis! Schreiben so was in einen Vertrag rein *grins*

 

Ich hab dann noch gewartet, bis die Bandmitglieder kamen, und ihnen gesagt, was abgeht. Ja, sie waren schon traurig, aber sie kennen mich gut genug, um das richtig einschätzen zu können. Und als ich ihnen ein bisschen beim Proben zugehört habe, hatte ich auch wieder dieses Gefühl - es ist richtig so.

 

Komischerweise war vor allem Matthias, der neue Sänger, ganz traurig. Er sagte wieder "ich hatte mich doch so darauf gefreut, mal mit dir zusammen zu singen"… lieb ist er. Ich meinte, dass er die alten Sachen genau so gut bringen kann, die Jungs spielten einen der alten Songs an, und plötzlich hielt mir Matty das Mikro hin und sagte "komm, wenigstens ein Mal!". Und dann haben wir eine halbe Stunde zusammen richtig abgerockt. Und was soll ich sagen? Es wäre super geworden zusammen. Es hätte gepasst! Wir haben so lange gemacht, bis Sven gekommen ist und mich quasi "rausgeschmissen" hat. Sagte, so deutlich wolle er gar nicht gezeigt bekommen, was ihm entgangen sei, deshalb sollte ich allmählich verschwinden - aber er hat gelacht dabei. Ich weiß schon, wie es gemeint ist.

 

Ja, das war’s dann endgültig. Aber ich werde sie oft besuchen, wenn wir hier sind.

 

Ich bin dann nach Hause gefahren. Dort die perfekte Idylle *grins*… Jana war am Kochen, und Chrissy lag auf dem Boden und spielte mit Timmy mit seinen Autos. Sah süß aus. Chris mag Timmy und umgekehrt, sie spielen oft zusammen, jeder redet dann in seiner Sprache, keiner versteht den anderen, aber das scheint keine Rolle zu spielen. Nach ein paar Tagen fängt Timmy dann sogar an, einige englische Wörter zu benutzen… das ist beeindruckend, wie leicht Kinder mit so was umgehen.

 

Chris hat mich nur kurz angesehen und leise gefragt "alles ok bei dir?" - "Ja, alles ok". "Hast du nochmal mit ihnen zusammen gesungen?" Da war ich erst mal nur erstaunt. "Ja, wie kommst du denn darauf?" - "Na, weil ich mir das auch wünschen würde, wenn ich den Abschied von meiner Band nehmen müsste". J

 

Der Rest war dann noch ein schöner, gemütlicher Abend. Bernd kam etwas später auch, er hatte vorher noch zwei Termine gehabt (er arbeitet bei einer Versicherung). Nein, ich glaube nicht, dass Jana sich wirklich Sorgen machen muss. 

 

 

 

23.01.2006 um 06:42 Uhr

Seelentröster

von: Galahad

Musik: Shakra ... Fall

Ja, das sind wir. Seelentröster. Samariter. Uneigennützig, hilfsbereit und verständnisvoll. Ha,ha, ja, ich komme schon wieder runter ;-).

 

Chris ist also gestern mit Bernd weg, und ich hab es mir mit Jana hier daheim bequem gemacht, nachdem der Zwerg im Bett war. Rotwein, Pizzaservice, ein Liebesfilm - das war wohl genau die richtige Kombination (nennt man das Katalysatorwirkung?). Nach dem zweiten Glas Wein hat sie auf jeden Fall angefangen zu heulen, was das Zeug hält. Ich habe sie eine Stunde lang nur im Arm gehalten und weinen lassen, dabei hat sie ziemlich viel wirres Zeug geredet - von Bernd, von Frederic (Timmys Vater), von mir. *heul*... "warum laufen mir immer die Männer weg (tun sie doch gar nicht)... warum kriege ich nie die Männer, die ich will (Unsinn)... das hat schon mit dir damals angefangen (jetzt bin ich auch noch Schuld an allem Elend)... ich war damals verliebt in dich"... - "Ja, Kleines, mit 13, und ich hab dir damals erklärt, warum es nicht geht"... "Ich hab Bernd echt so lieb, aber jetzt geht er bestimmt zu seiner Frau zurück"... armes Kleines...

 

Ich hab sie einfach nur festgehalten, ab und zu gesagt "du wirst sehen, das wird schon wieder" (genau wie sie bei mir vor ein paar Wochen, wie schnell so was gehen kann!). Und irgendwann war’s dann gut. Sie wurde ruhiger, wir haben noch ein bisschen den Film angeschaut, und irgendwann ist sie auf der Couch eingeschlafen. Ich hab sie ins Bett gebracht, bin noch eine Weile bei ihr sitzen geblieben und dann auch schlafen gegangen.  

 

Mein Indianer ist erst ein paar Stunden später wieder eingelaufen. Polternd, deutlich alkoholisiert, aber zumindest noch des aufrechten Ganges mächtig J

 

"Hi, my dear, da bin ich wieder" - "das ist schön, wie war’s?" - "ja, war gut". "Hat Bernd was gesagt?" - "Was denn?" - "Na, was er machen will. Mit seiner Frau und so?" - "Also, darüber haben wir eigentlich gar nicht geredet."

 

Boah! Ich hoffe, ich kriege mildernde Umstände, wenn ich diesen Mann doch irgendwann mal umbringe!!! "Darüber solltest du aber doch mit ihm reden. Was habt ihr denn gemacht den ganzen Abend?" - "Wir waren Burger essen, danach was trinken, und wusstest du, dass wir beide gerne Wrestling sehen? Wir haben viel über die Wrestler geredet. Und nachher noch Darts gespielt..." *grummel*

 

Später ist mir dann aber der Gedanke gekommen, dass Chris vielleicht doch genau das Richtige damit gemacht hat. Vielleicht hat es Bernd mehr gebracht, mal für ein paar Stunden auf andere Gedanken zu kommen und nicht ständig über das Thema nachzudenken, sondern einfach mal mit ’nem Kumpel durch die Altstadt zu ziehen.

 

Fortsetzung folgt...

 

 

 

22.01.2006 um 09:12 Uhr

back home

von: Galahad

Musik: Primal Fear ... Seven Seals

Wieder daheim!

 

Wir sind zuhause. Und das ist wunderschön... obwohl der "Haussegen" hier im Moment ganz schön schief hängt. Nein, nicht bei Chris und mir, sondern in meinem Haus - will heißen bei Jana und Bernd. Grund ist folgender:

 

Bernd ist ja vor ein paar Monaten von seiner Frau verlassen worden. Sie ist damals zu ihrem neuen Freund gezogen, und Bernd hat gelitten wie ein Hund. Nun ja, mittlerweile hat sie wohl gemerkt, dass der Neue auch nur mit Wasser kocht, und sich wieder von ihm getrennt. Sie ist zurück in das gemeinsame Haus gezogen (wo Bernd ja auch immer noch regelmäßig hinkommt) und versucht jetzt alles, um ihn zurück zu gewinnen.

