Begeisterung in der Pause!
Mann-mann-mann!! Ich kannte bisher nur Chop Suey von denen, schön-schön, aber DAS ist ja wohl RICHTIG genial!
Gleich nochmal! Die 3.35 min gönn ich mir jetzt!
Mann-mann-mann!! Ich kannte bisher nur Chop Suey von denen, schön-schön, aber DAS ist ja wohl RICHTIG genial!
Gleich nochmal! Die 3.35 min gönn ich mir jetzt!
Da kann ich nix zu sagen. Das isse. Musik, die mich zum Zittern bringt.
Muss mich erstmal sammeln...
Samstag abend. Beschaulich geht es zu in einer kleinen Stadt am Rhein. Das Ambiente zum Seufzen schön. Abenddämmerung am Schlösschen. Ein malerischer Innenhof lädt ein zum Lauschen der alten Meister.
"Das sind UNSERE Plätze." "Nein, die haben WIR uns ausgesucht." "WIR haben hier aber freigehalten." "Nein. Haben Sie nicht. Sie haben lediglich Ihre Mäntel hier auf den Boden gelegt. Haben Sie denn schon Stühle? WIR haben Stühle." Hektisch laufen bieder gekleidete Menschen mit Klappstühlen umher. Ausverkauft. Schockschwerenot. (Memo an mich: Sollte ich mir jemals einen Trenchcoat kaufen, werde ich jemanden bitten, mich zu erschießen. Lorelei, übernimmst du das?)
Es sind rosa Wolken am Himmel, was einige Konzertbesucher dazu animiert, die hellblauen Müllsäcke-ähnlichen Kapuzenponchos auszupacken, die man nebst Eintrittskarte an der Kasser erhalten hat.Man weiß ja nie. Rosa verwandelt sich schnell in Grau, damit scheint man Erfahrung zu haben. Dafür schmückt jetzt blaues Plastik graue Garderobe. Mit so viel Farbe war nicht zu rechnen.
Applaus. Oha. Die Musiker. Ich klatsche routiniert mit. Mein erstes Klassik-Konzert? Mitnichten. Mit der Muttermilch habe ich das Zeugs aufgesaugt. Mozart war der Freund meiner Kindertage, weiß-glitzernde Kniestrümpfe meine sonntägliche Freude. Heute trage ich graue. Graue Strümpfe und schwarze High-Heels mit Reißverschluss, den zu schließen ich vergessen hatte, wie mir das Naserümpfen meiner Nachbarin zu verstehen gibt. Der Applaus verebbt. Stille. Ein Handy klingelt. Schrillt zwei Mal. Begeisterter Applaus. "Hey," denk ich. "Die haben ja Humor." Aber da hatte ich den Rheinländer überschätzt und einen Teil des Konzertrituals übersehen. Der Dirigent. Der fehlte ja noch. Weiterhin begeisterter Applaus. Die Musiker stehen stramm. Er lächelt huldvoll. Geht in Position.
Stille.
Bach. Irgendwas von Bach. Was auch immer. Schön. Es fließt. Wie die Wolken, die an Rosa zu gewinnen scheinen. Ein leichter Wind weht eine Extraportion Bach an mein Ohr. Tränchen erfüllen meine Augenwinkel. Eines kullert beim Senken der Lider. Gebt mir Musik. Viel Musik. Mehr davon. Aber zuende geht der erste Satz. Ich spitze die Ohren. Mh? Und? Na also. Einer klatscht immer zwischen den Sätzen. Schön. ZWeiter Satz. Dritter Satz. Applaus. Doller Applaus. Schön. Schön wars. Aber jetzt weiter. Weiter mit Haydn. Heiteres von Haydn. Was lustiges. Mein Fuß. Himmel mein High-Heel-Fuß wippt. Haltet den Fuß, verdammt. Ich schaue mich um. Heitere Musik. Ernste Gesichter. Denkerposen. Ein alter, eleganter Mann spuckt ein Bonbon in ein Papierchen und fummelt es umständlich zurück in seine Manteltasche. Erster Satz. Zweiter Satz. Dritter Satz. Keiner klatscht mehr dazwischen. Schade. Haydn zuende. Applaus.
Nun gut. Der Höhepunkt. Beethoven. Sinfonie Nr.1. Nicht die schönste. Aber warum nicht. Beethoven geht immer. Ah. Endlich. Berührte Menschen. Genau zwei. Sie sind verliebt. Sie hat sich bei ihm untergehakt und wiegt sich ein wenig im Takt der Musik. Ein entrücktes Lächeln auf beiden Gesichtern. Die Liebe. Und die Musik. Wie schön. Die Sinfonie neigt sich dem Ende. Mein Popo tut weh. Es beginnt zu nieseln. Mitten im beethövlichen Showdown knistern die Mülltütenkapuzen. Triumphierende Blicke der schon verhüllten Pessimisten. "Ha! Hättet IHR mal vorausgedacht." Nach einigen Minuten enttäuschte Blicke in den Himmel. Kein Regenguss. Weiterhin rosa Wolken.
Die letzten Klänge. Dramatische Pose des Dirigenten. Demütig, mit gesenktem Haupt nimmt er den tosenden Applaus entgegen. Der Triumph weilt nur kurz, denn es regnet doch noch ein paar Tröpfchen. Stühle werden zusammengeklappt. geschäftiges Treiben. Man klatscht im Gehen. Verwirrt lässt der Dirigent sein Orchester aufstehen. Der Applaus bäumt sich nochmal kurz auf, um in ein peinliches Geplätscher überzugehen und dann vollständig zu verebben. Klappern, Räuspern, Plaudern. Das Nieseln lässt nach, ihm ergeht es wie dem Applaus. Nochmal zu klatschen zu beginnen wär jetzt auch doof. Ich zünde mir eine Zigarette an. Sitze auf meinem Klappstuhl und lasse die beginnende Nacht auf mich wirken. Immerhin hat der Rheinländer noch genug Zeit, um mir Luftverpesterin finstere Blicke zuzuwerfen.
Beschaulich ging es zu am Schlösschen.
Beschaulich.