nachwehen II.
das einzig konstante, das es in meinem leben zu geben scheint, ist das pendeln und die instabilität. es ist zu mäuse melken. seit gestern habe ich dissertationsbezogene albträume, so, dass ich heute nacht aufgestanden bin und nachschauen musste, ob das konzeptionskapitel wirklich da ist und ich nicht vergessen habe, es auszudrucken. und überhaupt hänge ich jetzt hier und bin fest davon überzeugt, dass meine beiden gutachter mit einem rotstift und einer speziellen fehler-sichtbarmach-brille zähnefletschend und böse grinsend über meiner arbeit sitzen und sie komplett demontieren. um mir dann hinterher milde lächelnd zu sagen, das war wohl nichts, und es ein zweites mal versuchen sei sinnlos.
die alte, unendlich tiefsitzende und massive angst vor bewertungen. und das ist natürlich eine situation, an der ich alle, aber auch alle meine muster und ängste festmachen kann. kontrollverlust, bewertung. grauenhaft. ich bewerte mich selber schlecht, und deshalb tun es natürlich auch alle anderen, es kann gar nicht anders sein. es ist natürlich auch völlig klar, dass diese arbeit grottenschlecht ist und den titel nicht verdient, denn ich war es ja, die sie geschrieben hat. von mir kann ja nichts gescheites kommen, und wenn die anderen etwas gut finden, was ich gemacht habe, oder mich mögen, dann irren sie eben. ist klar.
stopschild raus - das hat dieses mal sogar rechtzeitig funktioniert (gestern schob es sich langsam von rechts in mein blickfeld. ich habe es nicht sofort wahrgenommen, erst als es anfing, vor meinen augen herumzuwedeln) - stehenbleiben, dranbleiben und draufgucken. dabeibleiben und ja nicht weglaufen. meine therapeutin hat sich mittlerweile in meinen hirnwindungen eingenistet. und jedes mal, wenn ich verstanden habe, um was es dieses mal wieder ging, wenn ich in der lage bin, selber draufzugucken, bewusst wahrzunehmen, was gerade wieder passiert, dann räumt sie den platz in der besagten hirnwindung und überlässt ihn mir bzw. dem bewusstsein.
so auch jetzt. ich tobe zwar - ein bißchen, aber ich stehe dabei und schaue drauf, und so ganz langsam, langsam, fängt es an, sich zu lösen. pendelnd natürlich - wer wer ich denn wenn nicht - aber ich kann es irgendwie fühlen.