 

Bernd ist hin- und hergerissen. Zum einen hat er, glaube ich, Jana wirklich sehr lieb. Zum anderen ist er mit Silvia, seiner Noch-Ehefrau, 8 Jahre zusammen gewesen, davon 6 Jahre verheiratet; so eine lange Zeit kann man wahrscheinlich nicht so einfach wegwischen. Er ist in sich gekehrt und mit den Gedanken dauernd abwesend, grübelt wohl viel zu viel rum. 

 

Jana macht genau das, was sie in solchen Situationen immer tut: nichts. Sie sagt gar nichts, zieht sich einfach zurück und heult. Timmy ist traurig, weil seine Mama traurig ist. Der einzige, der uns fröhlich begrüßt hat, ist Rufus, der ist an uns hochgesprungen und hat gewedelt, was das Zeug hält. Entweder er hat uns echt vermisst, oder er war einfach nur froh, nicht mehr nur Depris um sich rum zu haben. Whatever.

 

Wir haben Kriegsrat gehalten, Chris und ich. Und haben beschlossen, uns heute Abend zu "trennen": Chris macht mit Bernd einen Streifzug durch die Altstadt und versucht mal, mit ihm zu reden. Nicht, dass wir ihn beeinflussen wollen, ich denke nur, er frisst im Moment alles in sich rein. Ich bleibe daheim und mache mit meinem Janakind einen gemütlichen Abend auf der Couch. Rotwein, irgendein Schnulzenfilm – na ja, "Alexander" wird sie ja wohl hoffentlich nicht wieder anbringen. Obwohl, wäre mir eigentlich auch egal. Das erinnert mich an - ja genau! Oh Mann, das ist erst 3 Monate her, kommt mir vor wie 3 Jahre. Was der jetzt wohl macht, dieser Alex? Und ob der eigentlich am nächsten Morgen meinen Namen noch wusste? ;-)

 

Zurück zur Gegenwart. Ich werde mich also heute Abend um Jana kümmern und versuchen, sie wieder ein bisschen aufzubauen. 

 

Und morgen nehme ich dann die Sache mit Sven und der Band in Angriff. Oder nein, besser übermorgen, wenn sie Probe haben.

 

 

20.01.2006 um 17:32 Uhr

learning 'bout Chris part 2

von: Galahad

Vorhin ist etwas passiert, das genau zu meinem letzten Eintrag passt. Oh Mann!

Chris hat vorgeschlagen, mir spanisch beizubringen. Er spricht es selbst fließend, hat es als Kind von seinen Verwandten mütterlicherseits gelernt. Und, wie üblich, hob er gleich zu einem seiner gedanklichen Höhenflüge ab: "Danny, und wenn du das dann kannst, fliegen wir mal nach Kolumbien, da hab ich noch eine Menge Verwandtschaft, die besuchen wir dann" (Mit! Sicherheit! Nicht!). Und "Danny, wir könnten doch mit der Band auch mal was südamerikanisches machen, wir singen spanisch, und diese Gitarren, du weißt schon, so was wie ... (nennt die Namen von zwei südamerikanischen Bands)..." Hilfe...

"Ok", sage ich, "dann bring du mir spanisch bei, und ich bringe dir dafür deutsch bei." Und was passiert? Schlagartig Stimmungswechsel. Und von ihm ein donnerndes "NO!".


"Nein?" - "Nein!". "Und warum nicht?" - "Weil ich nicht will". "Verdammt, Chrissy - ich rede mit dir in deiner Muttersprache, soll jetzt die zweite noch lernen - warum lernst du dann meine nicht auch? Du hast doch gesagt, dass wir oft in Deutschland sein werden, da macht es doch Sinn, wenn du etwas verstehst und dich ausdrücken kannst."

Boah, er springt auf, sieht mich an (oh, oh, wenn Blicke Dolche wären...) und stürzt aus dem Zimmer. Türgeknall. Dann Sendepause.

Hm, diese Wegrennerei habe ich jetzt schon ein paar Mal bei ihm erlebt. Beim ersten Mal war ich total erschrocken und bin ihm nach, aber mittlerweile weiß ich, dass er dann irgendwo allein versucht, sich zu beruhigen und seine Gedanken zu sortieren. Er taucht schon irgendwann wieder auf.

So auch dieses Mal. Nach einer Viertelstunde kommt er wieder rein, nimmt mich in den Arm und sagt leise "I'm sorry, my dear".  "Ist schon ok, aber bitte sag mir doch, was passiert ist. Was war verkehrt an dem Vorschlag?"

Da sitzt er, mein Großer, wie ein Häufchen Elend, schluckt und stottert und sagt dann "ok, wir haben ja versprochen, ehrlich zueinander zu sein, also bin ich es jetzt. Danny, es ist nicht so, dass ich das nicht lernen will - ich kann es nur nicht. Ich bin nicht Melissa, der du die Wörter zweimal vorsagst, und dann weiß sie es. Ich hatte früher in der Schule immer viele Probleme, hab nur mit Mühe und Not überhaupt einen Abschluss gemacht, und kann noch nicht mal richtig englisch schreiben. Ich bin - nicht sehr klug."

Mann, oh Mann. Ich hab ihn nur angesehen und gesagt "Chris, das kann doch nicht sein. Du hast doch nicht nur songs für die Band geschrieben, sondern auch die lyrics (Songtexte) dazu." "Ja", meinte er "es gibt ja auch viele Rechtschreibprogramme, die lasse ich dann da drüberlaufen, und trotzdem sind nachher noch Fehler drin. Und was meinst du, was ich für Bauchweh hatte, wenn ich dir mal eine Mail geschrieben hab."  Und dann fragt er ganz ernst "was denkst du denn jetzt von mir?" "Chrissy, du lieber verdammter Idiot, was denkst denn du umgekehrt von mir? Dass meine Gefühle davon abhängen, wie gut du in der Schule warst???"

Der Rest des Gesprächs war sehr emotional. Er hat echt Angst, dümmer zu sein als andere. Und dass es mir deshalb irgendwann langweilig wird und ich ihn dann verlassen werde. Ich, ausgerechnet! Ich dachte sofort, dass ihm etwas ähnliches vielleicht schon mal früher passiert ist, aber er sagt nein, er habe ja noch nie so eine Beziehung gehabt. Es spielt sich wohl wirklich nur bei ihm im Kopf ab. Was für ein verrücktes, trauriges Spiel!

Und gerade deshalb lernen wir jetzt doch - ich spanisch, er deutsch. Bei mir daheim würden wir "grad selääds" sagen (= jetzt erst recht). Weil jedes einzelne gelernte Wort ein Erfolgserlebnis ist.

 

 

18.01.2006 um 17:47 Uhr

was ich über Chris lerne

von: Galahad

Ich lerne jeden Tag Neues über Chris. Und das ist für mich ein wahnsinnig spannender und faszinierender Prozess. Obwohl (oder vielleicht gerade weil) es keineswegs nur "Gutes" ist, sondern auch ganz normale Schwächen und Macken. Aber das ist ok, ich will ja einen Mensch an meiner Seite und keinen Gott. Es ist etwas sehr Schönes und Intensives; ich war noch nie einem Menschen so nahe. Und es hat eigentlich in den letzten Tagen erst richtig angefangen.

