grenzwandel

08.03.2008 um 12:34 Uhr

ohne worte

von: grenzgaenger   Kategorie: idioten dieser Welt

Stimmung: tobend
Musik: angry today - wolfsheim

gerade eben:

rauchend auf dem balkon gestanden, folgende szene:

ein radfahrer radelt vorbei, männlich, auf einem tollen all-terrain bike, offensichtlich zufrieden, dynamisch tritt er in die pedale, mühelos bring er meter für meter der leicht ansteigenden strecke richtung ortsausgang hinter sich. auf dem gepäckträger ein plastikmülleimer, beige, aus dem das heck seines ferngesteuerten segelfliegers hervorschaut, liebevoll verschnürt das ganze, damit nur ja nichts passiert.

50 meter hinten dran seine frau, auf einem klapprigen drahtesel, zieht sie mit verkrampftem gesicht und mühsamem tritt in die pedale das fahrradkindertransportgestell mit zwei aus leibeskräften brüllenden und zappelnden kindern drin. 'warte mal, nicht so schnell', ruft sie. er dreht sich um, leicht genervt, und ruft zurück 'stell dich nicht so an, wir sind ja gleich da', nur um anschließend noch ein bisschen schneller zu fahren.

was bildet die alte sich auch ein, ihn auf dem weg zu seinem vergnügen bremsen zu wollen.


07.03.2008 um 19:12 Uhr

projizierter trotz

von: grenzgaenger   Kategorie: psychoanalytisches

Stimmung: auseinandergenommen
Musik: shadow of the day - linkin park

es gibt kaum etwas frustrierenderes als den versuch, eine projektionsfläche zu provozieren, die die funktion eines spiegels innehat.

und hier stellt sich sogleich die frage, warum man es immer und immer wieder versucht, wohlwissend, dass es nicht funktioniert. letztendlich provoziert man nur wieder sich selbst.

zurück bleiben - wie könnte es anders sein - das trotzig mit dem fuß aufstampfende innere kind, ein genervter verstand und ein völlig demontiertes ich.

halleluja.

 

07.03.2008 um 16:28 Uhr

kindeserziehung

von: grenzgaenger   Kategorie: psychoanalytisches

Stimmung: verstimmt
Musik: teach your children - crossby, stills, nash & young

es ist ja schon schwer genug, kleinen kindern beizubringen, dass sie nicht immer und überall sofort das bekommen können, was sie wollen.

wie aber in aller welt biegt man das seinem inneren kind bei?

WIE?

07.03.2008 um 08:53 Uhr

traumstau

von: grenzgaenger   Kategorie: psychoanalytisches

Stimmung: nachdenklich
Musik: rosenstolz

 

momentan fühlen sich meine träume an, als wären sie unter wasser gedrückte luftballons, die von einer dünnen eisschicht an der oberfläche am auftauchen gehindert werden.

sie wollen, auftauchen, an die oberfläche durchbrechen, ich fühle es, auch wenn damit ein eher unangenehm bis beklemmendes gefühl verbunden ist, können aber nicht.

verhindert. zurückgehalten. nicht gelassen.

von oberhalb der eisschicht sind sie zwar wahrnehmbar, allerdings verschwommen und verzerrt, nicht greifbar und dennoch: man sieht sie und bekommt eine vage ahnung von farbe und form.

 

 

05.03.2008 um 07:24 Uhr

visualisierte psychodynamik

von: grenzgaenger   Kategorie: psychoanalytisches

Stimmung: absolut ruhig und bei mir

gerade eben, aufgewacht aus einem ungewöhnlich tiefen schlaf, in einem ungewöhnlich tiefen entspannungszustand, der sich diesem aufwachen anschloss, 'empfing' ich ein bild aus einem teil meines gehirns, das normalerweise keine bilder sendet. woher ich das weiß? dass es ein bild war aus einer region, die normalerweise keine schickt? ich weiß es nicht, aber ich wusste es in diesem moment einfach. und noch wichtiger: ich habe es gefühlt.

