~ Panta Rhei ~

17.11.2010 um 12:33 Uhr

Stille

von: Tigerschnute   Kategorie: Konzerte

 

Als das Faszinierendste empfand ich die Stille. Wie sie sich ausdehnte in diesem Raum, der bis ins kleinste Detail für Stille ausgelegt wurde. Eigentlich für die Klänge, die in ihm stattfinden, aber die Klänge erfahre ich erst durch die dahinter kommende Stille. Ich badete förmlich in ihr – atmete sie auf. Leider ist sie ein rar gewordenes Gut. Vielleicht empfinde ich sie deshalb als so zart und groß und wertvoll. Schade, dass dieses Geschenk so schnell durch Klatschen zerstört werden musste. Weil man es so kennt? Muss denn eine Anerkennung des Künstlers immer nur durch Beifall kundgetan werden? Warum nicht durch das Geschenk der Stille und der daraus wachsenden Aufmerksamkeit? Durch die Präsenz, die nur dem Künstler gilt. Wenn keiner redet und alle gebannt mit dem Herzen hören. Ich empfinde das als etwas viel Größeres. Auch weil dadurch die zarten Töne der Musik nicht wieder „zerklatscht“ werden. Sie dürfen im Raum schweben und uns durchdringen. Können wir das aus Gewohnheit nicht zulassen? Zwischen dieser musikalischen Konzertreise, war einfach nicht der Moment zu klatschen. Zu Beginn ja, und zum Ende als Abschluss auch, aber dazwischen hat es den Zauber genommen. Es hat mich regelrecht herausgeworfen aus meiner Reise. Es war zu hart, zu kalt, zu nackt für diese unglaubliche Weichheit der Komposition. Und es hat irgendwie eine Trennung zur Musik geschaffen. Manchmal gibt es einfach Momente in denen Stille das Höchste für mich ist. Selbst Gespräche werden zu oft von lauten, vielen, unbedeutenden hin- und herjonglierten Worten gepuscht. Manchmal bin ich so müde davon, dass ich einfach nur still sein möchte.

http://www.youtube.com/watch?v=GTkzyyv0DuA&feature=related

 

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenPelegrina schreibt am 17.11.2010 um 12:41 Uhr:Ich höre so gerne der Stille zu, dass ist mir das liebste Geräusch.
    Danke für die Musik. Kannte ich noch nicht. *lächel*
  2. zitierenTigerschnute schreibt am 17.11.2010 um 13:04 Uhr:Gern!
    Dann lass uns ein Konzert der Stille erleben! :)

    ...
  3. zitierenVomFeuerkind schreibt am 17.11.2010 um 13:15 Uhr:Ich weiß auch nicht, warum Leute immer in allen möglichen Pausen klatschen müssen. Ich finde der Nachklang der Musik gehört doch auch zur Musik dazu. Aber vielleicht müssen das Künstler auch mal einfordern. Schließlich hat es sich wirklich schon sehr etabliert. Es gehört sich einfach so.

    Wer von uns kann denn Stille überhaupt noch ertragen? Wer kann denn einfach zu hause sitzten und weder Fernsehen noch Musik hören. In einem stillen Moment seinen leisen Gedanken lauschen? In Besprechungen ist oft der der mächtigere, der eine entstandene Stille länger aushalten kann. AUSHALTEN! Man muss Stille heutzutage 'aushalten'! Ertragen! Was ist denn bloß aus dem genießen geworden. Und warum fällt es uns so schwer? Sind unsere Gedanken so furchtbar, wenn man ihnen einfach mal lauschen würde? Oder denken wir einfach nicht mehr? Und haben Angst vor der Stille in uns? Der Leere?
  4. zitierenSeren_a schreibt am 17.11.2010 um 14:17 Uhr:Genau, der Nachklang...! Ich hörte kürzlich Freude schöner Götterfunken von Thielemann dirigiert... gewaltig. Es dauert am Ende ganz lange, bis das zu Ende geklungen war. Da ist zwar kein lauter Ton mehr, aber die Wellen sind noch da... und bis die Wellen verebbt waren hielt Thielemann den Kopf gesenkt und die Arme ausgebreitet, wie erstarrt... Und die Leute klatschten dann glücklicherweise auch erst, als er sich wieder aufrichtete. Ich war dafür so dankbar. Es ist so schön, die Töne bis ganz zu Ende hören zu dürfen... Genau wie im Kino der Abspann zum Film gehört, das ist auch so ein "Nachklang"...
  5. zitierenVomFeuerkind schreibt am 17.11.2010 um 15:08 Uhr:Aber da hat der Dirigent die Arme erst runtergenommen, als es "fertig" war. Das ist oft auch ein Zeichen. Der Geiger setzt die Geige erst ab, wenn er glaubt dass er/sie fertig ist. Der Sänger erstarrt bis er wirklich fertig ist. (Es gibt meist ein Zeichen)