Am Anfang, als wir uns kennengelernt haben, war da nur diese Anziehung zwischen uns, wir waren einfach happy und verrückt aufeinander. Die beschissene Zeit der Trennung, die danach kam, hat uns mehr als alles andere gezeigt, dass es ohne den anderen nicht mehr geht. Als wir dann endlich wieder zusammen waren, ging es erst mal darum, die letzten "Altlasten" zu beseitigen und unsere Leben irgendwie in eine gemeinsame Bahn zu bringen. Und erst jetzt, seit wir unsere Zukunft – UNSERE Zukunft - beruflich wie auch privat soweit abgesteckt haben, lerne ich allmählich den Mann, mit dem ich bis an mein Lebensende zusammenbleiben will, richtig kennen. Das ist irgendwie seltsam und wunderschön.

Eine Sache macht mir allerdings im Moment viel Gedanken: Chris hat mir gegenüber so eine Art Minderwertigkeitskomplex. Nein - Komplex ist nicht das richtige Wort, aber ich weiß nicht, wie ich es anders nennen soll. Er sagt zu mir Sachen wie "Ich hätte niemals gedacht, dass jemand wie du sich für mich interessiert" oder "ich hätte nie geglaubt, mal einen Freund wie dich zu haben", und das macht mir ein bisschen Angst. Ich verstehe es nicht, denn objektiv gesehen ist Chrissy derjenige von uns, der in allem "mehr" und "besser" ist.

 

"Verdammt, Chrissy, du bist ist älter, du bist größer, du siehst viel besser aus, du kommst aus besseren Verhältnissen, hast mehr Geld, deine Band ist erfolgreicher... was meinst du damit? Was ist denn "jemand wie ich"? Und er sagt "Nein, Danny, das meine ich nicht - aber du bist viel stärker als ich (ach, bin ich das???), du weißt, was du willst und gehst deinen Weg, egal was andere sagen (hm), du hast auch die Zeit unserer Trennung viel besser als ich verkraftet" (oh Mann, er müsste hier mal die alten Einträge lesen).

Was ich damit jetzt sagen will? Keine Ahnung, um ehrlich zu sein. Ich weiß nur, dass hier etwas sehr Emotionales passiert. Und es erinnert mich an eine Diskussion hier kürzlich in einem anderen Blog, als es um Beziehung ging und darum, sich zu öffnen, und wie verletzbar man dadurch wird.

Ich glaube, ich muss noch viel lernen.


 

16.01.2006 um 18:35 Uhr

Gedanken zum Familienleben

von: Galahad

Ich muss doch noch mal auf die Sache mit den Familienfotos und der ganzen Unterhaltung vorgestern zurückkommen; mir geht nämlich seitdem so viel im Kopf herum.

 

Es waren schöne Bilder, und die drei haben immer so glücklich ausgesehen. Klar, Leute lachen meistens auf Bildern, aber das hier sah echt aus. Chris und sein Dad, wie sie am Strand toben, seine Eltern, beide schlafend in der Wiese, Chris und seine Mum beim Kuchenbacken,  alle drei irgendwo im Urlaub... so viel Schönes.

Von mir gibt es solche Bilder leider nicht. Nein, ich bin deshalb nicht eifersüchtig auf Chrissy, ich gönne ihm das, es macht mich nur ein bisschen traurig. Von mir gibt es zwei Klassenfotos und ein paar Bilder, die bei Jana auf Kindergeburtstagen oder so beim Spielen aufgenommen wurden. Und noch zwei, drei Pics aus der Zeit, als mein älterer Bruder eine Sofortbildkamera bekommen hatte und alles und jeden damit knipste. Ich weiß daher, dass ich als kleiner Bub schon ziemlich lange Haare hatte und dünn und relativ klein für mein Alter war (bin aber Gott sei Dank später noch gewachsen J ). Aber es gibt echt kein einziges Bild mit meinen Eltern. Ich hab auch keine Bilder von ihnen.

 

Als wir da vorgestern zusammen gesessen haben, fragte mich Gladys natürlich auch nach meiner Kindheit. Chris (dem hab ich mal so einiges erzählt) wollte das Thema noch umbiegen, aber dann hab ich doch so ein paar Sachen erzählt, und sie wurde sehr nachdenklich. Ich glaube, ich habe hier im Blog auch noch nie etwas darüber geschrieben, vielleicht mache ich es irgendwann mal. Jetzt müsste ich zu weit ausholen, und es passt nicht so gut. Nur so viel, mein Vater war Alkoholiker und arbeitslos und meine Mutter ständig weg, irgendwo unterwegs. Um mich hat sich höchstens mal mein Bruder (knapp 10 Jahre älter) gekümmert, aber meistens war der auch weg.

Ich bin nach der Schule nachmittags in eins der großen Kaufhäuser in der Stadt gegangen und hab dort bis abends abgehangen, weil mein Dad gerade um die Mittagszeit immer so eine Aggressiv-Phase hatte, wo er auf alles, was sich bewegt hat, drauf geschlagen hat. Deshalb bin ich immer erst abends heim, wenn er nichts mehr mitgekriegt hat. Manchmal ist meine Mutter auch abends heimgekommen, aber dann hatte sie meistens einen Kerl dabei... na ja. Vielleicht erzähle ich wirklich irgendwann bei Gelegenheit mal mehr darüber. Muss aber auch nicht sein, es sind keine schönen Erinnerungen. Und mittlerweile leben ja beide auch schon nicht mehr.

 

Gladys hat ganz leise gesagt: "Danny, das ist schlimm, aber versuch’, deine Eltern nicht zu hassen deswegen. Sie haben dir trotz allem dein Leben geschenkt und dir damit ermöglicht, alles Schöne hier und jetzt zu erleben. Sieh’ sie als zwei arme, bedauernswerte Menschen, die an ihrem Leben gescheitert sind. Und danke deinem Gott, dass er dir genug Stärke und Charakter gegeben hat, um dein eigenes Leben so zu führen, wie du es willst und jetzt tust. Nutz du jetzt deine Stärke, um anderen, denen es schlechter geht, zu helfen."

 

Das finde ich beeindruckend. Ich bin kein Kirchgänger, aber schon irgendwie gläubig. Und ich hatte eher erwartet, dass Gladys eine ihrer sarkastischen Bemerkungen draufhaut, die kann ich, wie ich gemerkt habe, gut auskontern. Während mir bei solchen Sprüchen wie diesem immer fast die Tränen kommen.

Ich versuche ja tatsächlich, zu helfen, wenn ich kann, weil ich auch schon für das kleinste bisschen Hilfe früher dankbar war. Ich hab Jana immer geholfen, so gut es ging, und ich wollte auch immer, dass Timmy, der ja ohne Vater aufwachsen muss, nie das Gefühl hat, unerwünscht zu sein.

