Warum habe ich mir doch gleich den Kalender auf der Arbeit an die Tür gepinnt? Damit ich zumindest am morgen und am abend einmal draufschauen muss. Trotzdem traf mich die plötzliche Erkenntnis, etwas vergessen zu haben, als heute mein heißgeliebter Kassentisch auf dem Parkplatz stand. Ohne Kasse selbstverständlich, dass wäre nun doch zu leichtsinnig gewesen. Und von drinnen Eindeutige Bohrgeräusche, ´ganz klar: heute haben wir unseren "neuen" Kassentisch bekommen. Neu im Sinne von: schon gebraucht, aber brauchbar. Wird also nicht nur vom Dreck zusammengehalten wie das ausrangierte Möbel. Nachteil: Überall lagen Stromleitungen wie Spinnweben verteilt und von den Handwerkern und ihrer 80-Gigatonnen-Ausrüstung will ich erst garnichts erwähnen. Kein Durchkommen, nirgendwo, und dieses wo unsere Aushilfe gestern scheinbar gestreikt hat und sämtliche gelieferte Ware zusätzlich die Gänge verstopfte. Kollege hats mit Humor genommen .., und Feierabend gemacht. Immerhin kann ich nun nach wildem hin und her berichten, das der Tisch komplett steht und alle Kassen (ja, alle beide, ein Wunder) funktionieren. Na gut, die zweite hat noch immer keinen EC-Karten-Terminal, aber wann haben wir schon mal den Luxus, alle beide Kassen zu besetzten? Nie ! Und das kann ich mit aller Überzeugung sagen, nachdem wir Ostersamstag wohl den höchsten Tagesumsatz des Jahres hatten (nich falsch verstehen, können wir gerne wiederholen, bin da aber eher realistisch veranlagt). Alles andere ist auch ... okay, vielleicht nicht fertig, aber zumindest so übersichtlich das ich morgen mit einem gewissen System arbeiten kann und mich nicht überraschend irgendwelche unerwarteten Paletten aus der hintersten Ecke in Angst und Schrecken versetzen, weil sie dort so unerwartet rumstehen.
Kollegin habe ich dann heute abend auch erst in Angst und Schrecken versetzt und anschliessend furchtbar beleidigt? Wie´s kommt? Gucke beim kassieren zufällig auf meine tippende Hand und muss feststellen, dass ich blute. Okay, kleiner Kratzer, trotzdem Pflaster drauf damit ich nich den neuen Tresen versaue. Na doll, keine Pflaster, Tapper ich halt rüber in den Supermarkt, Scheffe reißt sich ja auch ständig den A.... also ich meine, Chef blutet ja auch gerne mal, vor allem wenn er mit unseren Bergen an papier kämpft. Gehe so rein, von hinten gleich die Kollegin: Kannste ma, machste ma ... iss ja wurscht, das mein Laden und mein Geld unbewacht sind (okay, sind sie auch, wenn ich mich zupflastere, aber von der Tür bzw. dem Büro aus sehe ich meinen Eingang und sehe, wenn jemand hineingeht). "Klar, will mich nur kurz verarzten" *Handhinhalt* "Iiiiihhhhhh". Natürlich haben wir im Büro auch sämtliches Verbandsmaterial, wahrscheinlich sogar diese Adrenalinspritzen, die man sich bei der Bundeswehr in den Oberschenkel jagen soll (ABC-Angriff? Spritze! Giftgas? Spritze? Scheiß Vorgesetzten? Spritze! Also im letzten Falle den Vorgesetzten natürlich, man könnte dafür mit unehrenhafter Entlassung rechnen und dieses will man ja). Aber kein Pflaster. War mir dann auch wurscht, in solchen Fällen, also wenn etwas nicht läuft wie ich es erwarte, schalte ich auf Scheißegal und mache weiter. iss ja nich so, dass ich heute mit offenen Lebensmitteln gearbeitet oder irgendeine übertragbare Krankheit hätte. Mein, wie ich finde harmloses, dahingeworfenes "Nu iss auch wurscht" hat die Kollegin dann doch sehr getroffen, als sie mir eine Packung aus dem Laden abschreiben wollte. War da etwas schlimmes dran? Will der Firma ja nur nicht irgendwelche unnötigen Kosten verursachen ... wer weiß, wann es auf einen zurückfällt?
Am Ende werden wir sonst auch noch wie Lidl überwacht und ich werde wegen eines Pflasters entlassen. Und mal ehrlich: Wer im Einzehlhandel arbeitet, weiß, dass er oder sie der gearschte ist. Und das man überwacht wird. Gut, ich hielt die Story von ehemaligen Angestellten immer für übertrieben, hatten ja als ehemalige einen guten Grund, schlecht auf die Firma zu sprechen zu sein. Bis ich dann selbst mal bei der Revision antanzen musste und am besten gleich meine Kündigung unterschreiben sollte, obwohl man absolut nichts gegen mich vorzuweisen hatte. Doch, eine Szene, wo unser tatsächlich nachweisbar straffälliger Azubi im Lager/Büro abrechnet und ich zu im nach hinten gehe. Komisch, ein Getränkeverkäufer geht in sein nicht kameraüberwachtes Lager ... ganz was seltenes ... hätte ja sein können, dass er da hinten tatsächlich arbeitet, und um nix entlastendes zu haben wurde dieses Lager ja eben auch nicht überwacht ... so zumidnest meine Rekonstruktion des Vorfalls. Egal, bisher fahre ich gut mit dem Bewusstsein, dass ich bis hin zum Bezirksleiter jedem vertrauen kann und trotzdem irgendwann einen Tritt in den Arsch bekommen werde.
Na gut, Zeit für die Falle. Oder bleibe ich noch auf und gehe erst um neun zur Arbeit, wie es auf unserem Einsatzplan steht? Schon blöd, dass der Aushang nur auf die rechtlichen Bestimmungen getrimmt ist und ich trotzdem schon um sieben hin muss, Gesetz hin, Arbeitszeitregelung her. Nacht.