Hotel Naipaula

21.02.2017 um 18:24 Uhr

Der Balkon

von: hibouh

Ein Balkon ist gewöhnlich etwas, was nutzlos herumhȁngt: im Winter wegen der Kȁlte, im Sommer wegen des Windes nicht benutzt, höchstens bei Rauchern geduldet. “Am Gelȁnder reifen/ Pfirsiche mit Streifen” singt das Volkslied. Casanova, so sagt man, habe einmal eine Dame durch ein Loch im Balkon geliebt. Aha, meint Willemsen altklug, deshalb also sagen wir “Brüstung” oder “Sie haben aber einen schönen Balkon” zu den Vorarlberger Reinigungskrȁften. Wo warst du im Urlaub? fragt der Mallorca-Heimkehrer. In Balkonien! sagt Hans.
Das Hotel Naipaula hat nur einen Balkon, mittig im ersten Stock, mit geschnitztem Holzgelȁnder wie in Bayern. Wenn der Fussballchampion eines Landes sein Trainingscamp – gleich hinterm Haus - aufschlȁgt, winkt er der Menge jeweils vom Balkon aus zu. Der Papst würde auch kommen, aber es gibt zu wenige Katholiken auf Turk & Caicos (ein Teil der Hinterpommerschen Putzfrauen ist protestantisch, die Gȁste sind zum Teil atheistisch, zum Teil jüdisch, oder hȁngen irgendwelchen Voodoo-Kulten an.....)
Naipaulas Mutter Naipaula zog Zeltplanen rings ums Gelȁnder, damit in der Menge niemand der Damenfussballmannschaft unter die Röcke schauen konnte. Oben hielt das für überspannt.

19.02.2017 um 10:21 Uhr

Taxieren

von: hibouh


“Was soll den das nun wieder sein?”, seufzt ein verzweifelter Oben Kundura. “Seine Mitmenschen abschätzen, einteilen, beurteilen, gewichten, charakterisieren, aber nur aus der Ferne, ohne sie genau zu kennen”, antwortet Holmes auf der Stelle. “Manchmal liegt man nichtsdestotrotz mit seiner Einschätzung goldrichtig”, fügt Watson phlegmatisch hinzu.

“Dann habe ich gestern taxiert!” ruft Oben aufgeregt.

“Erzähl!” sagen Watson und Holmes wie aus einem Munde.

 

“Ich sass bei Sünger-Pizza nahe der Marina und schaute den Vorübergehenden nach. Die Februarsonne schien fast schon zu heiss, es herrschte bereits das gleissende Sommerlicht. Ich gab den Leuten Namen:

  • Die schwarze Martina
  • Die kleine lockige
  • Der Anwalt aus New York
  • Der Wirt vom “Tango”
  • Der Bürgermeister Mehmet Kocadon
  • Der Po
  • Die Mehlbestäubte
  • Die ohne Unterwäsche
  • Die Jüdin
  • Die mit dem Macho tanzt
  • Die Frau des Kapitäns
  • Die Gehäkelte
  • Der dumme Junge
  • Die Angestellte beim Yacht-Club
  • Der Raucher
  • Der geile Hund
  • Die mit den Ovarien
  • Die Botox-Tante
  • Die Betonfeministin
  • Die Tochter, die alleine geht
  • Der Zwerg....

 

War das taxiert?”

 

“Durchaus.” antworten die Briten.

19.02.2017 um 10:17 Uhr

Poacher unterrichtet Reimlehre

von: hibouh

Poacher: Moin, Kinnings!

Alle: Guten Morgen, Herr Lehrer!
Poacher: Habt ihr Ahnung vom Reim?
Fast alle: Neim!
Rainer: Mach mirn Dia/ vom Karman-Ghia?
Poacher: Toll, du Proll
Alle: über alte Witze/ fällt niemand vom Sitze
Poacher: Ich geb Euch n paar Beispiele ausm Tierreich, aber ihr sollt mit Dichtern

Wer braucht zum Essen keinen Tisch?
Der Fisch
Wer klaut vom Tisch das Fondor?
Der Kondor
Wer isst niemals auf Reisen?
Die Meisen
na, usw. Jetzt ihr:

Günter: Wer isst immer am Tisch? Egon Erwin Kisch
Eva: Wer hat sehr lange Beene? Graham Greene
Peter: Wer steckt hinter dem Spuk? Orhan Pamuk
Rainer: Wer kratzt sich da am Bart? Leo P. Ard
Manni: Wer geht da ganz schön ran – oh? Gaetano Manno
Poacher: Dass aba kein Dichter
Sylvie: Wer isst sehr gerne Bagel? Caroline Schlägel
Poacher: Das heisst Schlegel
Sylvie: Ok. Wer isst sehr gerne Begel?
Naiveronica: Wer hat alles verpackt? Der Walser nackt
Lütkebohmert: Wer is voll krass? Der Grass
Anne: Da ballt wieder die Faust er! Paul Auster
Gertrude: Wen liest wieder mal kein Schwein? Die Stein
Max: Ich liebe Durcheinander, ich les nur noch Wallander
Poacher: Soll dich der Teufel holen! Vielleicht auch Dieter Bohlen

 

