Anstatt einen schönen Tag am Strand zu haben oder zur Leichtathletik zu gehen, verbrachte ich nun also einen weniger schönen Tag zu Hause. Einziger Trost: Es war tagsüber sowieso zu heiß für beides, angeblich hatten wir 40°C.
Gegen Abend kam Mike dann kurz nach Hause. Obwohl ich ihm geschrieben hatte, dass ich ihn doch bitte diesen Abend mal sprechen möchte, wollte er gleich wieder verschwinden, doch konnte ich ihn noch abpassen.
Und nett dass wir über alles gesprochen haben, aber im Endeffekt sei ihm eh alles egal, was ich zu sagen habe. Das war der generelle Ton, habe noch nie so einen Macho erlebt. Im Übrigen sei ich ja von ihm abhängig und er könne machen, was er wolle, da die Wohnung ja ihm gehöre. Und wenn er bspw. morgens laut Radio hören wolle, dann tue er das eben. Ist ihm doch egal, wenn ich nicht schlafen kann, dann müsse ich eben so früh ins Bett gehen, dass ich dann morgens aufstehe, wenn er es auch tut. Und da ich ja sowieso nur 110 Dollar wöchentlich bezahle, was für die Wohnung viel zu wenig sei, habe ich nur Anspruch auf ein Zimmer, wenn das Wohnzimmer dann praktisch einige Zeit nicht existent ist, könne ich mich nicht beklagen. Außerdem habe er keine Lust, mich immer nach der Miete zu fragen (musste er nie, ich habe ja schon immer eine halbe Woche vor dem Fälligkeitsdatum bezahlt, nur hat er mir schon immer Tage vorher die sms geschrieben!!!). Der Hammer war ja immer noch, als er sagte, dass er keine Lust habe, für mich aufzuräumen und zu putzen, dabei war ich immer die Dumme, die alles abgewaschen hat! Und so weiter und so fort… könnte noch Seiten von diesem Gespräch schreiben. Das dreiste war aber nicht nur der Inhalt, vor allem die Haltung und der Ton. Dabei hat er in einer Sache Recht: Viel kann ich nicht machen, im Endeffekt bin ich ihm recht hilflos ausgeliefert, da er den Bond hat. Allerdings habe ich noch den Schlüssel zu seiner Wohnung. So endete das Gespräch, was ich auch an Argumenten brachte, er sagte nur, dass ihn das ja gar nicht interessiere. Ich solle nächste Woche ausziehen, und er behalte den Bond. Und da ich während meines Urlaubs diese Woche alle meine Sachen inklusive des Laptops in der Wohnung lasse, habe ich dann schließlich lieber klein beigegeben. Kann er sich freuen, gibt ihm ein Gefühl der Größe - und der Mensch ist 31! Irgendwie fehlt da noch ein bisschen Reife.
Vor allem bin ich mir nicht sicher, ob er das z.T. nicht wirklich so sieht. Hat er eine so verzerrte Wahrnehmung, dass er wirklich denkt, er putzt die ganze Zeit? Es scheint mir fast so, obwohl es nicht fassbar ist. Aber über Wahrnehmung hier zu diskutieren, würde ins Endlose gehen. In anderen Bereichen steht allerdings definitiv fest, dass er mich angelogen.
Dabei geht es gar nicht nur um das Geld für mich, obwohl der verlorene Bond schon viel Geld ist. Vielmehr ist mir ist klar geworden, wie wichtig es doch ist, dass man jemandem vertrauen kann – doch wem? Vertrauen: The positive expectation that another person does not act opportunistically to satisfy his own self-interst. Es ist also doch noch etwas von der Uni hier hängen geblieben, in diesem Fall Entrepreneurial Leadership! Wie soll man je einem Menschen vertrauen können wenn nicht einmal denen, mit denen man zusammen wohnt? Wichtigste Lehre dieses Jahren: Vertraue erst einmal niemanden. Und man wird feststellen, dass auch kaum jemand Vertrauen verdient hat, eine Handvoll wirkliche Freunde ausgenommen. Eine krasse Erkenntnis, die ich eigentlich nicht unterstützen möchte. Aber zzt. fordert die Erfahrung Tribut, sowohl in der Uni (und nicht nur hier in Australien) als auch in der WG.