Von klein auf hat man uns erzählt,
Bier sei etwas Lebendiges,
ein Gärprodukt, und das mache seine Qualität aus.
Dann kamen die Bierdosen auf
und während die Brauerei-Industrie
das Hohelied vom PREMIUM sang
wurde das Bier still und heimlich totgekocht
(homogenisiert),
damit es in der Dose haltbar bliebe.
Und totgekocht wurde totgeschwiegen!
Von klein auf hat man uns erzählt,
das Bier brauche eine dunkle Flasche
weil das Licht der ärgste Feind des Bieres sei
und nur der Lichtschutz seine Qualität erhalte.
Schon längst aber sind die Märkte
mit Bieren in modischen Weißglasflaschen überzogen
die ihm den Charme einer Urinprobe verleihen
und teure Reklamefilme in Premium-Sendezeiten
haben dafür gesorgt, dass es für hippes Lifestyle gehalten wird,
dieses Zeug zu konsumieren!
Was aber ist mit dem Bier,
das nun so schutzlos der Verderbnis des Lichts ausgeliefert ist?
Sind geheime Zusätze darin, die es lichtecht konservieren?
Und entspricht dieses seltsame Flaschenbier
also noch unserem hoch gelobten, heiligen und
viel gepriesenen deutschen Reinheitsgebot?
Fragen Sie mal den Marktleiter
im Getränkemarkt Ihres Vertrauens.
Er bleibt Ihnen die Antwort schuldig.
Und überhaupt:
Wie verträgt sich der Kult um Bier und Brautradition eigentlich
mit der Tatsache, dass es mittlerweile immer öfter
wie Zucker-Limo in schnöde Plastikpullen gefüllt wird
und es wohl nur noch eine Frage der Zeit ist,
bis auch dort der Nuckelverschluss kommt,
der heute schon trendbewusste Wasserfetischisten
zu adulten Säuglingen degradiert.
Wer wendet sich angewidert ab,
wenn sich in der Bierabteilung
die sogenannten "Biermischgetränke"
auf breitester Regalfront dem Verbraucher präsentieren?
Sehen wir den Dingen ins Gesicht:
Der Untergang des Bieres ist besiegelt
und schon bald werden auch die kleinen regionalen Brauereien aufhören,
der Brauerei-Industrie Widerstand zu leisten
und mitschwimmen
im breiten Strom der morallosen Bierverderber.
Wie, ja, wie nur
sollen wir uns dann noch stilvoll, echt und ehrlich
berauschen können?
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