Gladys hat mir dann Bilder gezeigt von Straßenkindern in Bogota, das ist auch so ein Projekt, bei dem sie mitmacht. Diese Kinder sind allein, obdachlos und versuchen mit allen Mitteln, zu überleben (gibt es natürlich auch in anderen Städten). Das Projekt versucht, diese Kinder von der Straße zu holen, sie zur Schule zu schicken und ihnen etwas "Geregeltes" zu vermitteln. Luisa und Maria, die zwei Mädchen, die bei Gladys im Haus beschäftigt sind, stammen z.B. von dort. Mit knapp 11 Jahren sind die dort schon beide anschaffen gegangen, um durchzukommen. Gladys hat ihnen die Schule und danach den Besuch einer Hauswirtschaftsschule bezahlt, sie zahlt ihnen jetzt Lohn und hat nebenbei für beide noch Konten angelegt, auf die sie einzahlt; das Geld kriegen sie, wenn sie heiraten oder weggehen, oder wenn Gladys stirbt.

Warum ich das erzähle? Weil mir dadurch klar geworden ist, dass ich es zwar nicht immer einfach hatte als Kind, aber immer noch tausendmal besser als solche Kinder in anderen Ländern. Ich denke, das wollte Gladys mir auf diese Art auch zeigen.

Ich glaube, bevor ich jetzt weiter diesen Gedanken nachhänge, gehe ich Chris suchen und schmeiße ihn in den Pool oder mache irgendeinen anderen Blödsinn. Es ist nicht wirklich wichtig, wie es früher mal war, wenn es doch jetzt so gut ist. Und es ist so schön, mit ihm gemeinsam über was zu lachen.

14.01.2006 um 15:41 Uhr

Grüße aus Florida

von: Galahad

Hallo, liebe Grüße an alle daheim! Wir machen hier in Fort Myers bei Gladys noch ein paar Tage Urlaub, bevor wir nach Deutschland zurückkommen.

 

Es war meine Idee, hierher zu fahren. Chris hat mich, als ich den Vorschlag gemacht habe, wie einen Verrückten angesehen und gemeint: "also ehrlich, Danny, du bist komplett bescheuert - zuerst machst du tagelang Stress, wenn ich einmal mit dir zu meiner Mum will, und jetzt sind wir kaum weg, da hast du schon wieder Sehnsucht. Frag’ sie doch, ob sie dich adoptiert". Aber so ernst war das natürlich nicht gemeint, er ist schon ganz froh, dass ich mich gut mit ihr verstehe. Hat dann auch gleich bei ihr angerufen und uns "angemeldet". Und seine Mum hat sich gefreut. Sie will zwar in drei Wochen selbst in Urlaub fahren, meinte aber, wir könnten ruhig in der Zeit hier bleiben. Aber in drei Wochen werden wir ja auch schon lange wieder in Deutschland sein.

 

Ich fühle mich echt sehr wohl hier. Und ich mag Gladys sehr gern, mit ihrem ironisch/ sarkastischen Humor. Wenn sie die "peniblen und pedantischen" Nachbarn nachmacht, bei denen der Rasen täglich gemäht wird und das Essen auf die Minute genau auf den Tisch kommen muss. Allerdings ist man in den Augen von Chris und Gladys, diesen zwei Chaosleuten, auch schon pedantisch, wenn man seine Schuhe irgendwo ordentlich paarweise nebeneinander hinstellt. J

 

Und es tut schon gut, wenn sie - wie vorhin - plötzlich meine Hände nimmt und sagt "Danny, es macht mir richtig Freude, wenn ich euch zusammen sehe. Chris war früher immer sprunghaft und nervös, und jetzt strahlt er eine solche Ruhe aus. Es geht ihm gut jetzt." Komisch, da fällt mir ein, dasselbe hat Jana vor unserer Abreise zu mir über mich gesagt... dass ich viel ruhiger und ausgeglichener geworden sei. Hm... wird wohl so sein.

 

Oder gestern - da rief Gladys mich, als Chris am PC beschäftigt war. Der muss übrigens etwas von mir sagen! Er kann stundenlang am PC rumhängen, zappt von Homepage zu Homepage und schreibt dort was - allerdings ruft er mich, wenn ich in der Nähe bin, immer dazu und sagt dann "schau mal, was der und der schreibt" oder "lies das hier mal, wie findest du das?" oder "die spinnt doch". Ja, auf jeden Fall fragte mich Gladys, ob ich mal Bilder von Chris’ Dad sehen wollte. Klar, sagte ich, gerne. Ich weiß ja nicht viel über Chris’ Dad, nur, dass er auch Christopher hieß und vor über 10 Jahren gestorben ist.  Und dass Gladys ihn wohl sehr geliebt hat, denn sie war damals, als er starb, erst 51 und hat danach keinen neuen Freund oder Mann mehr gewollt.

 

Wir haben ein Glas Rotwein zusammen getrunken, und sie zeigte mir etliche Bilder - von ihrer Hochzeit, vom Urlaub, von Chris als kleinem Bub (hey, war das ein Pummel, gut, dass er noch ein Stück gewachsen ist, mit 2 Jahren konnte man den rollen *grins*) usw. Ja, Chris’ Dad war schon ein beeindruckender Mann. Groß, mit blauen Augen und blonden Haaren. Ich musste unwillkürlich grinsen und Gladys sagte im gleichen Moment auf ihre typisch spöttische Art "ja, Chris und ich haben sehr viel gemeinsam, offenbar auch denselben Geschmack bei Männern". Und ganz lieb kam hinterher "aber denk du jetzt nicht, dass ich dich nur deshalb gerne habe, weil du mich an meinen Mann erinnerst". Warum sie nicht wieder geheiratet hat, habe ich sie gefragt, da meinte sie, er sei ihre große einzige Liebe gewesen und sie sei sich sicher, dass sie ihn irgendwann "in dem Land auf der anderen Seite" wiedersehen würde - und so lange könne sie auf ihn warten. Toll...

 

Irgendwann ist uns Chris suchen gekommen, und wir haben noch eine ganze Zeitlang zu dritt zusammen gesessen und geredet. Das war ein schöner Nachmittag.

 

11.01.2006 um 18:15 Uhr

Es ist (fast) vorbei

von: Galahad

Ich meine natürlich mit dem Titel die Tournee. Heute Abend ist das letzte Konzert, und ab morgen haben wir FREI!!!

 

Obwohl - ich werde die Monopoly-Nachmittage mit Melissa echt vermissen *grins* ...Wo sie die Kärtchen mittlerweile richtig schön auf deutsch lesen kann. J

 

Seit entschieden ist, dass ich bei der Band einsteige, sehe ich die letzten Konzerte natürlich mit ganz anderen Augen. Ich überlege mir  jetzt immer, was ich genauso machen würde und was total anders. Es macht mir Spaß, mir das vorzustellen, und ich freue mich wirklich darauf, wenn es im März für uns alle losgeht. Erste lockere Treffen, erste neue Kompositionen abgleichen, ausprobieren... alles ein bisschen anders, als ich das von uns daheim kenne, aber Chris sagt, es funktioniert seit Jahren so.