von einer völlig anderen qualität als alles bisher dagewesene, nicht zu vergleichen mit allen bisher gekommenen und gegangenen bildern, von einer greifbaren und klaren abstraktheit, die ihresgleichen sucht und dennoch jenseits allem durch den verstand fassbaren war es das wahrscheinlich vollkommenste bild, das ich jemals gesehen, wahrgenommen habe.

eine zwei- und dennoch irgendwie mehrdimensionale, unbewegt bewegte, rechteckige und wasserähnlich durchsichtig undurchsichtige fläche, verschwommen und dennoch völlig klar, aus der sich in einem bruchteil einer zeiteinheit in einer vollendeten formation in reihen schräg nebeneinander liegende rauten lösten, vollendet plastisch und harmonisch fließend, die sich senkrecht nach unten und dennoch diagonal eine reihe tiefer bewegten, um sich hier als einzelteiliges ganzes wieder perfekt einzufügen, ohne eine spur zu hinterlassen, ohne dass irgend etwas auf das schließen ließe, was gerade passiert war, in einer bisher unbekannten intensität, vollkommenen und perfekten schönheit und gänze, in einer nie erreichten harmonie, und so, als gäbe es nichts selbstverständlicheres.

mit diesem bild war ein gefühl verbunden. ein gefühl, als raste tief drinnen in mir, an einem nicht zu greifenden ort etwas ein. unwiderruflich. auf ewig vereint, niemals getrennt und nicht wieder zu trennen. gefühlte gewissheit, dass sich vollkommenes geschehen und vollkommener zeitpunkt gesucht und gefunden haben, ohne sich suchen und finden zu müssen.

 

seelische raum-zeit symbiotik.

 

raum-zeitliche seelensymbiose.

 

04.03.2008 um 18:15 Uhr

situationskomik

von: grenzgaenger   Kategorie: lacher des tages

Stimmung: angeschlagen

 

zitternd auf dem balkon stehend und rauchend überlegte ich soeben, wann ich das letzte mal laut gelacht habe.

just in diesem moment fuhr ein radfahrer vorbei, der eine badekappe und eine taucherbrille trug. eine von den großen, unförmigen, unter denen die halbe visage verschwindet. ok, es schneit. eine kopfbedeckung und eine brille sind der situation also durchaus angemessen. man kann es allerdings auch übertreiben.

fehlte nur noch die sauerstoffflasche.

handschuhe hatte er nicht an.

was soll man dazu noch sagen?

ich jedenfalls habe laut gelacht.

 

03.03.2008 um 20:00 Uhr

cornflake is gone

Musik: punky's dilemma - simon & garfunkel

 

"wish I was a kellogg's cornflake, floatin' in my bowl..." flötete die großartigste band der welt mir gerade ins ohr, als just in diesem moment das weiße ballett-lama auftauchte und besagtes, beziehungsweise besungenes, in einer schwarzen schüssel mit milch treibendes cornflake verspeiste, mit einem haps, schmatze es, grinste mich durchtrieben an, machte auf dem absatz kehrt und verschwand wie immer wiehernd und mit hoch erhobenem Kopf im lindgrünen birkenwald.

hallo? geht's noch?

ich hatte noch nicht einmal zeit, den mund aufzumachen, so schnell war das gegangen, und jetzt blieb mir nichts anderes übrig, als diesem tier in den wald zu folgen und ihm die lama-leviten zu lesen. sollte ich es denn finden. es ist nämlich sehr begabt wenn es darum geht, sich nach begangenen schandtaten zu verstecken. aber bei aller liebe, das geht nicht, wirklich nicht. nicht nur, dass ich es inakzeptabel fand, dieses benehmen - ok, ich geb's zu, ich konnte mir das grinsen mal wieder nur schwer verkneifen - nein, ich musste mir ob des gefressenen cornflakes auch noch die beschwerden von simon & garfunkel anhören. ich versprach zwar, für ersatz zu sorgen, dennoch waren die beiden ernsthaft verstimmt.

