grenzwandel

18.07.2009 um 21:30 Uhr

2. semester - fazit

oh mann. so langsam setzt sich bei mir die erkenntnis, dass das zweite semester auch rum ist. schön war's, wenn auch anstrengend. ich habe nachgezählt, es waren ganze 9 leistungsnachweise, neun. das ist ne menge.

im gegensatz zum ersten semester, das definitiv ein sprung ins kalte wasser war, war das zweite deutlich medizinischer und hat daher auch viel mehr spaß gemacht. und zudem hatte ich kaum mehr zweifel, irgendetwas nicht zu bestehen - ok, von der relativ unvorbereitet geschriebenen physikklausur heute mal abgesehen. ich kann es noch gar nicht glauben: fehler- und fehlerrechnung, mechanik, struktur der materie, wärmelehre, e-lehre, optik, schwingungen und wellen und radioaktivität...das war schon eine glanzleistung. minimaler aufwand, unterm strich habe ich ganze zweieinhalb tage gerechnet, maximaler erfolg. ein teil war gekonnt gerechnet, ein teil unkonventionell-logisch erschlossen, ein teil mit gefährlichem halbwissen ab- und hergeleitet und ein klein bisschen richtig gut geraten. aber das ist der vorteil vom multiple choice. sobald man eine antwort definitiv als richtig oder falsch erkennt, kann man oft so gut nach dem ausschlußprinzip arbeiten, dass nur noch eine antwort übrig bleibt. und das ist dann auch in aller regel die richtige. aber das scheinen viele meiner kommilitonen noch nicht begriffen zu haben. die haben teilweise wochenlang theorie gelernt und gerechnet und sind gnadenlos durchgeflogen. naja, ich muss aber sagen, ich hatte schon auch einfach glück und ganz offensichtlich mut zur richtigen lücke. und zudem haben wir während der klausur auch recht ungeniert kommuniziert und ergebnisse abgeglichen. das war schon insgesamt ein erlebnis für sich. 

der histologiekurs - zwei tage à jeweils knapp drei stunden pro woche, 20 themen und 150 präparate, war unglaublich anstrengend, vor allem das mikroskopieren, aber absolut interessant und hat die medizinische perspektive enorm erweitert. es ist ein riesiger unterschied, ob man weiß, dass es ein organ gibt und wie es makroskopisch aussieht und seine lage kennt, oder ob man es in all seinen einzelnen zellen benennen, beschreiben und in (s)einen größeren kontext einordnen kann. damit geht ein völlig anderes verständnis des menschlichen körpers/systems einher, ein erfahrung, bzw. wissen, die bzw. das - notwendigerweise natürlich - absolut erforderlich ist, das ich aber auch in all seinen einzelheiten definitiv nicht missen möchte. alleine die erfahrung, sich dieses wissen anhand der präparate und der lehrbücher zu erarbeiten, sucht ihresgleichen.

das seminar molekulare medizin war ganz interessant (mein parkinsonreferat laut kommilitonen und seminarleiter sensationell), physiologie eher mäßig, was aber eher an der art der stoffvermittlung lag als am stoff selber, und biochemie war auch ok. insgesamt ist der einstieg in die beiden großen fächer biochemie und physiologie gelungen und lässt raum zur hoffnung, dass es vielleicht hoffentlich eventuell doch nicht ganz so knüppelhart wird, wie es immer heißt. das wird sich zeigen.

der blockkurs psychologie, in dem es vor allem um die arzt-patienten-beziehung in theorie und praxis ging, war große klasse. der dozent, ein knapp 40-jähriger, extrem smarter medizinpsychologe hat sich selbst übertroffen und unserer gruppe ein tolles, lustiges, lernintensives, informatives und weiterbringendes seminar beschert, und auch die arzt-patientengespräche mit theaterschauspielern waren absolut gelungen.

das wahlfach neurochirurgie war ebenfalls ein volltreffer, meine intuition ende letzten semesters, dieses wahlfach, und nur dieses haben zu wollen, war goldrichtig. ich bin ihr gefolgt, habe priorität 1 für neurochirurgie angegeben, es bekommen, und damit möglicherweise auch eine zukunftsweisende entscheidung getroffen. das seminar hat spaß gemacht, einziger, naja, ich will nicht ungerecht sein, wehrmutstropfen kann man nicht sagen, aber irgendwie doch, aber egal, waren meine mit-wahlfachkommilitonen. nicht, weil sie desinteressiert gewesen wären, nein, überhaupt nicht, aber sie waren einfach durch die bank weg saujung, teilweise gerade mal 19 oder 20 jahre alt und hatten dementsprchend keine bis kaum erfahrung mit referaten, etc. aber das kann man ihnen kaum vorwerfen. egal. ich habe, wie so oft, einen besseren draht zu den beiden dozentinnen gehabt, einer neurologin und der bereits ausführlich erwähnten geschäftsführenden oberärztin der neurochirurgie, als zu meinen kommilitonen, was, zumindest bezüglich der oberärztin absolut auf sympathischster gegenseitigkeit beruht hat. das wahlfach ist die einzige note der vorklinik, die mit in die physikumsnote eingeht - es wird bis zum physikum ja auch weiter nichts benotet, alles was zählt ist bestanden oder eben nicht - und ich denke, ich kann mehr als zufrieden sein. ein sehr gut, kontakte, die gold wert sind, eine kurzfamulatur in der neuroradiologie übernächste woche bei der chefin der neuroradiologie und eine oberärztin, die mich jederzeit wieder in den op mitnimmt (hallo, halloho, ich bin zweitsemester...aber das scheint die herrschaften durch die bank weg nicht zu interessieren. ich muss talent haben, anders kann ich mir das nicht erklären).

ich bin mehr als glücklich und zufrieden mit diesem semester und werde jetzt erstmal - ganz beruhigt, stolz auf mich und gelassen - 24 stunden am stück schlafen.