grenzwandel

21.02.2011 um 23:27 Uhr

tag eins

da sitze ich nun und bin traurig. traurig darüber, dass es mal wieder so weit kommen musste, jetzt soweit ist und ich wieder anfangen kann, mich aufzurappeln. der heutige tag war - im vergleich zu den vorangegangenen - ein recht guter. angefangen hat er mit angst und enge in der brust, mit schlimmern gefühlen im inneren und mit der aussicht auf viel grau.

es begann mir besser zu gehen, nachdem ich meiner projektleiterin meine teilnahme am heutigen projekttreffen abgesagt und zudem anklingen lassen hatte, dass ich mich 10 tage ausklinken und nachdenken werde, was ich derzeit zu leisten imstande bin und was nicht. sie hat das als implizite drohung, die diss hinzuschmeißen, aufgefasst und darum gebeten, dass ich am mittwoch wie verabredet zu ihr komme, um darüber zu reden. das wird kein leichter gang, aber ich denke, ich kann damit umgehen und werde wohl hingehen. fest zugesagt habe ich allerdings nicht. es ist jedoch mein job, die verantwortung zu übernehmen, wie es weitergeht. für den fall, dass ich hinschmeiße - was ich wohl tun werde - oder für den anderen fall, dass ich es eben nicht tue. ich werde bis mittwoch darüber nachdenken, und dann eine entscheidung treffen. fakt ist: ich schaffe es nicht, neben der vorklinik noch zu promovieren. schon gar nicht über ein thema, das mir so nahe geht und kommt, wie dieses. ich habe mich überschätzt, das ist mir jetzt klar. vielleicht wollte ich mich überschätzen. eine zeitlang hat es ja gut funktioniert, alle fanden toll, was ich alles mache und stemme, und eine zeitlang fand ich es auch toll. bis das ganze in schieflage geriet und jetzt eingestützt ist. ich wollte zu viel. zu schnell, zu viel. ich fand mich toll und vor allem fand ich toll, dass mich die anderen toll fanden. ich habe mich mal wieder nur über meine leistung definiert und mich als mensch vergessen. das war nicht das erste mal, und nicht das erste mal bezahle ich dafür. es wird eine weil dauern, bis ich meine ruhe und gelassenheit auf ein fundament gestellt habe, das selbstbewusstsein und ich-sein heißt, und nicht leistungleistungleistung. das konnte nicht gutgehen. ich werde versuchen, daraus zu lernen. ich glaube, es geht nicht darum, keine fehler zu machen sondern darum, aus ihnen zu lernen. 

nach dieser mail habe ich r. eine sms geschrieben und angefragt, ob er im laufe des tages zeit und lust hätte, einen kaffee trinken zu gehen. hatte er. und ich hatte mir damit die perspektive geschaffen, nicht den ganzen tag in isolationshaft zu verbringen, sondern rauszukommen. um kurz vor 12 kam er und wir zogen los, in unser stammcafe. haben eine kleinigkeit gegessen (!), kaffee grtrunken und gequatscht. über alles mögliche, alltägliches, nichts großes und nichts kleines. ich habe mich auf jeden fall immer mehr entspannt und hatte zum ersten mal seit tagen das gefühl, dass es nicht mehr berg ab geht. danach war er dann noch eine stunde bei mir, super gemütlich, mit schneeflocken vor dem fenster. und gleich ausgemacht, dass ich morgen abend zum abendessen bei ihm und den jungs sein werde.

und ohne dass ich mich auf ihn gestützt hatte, bei ihm halt gesucht hätte, ging es mir nach diesem treffen besser und ich habe zum ersten mal seit tagen land gesehen. die innere anspannung, zerrissenheit war weniger geworden und da war irgendwie ein kleines bisschen ruhe und das gefühl, ok, die welt geht nicht gleich unter und ich werde auch nichts verlieren. kein freier fall keine gedankenspirale mehr, kein herzklopfen, keine leere mehr.