 

Die Jungs von der Band waren nicht weiter überrascht, als wir - Chris und ich, zusammen mit dem Management - ihnen von meinem geplanten Eintritt in die Band erzählten. Ich bin mir nicht sicher, ob sie überhaupt etwas dagegen hätten sagen dürfen, aber sie haben es echt sehr positiv aufgenommen. Ich sagte ja schon, ich verstehe mich gut mit ihnen. Was sie alle gemeinsam haben, ist seltsamerweise der Wunsch, viele möglichst unterschiedliche Sachen zu machen. Als Chris sagte: "Jungs, wir werden demnächst wieder ein Stück härter werden", haben sie Beifall geklatscht. Wenn er gesagt hätte "wir machen als nächstes eine Oper", hätten sie das vielleicht auch getan. Aber auf jeden Fall sind es sehr gute Musiker, mit denen kann man einiges auf die Beine stellen.

 

Ja, ich freue mich drauf... J

 

 

 

08.01.2006 um 16:12 Uhr

Entscheidung

von: Galahad

Entscheidung im Morgengrauen - gab’s da nicht mal einen Film? Ein Western? Na, egal, ganz soviel Dramatik brauche ich auch nicht. Ist mir nur gerade so eingefallen...

 

Gestern nach dem Konzert habe ich also Chris von dem Angebot seines Managements erzählt. Wir haben die ganze Nacht wach gelegen und geredet. Diskutiert. Und Pläne geschmiedet... (ich liebe es, mit ihm Pläne zu machen...)

 

Wenn ich erwartet hatte, dass Chris einen Luftsprung vor Freude macht, wenn er von dem Vorschlag hört, so hatte ich mich zunächst mal getäuscht. Er machte die Augen zu, legte den Kopf zurück und sagte nur leise "also das ist es, worüber du die ganze Zeit nachdenkst". Oh Mann, er dachte echt, dass ich über ihn/ über uns nachdenke und Zweifel habe. Das tut mir so unendlich leid. Und ich hatte ihm doch gleich gesagt, dass das Ganze nichts mit ihm zu tun hat.

 

Er sagte dann natürlich, dass es allein meine Entscheidung ist und er mir da zu nichts raten kann und will. Und meinte dann (in typischer "Jana-Manier", die hätte das auch so gesagt): "Stell doch einfach mal die Dinge, die dafür und dagegen sprechen, nebeneinander".

 

Also, was spricht dafür?

 

In erster Linie natürlich die Vorstellung, mit Chris was Gemeinsames zu machen. Es wäre unser Ding, unsere Band. Ich wäre kein bloßes Anhängsel mehr. Ich mag die Leute von der Band. Und mit Chris zusammen auf der Bühne, so wie in San Francisco, das wäre schon großartig.

 

Und dafür spricht auch das, was ich schon über meine Band geschrieben habe. Wir haben uns auseinander entwickelt, das habe ich an Weihnachten deutlich gemerkt. Klar, wir sind immer noch Freunde und verstehen uns gut, aber sie proben jetzt Songs, die ich nicht kenne, haben eine neue Bühnenshow... es ist nicht mehr "meine" Band. Wahrscheinlich habe ich mich auch verändert in den letzten Wochen.

 

Und was spricht dagegen?

 

Ganz klar, meine Angst, meine Heimat, mein Zuhause dadurch zu verlieren. Die Vorstellung, Timmy, Rufus und Jana nicht mehr zu sehen (upps, was für eine Reihenfolge, aber egal, ich lass es so stehen). Ja, vieles hier ist schön und die Leute sind durchweg nett, aber kann ich hier je "zuhause" sein?

 

Und dann auch die Musik. Es ist nicht das, was mir wirklich gefällt. Klar kann ich solche Songs auch singen, aber ich hab eigentlich einen anderen Musikgeschmack. So richtig mein Ding ist das nicht.

 

Chris hört sich das alles ganz ruhig an und fragt nur "und das ist wirklich alles?" - "Ja, klar, was denn noch?" "Ok, willst du meine Meinung hören?"- "Ja, bitte". 

 

Und Chris fängt an: 

 

"Also, Danny, als erstes zur Musik. Wir haben dieses Americana-Album gemacht, weil diese Musik im Moment sehr populär hier ist und wir es gerne mal ausprobieren wollten. Aber du kennst doch auch ältere Sachen von uns - wir haben doch auch schon ganz anderes gemacht. Vielleicht nicht Metal, aber Hardrock mit Sicherheit. Und bei deiner Band ist diese Grenze doch auch ziemlich fließend. Warum nicht als Nächstes etwas, was dir richtig gefällt, wir sind doch nicht festgelegt.

 

Und zu dem anderen Punkt: warum sollst du denn dein Zuhause in Deutschland verlieren? Wir sind hier ein bisschen anders organisiert, die Bandmitglieder wohnen doch auch zum Teil sehr weit entfernt voneinander. Wir sind eigentlich nur zu Aufnahmen und Konzerten wirklich alle zusammen, sonst trifft man sich mal mit dem, mal mit dem. Klar müssten wir uns hier etwas suchen, wo wir leben würden - zusammen leben würden - aber wir könnten manchmal auch mehrere Wochen am Stück in Deutschland sein. Übers Jahr gesehen bestimmt einige Monate. Behalte dein Haus, lass’ Jana drin wohnen, dann kann sie ihre Miete sparen, und wenn wir rüberfliegen, wären wir alle zusammen. Ich verspreche dir, wir werden zu Timmys Geburtstag dort sein... und zu seiner Einschulung... was du willst."

 

Und dann kommt es endlich, dieses Aufleuchten in seinen Augen, als er sagt "Danny, denk doch mal - wir zwei zusammen auf der Bühne. So wie in San Francisco. Zusammen... in unserer Band."

 

Muss ich noch mehr sagen? Aber eigentlich hatte ich die Entscheidung ja auch vor diesem Gespräch schon getroffen.

 

Ich hab ihn dann aber doch noch gefragt, was er denn vorhin meinte - ob das wirklich alles ist, was dagegen spricht. Da druckste er so komisch rum und sagte schließlich, er habe gemeint, ich sei hauptsächlich deshalb dagegen, weil wir dadurch irgendwie wirtschaftlich und finanziell voneinander abhängig würden. Dann könnte ich nicht mehr so einfach "bye" sagen, wenn ich nicht mehr will. Ich – ausgerechnet! Oh Chrissy... du verdammter Idiot… J

 

Den Rest der Nacht haben wir dann Pläne gemacht (ich liebe es...). Wir werden nach dem letzten Konzert jetzt doch keinen Urlaub hier machen, sondern nach Deutschland fliegen. Ich muss mit Sven persönlich über das alles reden. Und dann werden wir uns hier irgendwo eine Wohnung suchen. Oh Mann, auf das Chaos freue ich mich jetzt schon...

 

Beim Frühstück hab ich Ed dann gesagt, dass ich dabei bin. Der hat nur gegrinst und einen fix und fertigen Vertrag aus der Tasche gezogen - die vergeuden hier wirklich keine unnötige Zeit. Den Vertrag hab ich noch nicht gelesen, ich gebe zu, dass das ein Punkt ist, wo meine Englischkenntnisse an ihre Grenzen stoßen, aber Chris kann ihn ja mit durchlesen. Wahrscheinlich haben sie irgendwelche Benimmregeln mit eingebaut -  dass wir uns auf der Bühne nicht küssen dürfen oder so was *grins. Aber da haben wir auch schon drüber geredet - wie wir zusammen rüberkommen wollen. Auf der Bühne nicht betont als Paar, das steht fest. Wenn in irgendwelchen Musik-Mags nachher steht "die zwei Sänger, die auch privat liiert sind" oder so was, dann ist das ok, aber bei Auftritten "darstellen" werden wir es nicht. Das eine ist Business, das andere ist unser Privatleben.