seufzend zog ich also los, nicht ohne mir - soviel spaß muss sein - vorher selbst eine schüssel cornflakes zu genehmigen, und machte mich daran, die fährte des lamas aufzunehmen. mittlerweile bin ich gut, im fährtenlesen, denn wenn man das weiße ballett-lama im wald sucht, muss man das können, man hört es nämlicht nicht. es hat ja ballettschuhe an. leider hat das auch das lama mittlerweile begriffen, dass ich seine fähren lesen kann, und ist nun seinerseits wiederum nicht gerade einfältig wenn es darum geht, falsche fährten zu legen. ich allerdings habe das durchschaut und weil das lama noch nicht begriffen hat, dass die unauffälligsten fährten letztendlich die auffälligsten sind, finde ich es jedes mal recht schnell.

so weit so gut. im lindgrünen birkenwald angekommen, versuchte ich herauszufinden, welche falsche-fährten-taktik sich das tier denn diesmal ausgedacht hatte. ich wanderte zwischen den birken hindurch, konnte aber nichts entdecken. gar nichts. niemanden. und das lama schon gar nicht. hmmm. das war ja mal was ganz neues. nachdem ich noch eine ganze weile erfolg- und zugegebenermaßen auch recht lustlos umhergeirrt war, im wald, fiel mir ein, dass ich ja die packung cornflakes eingesteckt hatte, in den rucksack, vorsichtshalber, sollte die suche dauern. welch weise voraussicht. dachte ich und machte mich nun meinserseits daran, mir eine geeignete cornflakes-lamafang-fährten-taktik auszudenken. und weil der lindgrüne birkenwald nicht nur lindgrün ist und aus birken besteht, sondern zudem auch noch recht beschaulich klein und rund war, dachte ich mir, es sei wohl am sinnvollsten, eine cornflakes-fährte rings um den wald herum zu legen. aus zweierlei gründen. ist das tier zu gierig, denkt nicht nach und fängt an, sich hinter mir her zu fressen, wird es, wenn ich am end-, der ja zugleich der ausgangspunkt der fährte ist, stehen bleibe, irgendwann zwangsläufig hinter mir auftauchen. ist es jedoch clever, wartet bis ich mich cornflakesfährten-legend ein wenig entfernt habe und frisst sich dann in die entgegengesetzte richtung, dann muss es, ebenfalls zwangsläufig, irgendwann vor mir auftauchen. gedacht, getan. ich begann also, ein flakes nach dem anderen im kreis um den wald herum auszulegen, blieb schließlich am anfangsendpunkt der fährte stehen und hoffte, dass meine strategie aufging.

tat sie dann auch. irgendwann stand das lama völlig verdattert vor mir, und vor lauter schreck vergaß es, davonzugaloppieren. ich sah es an, streng, aber wie es da so vor mir stand, ganz in weiß und mit seinen ballett-schuhen, überlistet, und mich mit seinen großen, treuen lama-augen anblickte, da konnte ich nicht anders als es einfach in den arm zu nehmen und ihm zu sagen, wie lieb ich es hatte.

und weil die kellogg's-packung immer noch halb voll war, legten wir uns zusammen unter die nächste birke, in die untergehende abendsonne, ließen simon simon und garfunkel garfunkel sein und leerten die tüte bis auf das letzte cornflakes. nicht ohne uns - bevor wir eben jenes verspeisten - grinsend anzuschauen und daran zu denken, dass in zukunft in punky's dilemma ein cornflakes besungen wird, das es gar nicht mehr gibt.