den nachmittag habe ich dann mit einer halben stunde kreuzen verbracht - lächerlich im vergleich zu dem, was ich drei wochen vor dem physikum tun müsste, um eine realstische chance zu haben, es zu bestehen. aber letztendlich habe ich bezüglich des physikums auch schon so halb eine entscheidung getroffen. ich will es noch nicht ganz verloren geben für dieses semester, aber meine chancen werden immer geringer, mit jedem tag, den ich nichts tue. was aber das schöne ist: ich habe nicht mehr das gefühl, dass das das ende aller tage ist. wenn dem so sein sollte, dann ist das eben so. dann dauert es eben ein semester länger. hauptsache, ich verliere mich nicht wieder so sehr, dass ich angst habe, verrückt zu werden und in der geschlossenen zu landen. ich konnte mich heute im laufe des tages sogar damit anfreunden, den ganzen stoff eben nochmal zu wiederholen. dann ist das eben so.

und um dann nicht den rest des nachmittags doch wieder im bett zu versinken, habe ich dann noch bei c., meinem kommilitonen und privat-osteopathen, meinen abendlichen behandlungsbesuch angemeldet. gesagt, getan. 19 uhr, flasche wein, ofen, gute musik und eine dringend notwendige behandlung meines kopfes, der arg aus dem gleichgewicht geraten war. jetzt sehe und fühle ich die dinge wieder etwas klarer. der werte herr wohnt übergangsweise fast 40 km vor den toren der stadt, und zum ersten mal habe ich die autofahrt hin und zurück genossen. sitzheizung, musik und dunkelheit. ich habe mich fast schon wohl gefühlt.

und so geht tag eins nach dem tiefen fall zu ende. mit einer großen portion traurigkeit und einem kleinen bisschen ruhe. endlich. 

21.02.2011 um 08:32 Uhr

gefallen

ich liege auf der nase. so schlimm war es schon lange nicht mehr. ich komme kaum aus dem bett, bin immer wieder kurz vor dem dekompensieren, habe angst vor allem. und das drei wochen vor meinem physikum, das ich unbedingt machen wollte. ich habe es schon ein semester nach hinten geschoben, um mich gut vorbereiten zu können, und jetzt das. angefanngen hat es letzte woche, am mittwoch, bzw. am donnerstag. es ging gar nichts mehr, mein kopf war völlig dicht und seitdem hat mein schreibtisch mich nicht wieder gesehen. am freitag war ich bei meinem notfallpsychodok, der hat mir dringend angeraten, die antidepressiva wieder zu nehmen, die ich ja vor acht wochen endlich mal abgesetzt hatte, und zudem hat er mir zum notfallmedikament geraten. habe ich genommen, nur geschlafen und lag eben das ganze wochenende im bett und konnte mich zu nichts aufraffen. mein mitbewohner war erst besorgt, dann hat er versucht, mir einen arschtritt nach dem anderen zu geben. er hat schon recht. es geht gerade nicht wirklich ums wieder voll lernen, es geht darum, überhaupt etwas zu machen, aus dem bett herauszukommen, anderen input zu bekommen, irgendwas.

ich glaube, ich bin gerade mit allem überfordert, kann und will nicht mehr stark sein. ich bin anderhalb jahre nur gerannt, gerannt, gerannt, habe mir nur noch immer mehr aufgeladen, undhier noch was und da noch ein projekt und dissertation oben drauf und habe dabei übersehen, dass ich schon lange über meiner grenze drüber bin. und vielleicht habe ich damit auch zu komensieren versucht, dass mir das medizinstudium nicht so leicht fällt, wie ich gehofft/gedacht hatte. klar bringe ich gute leistungen, aber ich muss auch unglaublich viel dafür tun, viel mehr als je zuvor. und anstatt das zu erkennen und mich eben darauf zu konzentrieren, was ich tun muss, habe ich immer nur noch mehr gewollt. die tolle frau dr., das schafft sie, und das auch noch, und hier natürlich erst recht. und ich bin dabei auf der stecke geblieben. ich habe alle meine grenzen überschritten, habe mich größer gemacht, als ich bin, weil ich mich nur wieder über das zu definieren versucht habe, was ich leiste. je mehr ich leiste, desto tolle bin ich, desto mehr mag man mich und wenn man mich mag, verlässt man mich nicht. ein teufelskreis. ich habe mich bisweilen mitreißen lassen von meiner projektleiterin, eine absolute powerfrau, war geschmeichelt, wenn sie mir komplimente gemacht und mich angetrieben hat. bisweilen habe ich mich an sie angelehnt, wenn es mir nicht so gut ging, und das ein oder andere mal hat sie mich auch wirklich aufgefangen. aber das geht jetzt nicht mehr. mein inneres fühl sich an wie ein klumpen, total erstarrt und ich habe angst, alles zu verlieren, was ichhabe, wasmir wirklich wichtig ist. mein studium, mein jetztiges leben, r.