 

Jetzt, wo es entschieden ist, fange ich langsam an, mich richtig drauf zu freuen. Heute Abend reden wir mit der Band darüber, aber wie gesagt, mit denen verstehe ich mich sehr gut, da gibt es bestimmt keine Probleme.

 

 

 

 

07.01.2006 um 16:01 Uhr

Nachtrag

von: Galahad

Jetzt muss ich aber doch lachen. Eigentlich dachte ich, das Angebot wäre bisher noch top secret. Und was passiert?

 

Kaum, dass Chris heute weg ist, kommt Melissa ins Zimmer geschneit. Schwingt sich aufs Bett und fragt freudestrahlend: "Und, machst du’s?" "WAS mache ich?" "Na, bei der Band einsteigen!"

 

Hey, die soll mir noch mal was von blondem Dummchen vorspielen! Ich war so überrascht, dass ich nur sagte "woher weißt du davon? Ed sagte, es bleibt noch unter uns."

 

"Ja", meint sie, "aber sie haben an Weihnachten bei uns daheim darüber geredet. Daddy hat denen doch den Vorschlag gemacht - nachdem ich es Daddy vorgeschlagen hatte! Ich hab’ zu Daddy gesagt, ihr zwei kommt da oben zusammen so süß rüber, das kann man doch bestimmt gut vermarkten. Und wenn du Mitglied der Band bist, fragt auch keiner mehr, warum du ständig mit unterwegs bist". Boah!!!

 

Offenbar war "Daddy" der gleichen Meinung (der ist von unserem Auftritt in San Francisco ja so begeistert gewesen) und Ed vom Management war es auch, die anderen zwei waren erst mal skeptisch, haben sich dann aber überzeugen (überreden?) lassen. So, so.

 

Und dann strahlt sie mich an mit ihrem Highschool-Queen-Lächeln und sagt "Als Ed dich gestern zu sich gerufen hat, konnte es ja nur um das Angebot gehen. Und - bist du jetzt glücklich?" J

 

Bin ich das? Ja, ich glaube, das bin ich. Kommt immer mehr. Ich werde heute Abend nach dem Konzert mit Chrissy reden.

 

Eigentlich Wahnsinn, was hier abgeht! J

 

07.01.2006 um 09:39 Uhr

ich weiß nicht mehr weiter im Moment

von: Galahad

Im Moment geht es mir überhaupt nicht gut. Es ist hier etwas passiert, und dich bin völlig durcheinander und weiß nicht, was ich machen soll.

 

Nein, mit Chris hat es nichts zu tun, Gott sei Dank. Wenn es zur Zeit in meinem Leben etwas gibt, wozu ich vorbehaltlos und ohne nachzudenken JA sage, dann ist das Chris und unsere Beziehung. Da ist wirklich alles traumhaft und wunderschön.

 

Es ist was anderes… wo fange ich am besten an?

 

Also, wir sind im Moment in Kansas City, hier findet heute Abend das zweite der vier ausgefallenen Konzerte statt. Die Planung sah so aus: 4.1. Treffen der Band in Oklahoma City, Konzerte am 5., 7., 9. und 11.1. - Ende der Tournee. Dann wollten wir - Chris und ich - Urlaub machen bis Anfang Februar,  am 7. Februar nach Deutschland zurück, damit dort noch zwei Wochen Zeit für mich bleiben, um mit meiner Band für unsere Tour zu proben. So weit, so gut.

 

Die ganze Zeit, als wir das planten (das war noch in Fort Myers), hatte ich schon so ein komisches Gefühl. Das ist nicht meins - ausgerechnet ich, der ich nur sehr ungern länger als eine Woche unterwegs bin. Jetzt in Deutschland, dann diverse Städte in USA, über Weihnachten kurz mal nach Deutschland zurück, wieder zurück in die USA, Silvester dort, Rest der Tour, Urlaub, wieder Deutschland, dann Europatournee… nein!

 

Je mehr ich nachdachte, desto mehr wurde mir klar, dass ich die Tour mit meiner Band nicht mehr machen will. Es ist vieles anders geworden, seit ich weg bin. Oder vielleicht habe ich mich ja  einfach verändert. Auf jeden Fall kann Mattias das auch allein durchziehen, und der Hauptact ist mit ihm als Sänger auch einverstanden. Es ist mir zu viel, es geht mir zu schnell, und irgendwie habe ich die Bindung an meine Band verloren. Ich bin "draußen".

 

Chris meinte, ich sei verrückt. "Du kriegst nie wieder so eine Chance, Danny, und wir machen es doch zusammen, ich helfe dir… und überleg mal, was wir alles sehen werden unterwegs…" ja klar, er hat ja Recht. Langsam hat er dann aber auch kapiert, was mein Problem ist. Ich weiß, dass Chris es gut meint und mir Mut machen will, und ich weiß, dass er mich unterstützen wird, egal, wie ich mich entscheide… das ist ein verdammt schönes Gefühl.

 

Ja, und gestern "passierte" es dann. Ed, das ist einer vom Management, ließ mich zu sich rufen. Das ist ungewöhnlich, normal reden die nicht mit mir. Ich meine, sie grüßen mich natürlich und sagen "wie geht’s?", aber weiter haben wir nichts miteinander zu tun. Noch ungewöhnlicher, dass er zwei Whiskey ausschenkte, mir zuprostete, und dann meinte, er habe etwas mit mir zu besprechen. Ich versuche es im "O-Ton" :

 

"Pass’ mal auf, Danny, du bist ein heller Junge, also hör jetzt mal zu und denk dann in Ruhe nach. Du weißt ja, dass wir über Chris Beziehung zu dir und über dein Auftauchen hier alles andere als erfreut waren, das hast du ja mitgekriegt. Aber du bist ein netter Kerl und man kann nicht abstreiten, dass du Chris gut tust, der ist ein ganz anderer Mensch, auch gegenüber früher, vor deiner Zeit. Und in San Francisco, da wart ihr allererste Sahne zusammen auf der Bühne, da gab es Leute, die geheult haben. Ok, wir haben uns lange beraten und denken, es könnte gut gehen - Danny, wir möchten, dass du bei der Band einsteigst!"  

 

Wenn man mich in diesem Moment  gestochen hätte, wäre wahrscheinlich kein Blut gekommen. Ich hab ihn nur angesehen, langsam meinen Whiskey getrunken und dann gesagt "ich bin bereits Sänger in einer Band, ich habe bereits einen Manager, und ich mache Metal, das ist was anderes". Worauf er lachte und sagte "wer sagt, dass diese Band das nicht kann? Die Musiker können es auf jeden Fall (hat er Recht, ich weiß), und es eröffnet uns ganz neue Möglichkeiten. Bring uns die Songs, die du komponiert hast in der letzten Zeit, und lass uns mal sehen. Deine Band in Deutschland braucht dich nicht mehr (mein Gedanke). Und was deinen Manager angeht, wir werden ihn kontaktieren und ihm alle Verträge zur Prüfung zukommen lassen" (??? Ich hatte noch nie einen Vertrag mit Sven, der hat das immer so gemacht).

