ich war schon lange nicht mehr so frustriert wie momentan. semesterendstudienfrust. nach wochenlangem lernen, einer anstrengenden klausurenwoche, einer woche blockpraktikum krieche ich auf dem zahnfleisch und es ist kein ende in sicht. es folgen eine weitere woche blockpraktikum mit abschlußklausur am freitag, und dann noch zwei weitere tage block nach fasching, mit praktischer- und schriftlicher abschlußprüfung.
ich lerne und lerne und lerne und habe nicht das gefühl, mein wissen würde mehr. ganz im gegenteil. auf einen punkt hin, die klausuren, habe ich alles parat, bestehe auch alles, aber danach bröselt alles im eiltempo wieder aus meinem überladenen hirn heraus. und das soll sinn der sache sein? kann ich mir nicht vorstellen. mir macht dieses studium so viel spaß, und gleichzeitig hab ich noch nie etwas frustrierenderes gemacht. die diss dagegen war ein strandspaziergang. ich konnte frei wählen, wann, was und wie, und ich habe definitiv etwas dabei gelernt. wissen, das bis heute vorhanden ist. und hier? ich pauke und pauke und pauke, nur um zwei wochen nach der klausur feststellen zu müssen, dass ein großteil schon wieder weg ist. und daran wird sich nichts ändern, ganz im gegenteil. die großen fächer haben ja gerade erst angefangen. chirurgie, innere, pathologie, pharma. das ganze system geht mir auf die nerven. immer nur noch mehr, und hier noch eine klausur, da noch ein blockpraktikum, und noch ein referat, eine abschlußarbeit mehr. das einzige, was helfen würde, wäre zeit, sich mit dem ganzen stoff zu befassen. in ruhe zu lernen, mit dem wissen arbeiten, es zu verinnerlichen. aber doch nicht so. nicht unter diesem permanenten druck, nicht diese massen in derart kurzer zeit. doch nicht so. das einzige, was ich will, ist eine gute ärztin werden. ich glaube, ich war von diesem ziel noch nie weiter entfernt als jetzt.
ich bin so unzufrieden mit mir. ich komme auf keinen grünen zweig. ich esse nur ungesunden mist, aus zeit- und lustmangel bzgl. des kochens. ich war seit wochen nicht mehr beim sport, aus zeitmangel, von den folgen gar nicht zu sprechen. ich habe so gut wie keine zeit mehr für mich, und wenn doch, dann bin ich so müde dass ich ins bett falle und stundenlang schlafe, zu jeder tages- und nachtzeit. einen nachmittag frei? erst mal hinlegen, und in der regel wache ich zweieinhalb stunden später wieder auf und der nachmittag ist rum. meine finanzen sind eine katastrophe, das kommt noch hinzu.
und am schlimmsten finde ich mein derzeit permanentes hadern damit, dass es nichts gibt, was ich extrem gut kann, sondern nur viele dinge, die ich gut kann. ich kenne kaum jemanden, der nicht irgendetwas richtig richtig gut kann, das immer weiter perfektioniert, dafür brennt, es zu seinem beruflichen oder privaten lebensinhalt gemacht hat und daran feilt und poliert, nur um immer noch perfekter zu werden. ich habe nichts dergleichen. ich kann eine ganze menge dinge passabel, manche gut. aber es gibt nichts in meinem leben, das ich extrem gut kann, nichts, wofür ich lebe weil ich immer nur noch besser werden will. ich weiß nicht, warum das so ist. wenn man etwas sehr sehr gut können will, muss man dran bleiben, kritik einstecken und fehler machen, aus denen man lernen kann. vielleicht habe ich das aus angst, eben jene fehler zu machen, an denen ich dann gemessen, bewertet werde, eben nicht getan, bin nicht dran geblieben, aus angst vor kritik. und vielleicht habe ich damit nie die grenze zum richtig gut werden überschritten, vielleicht liegt es daran. ich muss zugeben, das beschäftigt mich momentan sehr, und es belastet mich. ich habe noch keinen ansatz, keinen weg gefunden, es zu akzeptieren und gut zu finden. universaldilettantin statt fachidiot, so könnte man es wohl nennen. wenn es vorteile hat, dann sehe ich sie nicht.