probleme mit der couch?
Musik: creed. mal wieder.
ich schätze, meine therapeutin ist wieder im lande, in der stadt, und somit in meiner nähe. ich freue mich wie eine schneekönigin. es macht für mich einen riesigen unterschied, ob sie tausende kilometer weit weg ist, oder eben nur einige wenige. in zwei wochen geht es weiter, genauer am 31.8. und 19.30 uhr. ich habe gestern schon damit angefangen, die gesamte pausenzeit revue passieren zu lassen, die erkenntnisse noch einmal zu durchdenken und mich seelisch und moralisch darauf einzustellen, bald wieder auf der couch zu liegen. in der ersatztherapie am mittwoch haben wir damit angefangen draufzuschauen, was genau es ist, das mir das liegen auf der couch so schwer macht. es war eine harte therapiestunde, hart aber lehrreich. weil ich, sobald ich die entsprechende situation hergestellt hatte, auf einmal alle verhaltensweisen an der tag legte, die ich auch auf der couch an den tag lege. und so konnte ich darauf schauen, ohne auf eben jener couch zu liegen. das war hochinteressant. und es sind einige faktoren, die es mir schwer machen, mich liegenderweise auf die analyse einzulassen.
zum einen habe ich das gefühl, schon aufgrund der position, eben dem liegen, meiner therapeutin unter'legen' zu sein, weswegen ich permanent an meinem haargummi herumknibbel. ich muss manipulieren, damit ich das gefühl von 'macht' habe. und zeitgleich fühle ich mich klein und habe das gefühl von kontrollverlust.
und ich kann mich nur ganz eingeschränkt bewegen. dachte ich zumindest bisher. das hatte zur folge, dass ich immer, aber wirklich immer, in der selben unbequemen position liege. rechtes beim auf dem linken. das ist ziemlich anstrengend und geht auf die hüfte. dass ich es mir auf der couch auch gemütlich machen kann, auf diese idee bin ich bisher noch nicht gekommen. ich werde also in zukunft versuchen, es mir bequem zu machen und so entspannt wie möglich zu liegen. ich habe das in der hand, kann meine position verändern und muss mich micht einzwängen. denn der körper spielt eine unwahrscheinlich wichtige rolle beim fühlen. weil, wie meine therapeutin einmal so schön sagte, sie sind ihr körper, ihr körper, das sind sie. man kann das nicht trennen.
und ein weiterer wichtiger, erschwerender faktor war immer, dass ich meine therapeutin ganz oft als konkurrenz sehe. als jemanden, dem ich beweisen muss, wie schlau und eloquent und tiefsinnig und witzig und überhaupt ich bin. leistungsdenken eben. aber - und das war eine wesentliche erkenntnis der mittwöchlichen ersatztherapie: ich habe mittlerweile ein sehr sehr gutes, liebe- und vertrauensvolles verhältnis zu meiner therapeutin. das ist so, und das weiß und fühle ich (manchmal) auch. und dieses verhältnis geht auch so schnell nicht kaputt, und schon gar nicht, wenn es mal nicht so gut läuft oder ich nicht weiß, was ich sagen soll. die beziehung ist stabil und wird es bleiben. und es ist nur natürlich und normal, dass meine therapeutin als promovierte und habilitierte psychologin und ausgebildete und seit vielen jahren praktizierende psychoanalytikerin mir in diesem gebiet überlegen ist. sonst wäre sie nicht meine therapeutin. ich vertraue auf ihre kenntnisse und fähigkeiten und es gibt keinen grund, mit ihr zu konkurrieren. dass sie mich von herzen mag und weiß, dass ich nicht gerade ein durchschnittsmensch bin, das weiß ich auch. das hat sie mir nicht erst einmal gesagt, und vor allem merkt man es ihr an, an ihrem umgang mit mir, an ihrer geduld und an ihren oft unglaublich liebevollen blicken. den blick, mit dem sie mich in die pause verabschiedet hat, habe ich bis heute klar und deutlich vor augen und werde ihn auch nicht vergessen. nicht selten war genau dieser blick und die erinnerung an ihn ein anker während der pause, wenn es mir mal wieder nicht gut ging. diese zuneigung, die auf gegenseitigkeit beruht, die wird nicht weggehen, auch nicht, wenn ich meine schwächen zeige. erst recht dann nicht. denn diese schwächen gehören nun mal zu mir.
und, was auch ganz wichtig ist: es muss nicht jede stunde fortschritte geben. das ist ja immer so eine sache, dass ich ganz oft vor der stunde schon darüber nachdenke, was sich heute tun könnte/sollte, und genau das blockiert mich dann aber. es ist doch auch ok, wenn sich in einer stunde mal nichts tun, ich meine, ich habe drei sitzungen pro woche, das ist ziemlich anstrengend, und ich hab das studium auch noch, aber eben nur begrenzt kraftreserven. was, wenn ich die (erfolge der) letzten stunden einfach nochmal revue passieren lasse, sie mir nochmal bewusst mache, ihnen gelegenheit gebe, sich zu setzen. das ist so wichtig. die seele bzw. die psyche lässt nur das zu, was sie zu tragen im stande ist. jetzt von der abwehr und dem nicht-analysieren wollen mal abgesehen. aber ich denke, ich hoffe, dass ich in zukunft unterscheiden kann, wann ich in der abwehr bin oder nicht will, oder wenn es gerade schlicht nicht geht, vielleicht, weil noch etwas in aufruhr ist, etc. ich werde da genau hinschauen, und vor allem meinen körper mit einbeziehen. der sagt so viel. da hat die kbt enorm geholfen. in ihrer mail, die mir meine therapeutin auf meine geschrieben hatte, hat sie mir gewünscht, dass ich von der kbt genug profitieren könne. das habe ich, werte frau dr. psychoanalytikerin, das habe ich. mehr als. das war eine glückliche fügung, dass es so reibungslos geklappt hat, eben jene als ersatztherapie zu organisieren, und dass ich die kbt-therapeutin aus der psychosomatik kannte und super mit ihr kann.
so. das war es fürs erste mal dazu. ich werde mich jetzt auf den balkon in die laue sommernacht setzen, mit einem glas wein, und eben jene - nacht und wein - genießen.