 

Und dann meinte Ed - und das war das "Schlimmste": "Danny, das, was ihr da vorhabt, jeder seine Band, jeder mit dem anderen unterwegs, alle Termine zusammen abstimmen, das schafft ihr nicht auf Dauer. Ihr reibt euch auf. Ihr seid jung, aber der Preis ist zu hoch, das werdet ihr merken. Setzt einen gemeinsamen Lebensmittelpunkt, arbeitet gemeinsam an etwas, da habt ihr mehr davon. Ok, wir sind keine Wohltäter, wir wollen Geld verdienen, wir müssen Geld verdienen, aber ich meine das hier trotzdem ehrlich. Denk darüber nach." Ich hab ihn noch gefragt, ob er mit Chris darüber geredet hat, da sagte er nein, das überließe er mir, es sei meine Entscheidung, und eventuell wollte ich sie ja auch allein treffen und Chris gar nichts davon sagen. 

 

Was soll ich nur machen? Ich weiß selbst, dass das Zweispurige nicht geht auf Dauer. Ist das jetzt eine einmalige Chance? Für Chris, für mich, für uns beide? Oder haben die Kerle nur Angst, dass sie ihn verlieren, dass am Ende er aussteigt? Seine Band wäre ohne ihn am Ende, meine lebt ohne mich genauso gut weiter. Mit Chris zusammen auf der Bühne, das wäre traumhaft. Seine Bandkollegen sind in Ordnung, ich mag sie alle sehr gern, und sie mich auch. Aber bedeutet der Einstieg hier nicht auch, dass wir in Zukunft auch hauptsächlich hier leben würden? Und nach Deutschland - meinem Zuhause - nur noch zu Besuch kämen? Aber wäre es nicht sowieso so gekommen? Könnte Chris jemals bei uns Wurzeln schlagen? Ich kenne die Antwort schon lange.

 

Ich habe mit Chris noch nicht darüber geredet. Er spürt natürlich, dass mich etwas bedrückt und beschäftigt, aber er akzeptiert, dass ich erst mal allein nachdenken will. Sagt deshalb nur, dass er da ist, wann immer ich ihn brauche.

 

Ich weiß, dass in dem Moment, in dem ich ihm von dem Vorschlag erzähle und ich dann das Aufleuchten in seinen Augen sehe, mein Nachdenken sowieso beendet ist. Und ich habe Angst davor und bin doch auf eine ganz eigenartige Weise froh. Vielleicht, weil mein Herz die Entscheidung schon getroffen hat, nur der Verstand sich noch sträubt? Oder ist es umgekehrt? Oh verdammt…

 

 

 

 

03.01.2006 um 15:42 Uhr

Bye bye Florida

von: Galahad

Wir packen unsere Sachen, morgen müssen wir weg von hier. Schade.

 

Naja, es ist insgesamt nur eine Woche mit vier Konzertterminen, ich werde es überleben ;) Morgen ist allgemeines Treffen von dem gesamten Tross, übermorgen dann das erste Konzert. Hoffentlich hat Chris die Offiziellen "vorgewarnt", dass er mich mitbringt, nicht dass sie wieder so wütend werden wie beim letzten Mal.

 

Auf die Bandmitglieder freue ich mich schon ein bisschen, die sind wirklich nett. Und natürlich auf Melissa-Baby *grins... ich hab ihr aus Deutschland ein Kettchen mit Sternzeichenanhänger und ein deutsches Monopoly mitgebracht, als nachträgliche Weihnachtsgeschenke sozusagen, das gefällt ihr bestimmt.   

 

Ich werde dieses Mal einen Laptop mitnehmen, komme also an meine Mails, und kann auch öfter Blogeinträge schreiben (öfter und dafür kürzer). Allerdings ist vieles hier für mich immer noch so neu und fremd, dass ich es oft erst mal selbst im Kopf verarbeiten muss, bevor ich darüber schreiben kann.

 

Gladys hat mir ein indianisches Amulett geschenkt. Sie sagt, es würde alle bösen Einflüsse ablenken und zum Guten wenden. Lieb von ihr. Chris hat dasselbe, das trägt er immer. Und ich dachte, das sei ein Geschenk von einem verflossenen Lover (hab’ ihn natürlich nie danach gefragt *grins). Dann kann uns jetzt ja eigentlich wirklich nichts mehr  passieren.

 

So, dann werde ich jetzt mal anfangen mit Koffer packen...

01.01.2006 um 18:48 Uhr

Happy new year aus Fort Myers, Florida

von: Galahad

Es ist mal wieder wie so oft… alles ganz anders als erwartet, sehr schön und lustig.

 

Wir sind in Fort Myers, hier lebt Chris’ Mum - oder sollte ich besser sagen, sie residiert? - in einem großen Bungalow mit Garten und Swimmingpool, Gärtner, drei Hausangestellten und einer großen Limousine mit Chauffeur.

 

Wir wurden vom Flughafen abgeholt, und auf der Fahrt hierher wäre ich am liebsten aus dem Auto gesprungen und abgehauen, aber Chris hat mich festgehalten, also musste ich sitzen bleiben. Dann sind wir hier vorgefahren - das Haus, die toll gepflegte Auffahrt, der Pool - oh weh. Ich bin ein echter Feigling, ich weiß es ja.

 

So eine Art Butler hat die Tür geöffnet, wir sind ins Haus gegangen, und da saß sie dann. Chris’ Mum. Mein erster Gedanke war: sie sieht aus wie Chris - oder natürlich umgekehrt, er sieht ihr sehr ähnlich. Die gleichen dunklen Augen, die gleichen schwarzen Haare, nur dass sie klein und feingliedrig ist (Chris ist 1,90 m). Chris umarmte sie und sagte "Hey, Mum, ich freue mich, dich zu sehen", und dann "schau, das ist mein Danny".

 

Sie sagt erst mal gar nichts und sieht mich einfach nur an. Vielleicht eine Minute, mir kam’s wie eine Stunde vor. Ich dachte, gleich geht ein Loch im Boden auf, in dem ich verschwinde, oder ich drehe mich auf dem Absatz rum und renne einfach weg. Habe ich natürlich nicht gemacht, sondern ich blieb stehen und sah sie auch einfach nur an. Blickduell.

 

Und dann lächelte sie plötzlich - ein wunderschönes Lächeln, sein Lächeln - und meinte: "Also dass ich von diesem Kerl keine Schwiegertochter und keine Enkel erwarten kann, weiß ich ja schon lange. Aber einen Herzenswunsch hat er mir erfüllt, so wie’s aussieht - ich hab immer gesagt, Junge, tu mir einen Gefallen und bring mir keine dieser Tunten (drags) hierher!" Ich musste unwillkürlich lachen, und sie lachte auch und sagte "du bist ein Prachtkerl, sehr hübsch, aber Gott sei Dank ein Mann" (also auf Englisch sagte sie "…but thanks to my god, you’re male"). Und dann stand sie auf, umarmte mich und sagte einfach "hi, Danny, welcome". Uff.