19.02.2017 um 10:15 Uhr

Oben über Erziehung

von: hibouh

“Ich neige immer mehr dazu, auch Hunden und Katzen das Lesen beizubringen (mit Hilfe eines Touchscreens, wie ich ihn in der Zukunft sah, wäre selbst das Schreiben möglich?). Warum diese Müh'? Neulich im Park sah ich Schilder, darauf stand geschrieben: 'Für Hunde verboten', und 'Rasen nicht betreten!' Auf dem Rasen aber liefen fröhlich herrenlose Hunde und Katzen!
Ich für mich habe mit dem Training der willigen Tiere schon angefangen: Hinter den Futternapf etwa stelle ich ein Schild: 'Futter hier!', worauf mein Hund sogleich mit dem Lesetraining beginnt und auch schon Erfolge vorweist.
Ob die Tiere auch Rechnen können sollten, weiss ich nicht. Aber das Beispiel des Dackels, der ein Vermögen von seinem Herrchen erbte und es daraufhin in Aktien, Immobilien und Krawatten anlegte, scheint darauf hinzuweisen. Meine Katze jedenfalls halte ich vor mich hin und frage sie: 'Ergibt zwei und zwei fünf?' (ich spreche das 'fünf' mit viel Luft und ziele dabei auf ihr Ohr), worauf das gute Tier energisch den Kopf schüttelt.”

17.02.2017 um 11:18 Uhr

Suchmaschinen

von: hibouh

Seitdem Oben in der Zukunft die Suchmaschinen entdeckte (such! such! hatte er zuerst gemurmelt) steht er auf Strassennamen. Poacher verspottet ihn dafür. "Du solltest Dich Frank Strassgraba nennen!" meinte er neulich. Aber lassen wir Oben selbst zu Wort kommen:

"Eine Reise am Bildschirm

Achtung: Dieser Text enthält product placement! Ferner sind Begriffe darin enthalten.

'In jedem Text steckt eine Absicht'

Neulich fiel mir Nestor Burma wieder ein. Zuerst hatte ich ihn in einem Comic bei meinem XXX (zensiert: will nicht im Net zu finden sein) kennengelernt (wenn ich mal weder Tintin noch Moebius las. Lange Zeit war ich ja mit Bianca Castafiore beschäftigt und schrieb sogar eine Kurzgeschichte über sie. Aber Nestor, der Privatdetektiv hat mich auch lange fasziniert und über Jahre habe ich in TV5 seine Abenteuer verfolgt. Seit einiger Zeit nahm ich die Gewohnheit an, Dinge und Menschen, die mich interessieren, in Internet-Suchmaschinen einzugeben (die neueste ist übrigens Accoona). Was dann folgt ist zumeist eine Reise ins Unerwartete: denn was Du suchst, das findest Du nicht, und was Du findest, ist was völlig anderes als was Du gesucht hast. Davon jetzt ein Beispiel. Aus den Seiten über Burma erfuhr ich (was ich längst wußte), dass der Name seiner Agentur 'Fiat Lux' ist, 'Es werde Licht', ich erfuhr aber auch, was mir nicht in Erinnerung geblieben war, dass dieselbige in der Pariser Rue des Petits Champs lag:

Ich gab also den Strassennamen in die Suchmaschine ein, klickte dann auf verschiedene der gefundenen Seiten – und geriet nun auf Neuland:

Zuerst sah ich alte Pariser Strassenschilder und gelangte dann zu ruavista: les signes de la ville:

Mark Voelkel, der die Seite gemacht hat, schreibt da: 'Ich glaube, dass man von den kleinen Dingen unserer täglichen Umgebung viel lernen kann, doch aus Ermüdung, Zeitmangel und Gewohnheit nehmen wir diese nicht mehr wahr.

Die Strasse ist reich an solchen visuellen, hörbaren und riechbaren Details. Sie stellt ein permanentes Entdeckungs- und Experimentierfeld dar. Es ist der perfekte Ort für das Unvorhergesehene und die bunte Mischung, ein reich überlagertes Feld von persönlichen Geschichten und Abenteuern in Raum und Zeit. Ruavista hat zum Ziel, die Reichtümer der Strasse aufzuarbeiten um sie mit so vielen Menschen wie möglich zu teilen. Wir bemühen uns, eine neue Form des Städtetourismus zu schaffen, wo der Besuch der Strassen und ihrer Bewohner das bisher übliche Sehenswürdigkeiten-Sightseeing ersetzen würde.'

Und dann eine kurze Biographie von Marc nach Strassennamen ;-):

J"e m'appelle Marc Voelckel.

Je suis né rue du Pourquoi-Pas à Toulon.
J'ai passé mon enfance place Dupleix à Paris, puis mon adolescence rue Cépré, toujours à Paris. Une fois adulte, j'ai déménagé pour habiter: rue Oudinot, cité Anibal et rue Toullier encore à Paris, puis rue das Doze Casas à Porto, rue Triunvirato à Belém au Brésil et enfin rue Barão de São Francisco à Rio de Janeiro.
J'ai travaillé rue de l'Université à Paris, puis rua Quintino Bocaiuva à Belém.

Mes rues préférées sont la rue Ginoux, la rue de la Glacière et la rue des Fossés-Saint-Bernard à Paris, la rue Gutenberg à Strasbourg, la rue Imaculada Conceição à São Paulo, la rue Triunvirato à Belém et la rue Barão de São Francisco à Rio."