ich weiß, ich bin diejenige, ich ganz alleine, die etwas ändern, die die sache in die hand nehmen kann und muss. ich bin diejenige, deren verantwortung es ist, mein leben in die hand zu nehmen, ich ich ich. es ist meine entscheidung, im bett liegen zu bleiben oder eben aufzustehenund wenigstens irgendwas zu machen. das selbe mit dem essen: ich habe seit tagen kaum gegessen, habe das gefühl, nicht essen zu können und esse dementsprechend auchnicht, nur das allernotwendigste. auch das ist meine entscheidung, hier eben zu essen oder mich gehen zu lassen und nicht zu essen.

ich werde jetzt erstmal meinen pdychodok anrufen und gucken, ob der heute nochmal zeit für mich hat.

11.02.2011 um 10:10 Uhr

upcoming events

von: grenzgaenger   Kategorie: blick nach vorne

es gibt bis anfang april noch ein paar wichtige dinge zu erledigen, dann darf es von mir aus ruhiger werden:

11.1.: anatomieklausur bestanden und abgehakt

4.2.: biochemiklausur 22 von 25 gekreuzt: bestanden und abgehakt

10.2.: biochemie mündlich bestandeeeeeeeeeeeeeeen!!!!!!!!!!! (update s.u.)

15.3.: M1 schriftlich teil 1

16.3. M1 schriftlich teil 2

ca. eine woche später M1 mündlich.

und danach hoffentlich: 1. staatsexamen medizin bestanden...

 

die vorbereitungen für den anstehenden termin laufen auf hochtouren. aber nach einer gewissen priorisierung der inhalte klappt das ziemlich gut.

ansonsten: alles so weilt ok. außer, dass ich r. unsagbar vermisse, und die zwerge mal wieder krank sind. 

guten morgen welt.

 

update 5.3.

alles beim alten. dass die klausur gestern so gut geklappt hat, hat mich motiviert. mit dieser vorlage wird nun zumindest die ergänzende mündliche prüfung kein spießrutenlauf mehr.

r war gestern hier und schon wieder vermisse ich ihn. aber das ist gut so. gerade kam eine mail in der stand, dass es ihm - und den jungs - genauso geht.

der herr kollege ist über das wochenende entschwunden, was blöd ist, weil es in dieser wohnung ohne ihn eben doof ist. keiner da, den ich aufziehen kann.

 

update 10.2.

so, jetzt isses amtlich. ich bin scheinfrei, zum physikum zugelassen und alles wird gut. ich bin zwar völlig am ende, augelutscht und kopfleer, aber zumindest habe ich die hürden aus dem weg geräumt, mit eigener kraft. mit verdammt viel kraft, um genau zu sein. jetzt werde ich bis einschließlich sonntag nichts tun - höchstens meine erkältung auskurieren - und ab montag kanns dann wiederlosgehen. aber das ist noch lange hin...

 

 

02.02.2011 um 06:42 Uhr

abwechslung gesucht

von: grenzgaenger   Kategorie: blick nach vorne

 

ein bisschen mehr abwechslung würde mir und meinem leben gut tun.

aufstehen, essen, lernen, vorlesung, essen, lernen, essen, duschen, schlafen und wieder von vorne. 

seit vier monaten.

noch zwei monate.