 

Sie ist wirklich cool, Chris’ Mum. Geistreich, ironisch und mit einer ganz speziellen, vielleicht etwas gewöhnungsbedürftigen Art von Humor. Wenn wir draußen andere Pensionäre aus der Nachbarschaft treffen, die in ähnlichen Häusern mit Pool und Bediensteten ihren Lebensabend verbringen, stellt sie mich als Chris’ Freund vor. Nicht "ein Freund von Chris", sondern "Chris’ boyfriend". Finde ich echt gut. Ich hab sie gefragt, was die Nachbarn denn dabei denken, da grinste sie und meinte: "Weißt du, Danny, die eine Hälfte dieser Greise ist schon so senil, dass sie das Denken vor langer Zeit vergessen hat. Und was die andere Hälfte denkt, geht mir einfach am Arsch vorbei." J

 

Übrigens heißt sie Gladys, so kann ich sie auch nennen. Als ich sie mit "Mrs. …" anredete, hat sie die Augen verdreht und gefragt, ob ich nicht gleich "Madam" oder "Mylady" sagen wollte. Nannte mir dann ihren Vornamen und fügte spöttisch hinzu "du kannst auch Mum sagen, aber irgendwie denke ich, dass dich das ein klein wenig überfordern würde". Ich mag ihre Art irgendwie, sie ist echt lustig. 

 

Im täglichen Leben ist sie genauso chaotisch wie Chris. Wenigstens weiß ich jetzt, woher er das hat. Es ist unglaublich, wie viel Unordnung die zwei innerhalb von ein paar Minuten anrichten können. Wenn Gladys zu Luisa - das ist die eine Hausangestellte - sagt: "Ich brauche für heute Abend das und das Kleid", tut sie das wahrscheinlich in erster Linie, weil sie es selbst nicht finden würde.  Und ob sie sich jemals mit sowas wie Haushaltsführung, Einkaufen und so befasst hat? Einkaufen - shopping, oh ja, Kleider, Schuhe, Taschen, aber z.B. was Essbares? Vorräte für Keller und Kühlschrank? Oh yes, Danny, dear, ich habe wunderbaren Champagner für Neujahr eingekauft. Das heißt dann, sie hat irgendwo angerufen, das Zeug wurde bis zur Haustür geliefert, der Butler hat es in Empfang genommen und kaltgelegt, und wenn die Dame des Hauses sich zurücklehnt und seufzt "und jetzt ein Glas Champagner", kriegt sie es serviert.

 

Chris hat gelacht, als wir darüber geredet haben, meinte aber, ich solle sie nicht unterschätzen. In ihrer Jugend hat sie es offenbar alles andere als leicht gehabt und sich ganz schön durchkämpfen müssen. Als sie dann aber als Broadwaytänzerin Fuß gefasst hatte, hat sie ganz gut verdient, und Chris’ Dad (der hat was mit Immobilien gemacht) hat auch einiges verdient und ihr vererbt, so dass sie sich jetzt dieses Leben leisten kann.

 

Und ein tolles Leben ist es schon! Hier kann man sich echt entspannen. Angenehmes Wetter, rundum bedient und versorgt - na, ja, ich hab so was halt noch nie erlebt, deshalb beeindruckt es mich wohl so. An einem der ersten Tage dachte ich vormittags, ich setze mich einfach mal ein bisschen raus an den Pool… kaum war ich da, kam der Gärtner um die Ecke gestürzt und hat schnell noch zwei nicht wirklich vorhandene Blättchen weggeharkt, damit auch alles makellos ist. Kaum war der dann weg, stand der Butler da und fragte, ob ich etwas zu trinken möchte. Ich war so überrascht, dass ich nur "ja, gerne" sagte, und der arme Kerl blieb stehen, wartete und fragte schließlich, was er mir denn servieren dürfe. Ich - etwas überfordert - "oh, bringen Sie einfach das, was Sie als erstes im Kühlschrank oder in der Bar finden" *grins*… armer Kerl. Hat dann ganz ratlos abgedreht und ist mit einem perfekt gemixten Cuba Libre auf Eis zurückgekommen. Chris hat sich gekugelt vor Lachen.

 

Um Gladys gerecht zu werden, muss man jedoch auch erwähnen, dass sie keineswegs nur egoistisch und selbstzufrieden in ihrem Luxus vor sich hin lebt. Sie ist - wie auch Chris - sehr sozial eingestellt und macht eine Menge for charity. Bei Chris habe ich ja schon mal erwähnt, dass er mit seiner Band schon oft umsonst aufgetreten ist; statt Eintritt sammeln sie dann Spenden für bestimmte Projekte, meist Kleiderkammern oder Essenstafeln für Bedürftige. Und Gladys hat mit einigen Bekannten einen Hilfsfonds gegründet, der Menschen in Not, vor allem Kinder, unterstützt. Sie finanzieren die notwendige ärztliche Versorgung von Kindern in Kriegs- oder Krisengebieten und organisieren in besonders schwierigen Fällen Operationen im Ausland einschließlich Unterbringung und Versorgung einer Begleitperson. Sie sammeln auch Geld für den Bau von Schulen und Lernmaterial. Klar, das sind alles Leute, die Geld haben, aber deshalb ist es trotzdem nicht selbstverständlich, dass sie es für andere ausgeben.

 

Vor Silvester haben wir lange überlegt, wie wir diesen Abend verbringen wollen. Jede Menge Feiern und Partys und Events in der Umgebung. Und plötzlich sagte Chris: "Danny, weißt du, was ich wirklich will? Hier bleiben, am Pool die Sterne angucken, etwas trinken und um Mitternacht mit dir auf das neue Jahr - unser neues Jahr - anstoßen". Er kann manchmal echt Gedanken lesen, mein Großer.

 

Genauso haben wir den Silvesterabend verbracht. Gladys war irgendwo eingeladen, die Hausangestellten hatten frei, wir waren also wirklich ganz allein. Haben draußen am Pool Rotwein getrunken, uns einfach nur festgehalten und die Zeit dahinfließen lassen. Und als um Mitternacht die Glocken zu läuten anfingen und das Feuerwerk begann, haben wir mit Champagner angestoßen. Wir sagten gleichzeitig "happy new year, I love you" - ja, und das war dann wieder so ein Moment wie kürzlich bei dem Spaziergang. Unwirklich schön und idyllisch. Soap.

 

Kann mich bitte jemand an diesen Augenblick erinnern, wenn die Konzerte übermorgen wieder losgehen, und ich allein in irgendeinem Hotel rumhänge, mit Melissa im Schlepptau, den Tag mit Warten verbringe und die Krise habe? Schade, dass man so ein Glücksgefühl nicht irgendwo einschließen und für den nächsten Bedarf aufbewahren kann. Aber eigentlich kann man es ja. Im Herzen. Und außerdem kann ich es ja nachlesen, wenn ich mich nicht mehr dran erinnern kann… ;)