    Und wie schön ist es, wenn das Publikum dieses dann respektiert. Aber allzu oft klatschen sie einfach drauf los. Und da es auch eine Art von Gruppenzwang ist, klatschen andere mit.
  6. zitierenannaswelt schreibt am 17.11.2010 um 15:17 Uhr:Eine schöne Geste wäre auch einfach nur aufzustehen um seinen Beifall kund zu tun.
    Die Musik ist wunderschön. Ich mag Klaviermusik sehr gerne. Am liebsten live. Das hat was sehr beruhigendes und friedliches.
  7. zitierenTigerschnute schreibt am 19.11.2010 um 10:22 Uhr:Ja, dieses Zeichen wurde auch sofort vom Publikum aufgegriffen. Kaum hatte er die Hände vom Klavier, klatschten sie los, wie die Bekloppten. Das tat einfach irgendwie weh, im Ohr, im Herzen...

    Hehe, das Aufstehen stell ich mir gerade vor Anna, und irgendwie siehts komisch aus ;) Ich glaube, ich möchte auch nicht aufstehen zwischen der Musik. Da ist zuviel Bewegung, da werden die Klänge auch irgendwie "wegbewegt". Ich wollte einfach nur mit geschlossenen Augen meine innere Reise mit der Musik machen... zeitlos, raumlos. Und am Ende einfach wieder zurück kommen und dann von mir aus Klatschen und Pfeiffen und Schreien - je nachdem, was es in mir ausgelöst hat :)
  8. zitierenPelegrina schreibt am 19.11.2010 um 10:41 Uhr:Kennst Du George Winston? Gerade bei der CD "December" fühle ich mich ein wenig an das hier erinnert. Ist auch etwas, zum davonschweben....

    (Noch besser sind immer die Banausen, die zwischen den einzelnen Sätzen, klatschen, wie die Verrückten. Da war ich mal auf einem Konzert, da ist der Dirigent fast ausgeflippt.)
  9. zitierenTigerschnute schreibt am 19.11.2010 um 10:51 Uhr:Kenn ich noch nicht, aber immer dankbar für Schwebetipps mit Hach-effekt :) Danke schön! Das nehm ich mit zur Ostsee am Wochenende. :)

    Verständlich als Dirigent, wenn man auf höchster Konzentration und dann auch noch mit ganzer Leidenschaft und Liebe Musik als Komposition, als ineinandergleitendes Ganzes, rüberbringen möchte. Echt verständlich, wenn man da ausflippt, wenn man immer wieder herausgerissen wird.
  10. zitierenPelegrina schreibt am 19.11.2010 um 11:06 Uhr:Der Dirigent hat dann immer angesagt, wann geklascht werden darf. Fand er dann irgendwie auch lustig. Ob die "Klatscher" dabei was gelernt haben? Ick weeß et nüch...

    Viel Spass an der See und schönes Wetter, wünsche ich Dir. :-)
  11. zitierenTigerschnute schreibt am 19.11.2010 um 13:05 Uhr:Danke schön! Von mir aus darfs auch gern regnen. Ich mag die Ostsee zu dieser Zeit - wenn sie wild und rauh ist. Und ich bin ausgestattet :)
  12. zitierenZwischenweltler schreibt am 19.11.2010 um 13:19 Uhr:Ostsee im Herbst oder Winter - das hat was.
    Ich wünsche Dir ein wundervolles Wochenende.
    ((@))
  13. zitierenapres schreibt am 24.04.2011 um 14:23 Uhr:Ich hab ihn vor zwei Wochen das erste Mal live gehört. Und ich kann dir aus vollstem Herzen zustimmen: seine Musik lebt eigentlich durch die Stille im Davor und Danach, ist selbst eine Form von intonierter Stille... man taucht in ganz andere Welten ab und wird durch den gezwungenen Beifall wieder herausgerissen.

    Aber das Allerschlimmste waren die Leute, die 20 Minuten zu spät kamen und dann lautstark und auch noch lachend und schwätzend die Treppe zu ihren Plätzen runterpolterten. So viel Unverschämtheit kann man gar nicht fassen.

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