03.03.2008 um 00:22 Uhr

gefühlte stabilität

von: grenzgaenger   Kategorie: psychoanalytisches

Stimmung: fühlend
Musik: bookends - simon and garfunkel

mir ist gerade aufgefallen - auch so eine erkenntnis die einfach da war, urplötzlich, ohne dass ich sie kommen sehen oder gefühlt hätte - dass meine therapeutin psychisch als auch physisch derzeit die hauptrolle in meinem leben spielt. wir haben tatsächlich so etwas wie eine beziehung. eine therapeutische natürlich, aber dennoch, es ist eine beziehung. und die, die hat eine mir bis dato unbekannte komponente.

sie fühlt sich stabil an.

als mir das bewusst wurde, schlagartig, ich es gefühlt habe, kam es mir so vor, als wäre etwas angekommen. irgendwo. ich kann es nicht wirklich greifen, geschweige denn in worte fassen. aber vielleicht will es auch gar nicht gegriffen und beschrieben werden, dieses gefühl.

vielleicht will es einfach nur gefühlt werden.

 

02.03.2008 um 19:38 Uhr

salatneurotik

Stimmung: zer-knirscht
Musik: dixie chicks

ich habe eine feldsalatess- und -waschzwangs-neurose. und das nicht erst seit gestern. ursache ist meine oma. beziehungsweise nicht meine oma als solche, sondern der feldsalat, den sie mir mit vierzehn jahren vorsetzte, stolz ob der neuen salatsoße, die sie meinte, soeben erfunden zu haben. im eifer des gefechts hatte sie jedoch leider vergessen, den salat zu waschen. nun ja.

im laufe vieler vieler jahre, die ich mich dem wahnsinn besagter neurose nun schon hingebe, habe ich versucht, die feldsalat-waschtechnik zu perfektionieren. bei allen versuchen, den salat vom feld zu trennen, bin ich nunmehr soweit, ihn zu duschen. jawoll. spaghetti-sieb raus, feldsalat rein, beides unter die dusche. die duschdauer an sich variiert in abhängigkeit der salat- respektive der feldmenge. kern des problems ist es, letztere einzuschätzen. man entwickelt jedoch ein gespür dafür. über die jahre. mittlerweile habe ich es geschafft, den feld-salat-trennungsprozess weitestgehend vollständig zu vollziehen.

wohlgemerkt: weitestgehend.

in aller regel bleibt ein sandkorn zurück, im salat, das es geschafft hat, sich auch den hartnäckigsten versuchen es zu entfernen, zu widersetzen. nun könnte man meinen, ein sandkorn in einer schüssel feldsalat fiele nicht weiter ins gewicht. könnte MAN meinen. nicht so ich. denn jedes mal, jedes verdammte einzelne mal beiße ich drauf. auf das sandkorn. jedes mal.

eben wieder.

was soll man dazu noch sagen?

 

02.03.2008 um 18:23 Uhr

der warme fön

Stimmung: gerührt

 

denk' dran, wenn's mal kalt wird, ich bin der warme fön hinter dir.

sagte meine beste freundin gerade am telefon zu mir.

ich liebe sie einfach.

02.03.2008 um 01:47 Uhr

middle earth

von: grenzgaenger   Kategorie: psychoanalytisches

Stimmung: friedlich
Musik: enya - memory of trees

irgend etwas hat sich getan.

unterbewusst, vorbewusst, bewusst, ich weiß es schon wieder nicht. aber ich werde es herausfinden, denn es fühlt sich gut an. irgendwie friedlich. das erste mal seit längerem.

ganz plötzlich war es da, dieses gefühl. leichtigkeit. kein ziehen und zerren der emotionen mehr, schlagartig verstummt all die zehrenden widersprüche, kein emotionaler flächenbrand, auch keine überschwemmung mehr, kein sturm und kein gewitter, die last der letzten wochen: weg. einfach weg. auf einmal.

ich konnte es fühlen - physisch - wie es leichter wurde, das ich, stabiler und gleichzeitig dynamischer. auf einmal mochte ich mich, mochte, was ich heute, und gestern, und all die tage zuvor getan hatte. ich war zufrieden, akzeptierte, was in den letzten wochen alles passiert war und fühlte mich gut dabei. einfach gut, war mir selbst genug - halt genug - und fühlte meine kraft, meine zuversicht, die ich so lange schmerzlich vermisst hatte. und ich lächelte.

angenommen, losgelassen, angekommen.

in der mitte.