Katzenlady

02.07.2013 um 00:18 Uhr

Danke Blogigo

von: Delanji

Grüße euch.

kennt ihr mich noch?

Ich leb noch.

Nur hab ich nicht viel zu erzählen.

Eigentlich garnichts.

Deshalb wird hier wohl auch nicht mehr viel passieren, auch wenn mir Blogigo immer viel gab.

Ich werde diesen Blog nicht löschen, denn vielleicht komm ich irgendwann knietschend und heulend zurückgekrochen, kann ja sein. Zuhause hab ich mich hier jedenfalls immer gefühlt.

 

Wer aber trotzdem mit mir in Kontakt bleiben will, der findet mich auf Facebook, auf Twitter als @delanji und neuerdings in meinem neuen Handarbeitsblog Delanjiplush .

 

Bitte passt gut auf euch auf.

Ich vergess euch nicht, versprochen. 

04.01.2013 um 19:52 Uhr

Eine Bilanz

von: Delanji   Kategorie: Spiegelscherben

Musik: Mark Lanegan - Hotel

Ach Kinder, was soll ich euch denn schon erzählen.

Das Jahr 2012 ist rum, und schon stecken wir knietief im nächsten.

Es geht immer weiter, im Guten wie im Bösen.

Das ist eigentlich alles was ich mit Sicherheit sagen kann.

So viel anderes wäre zu sagen, aber die alte Sprachlosigkeit ist zurück.


Was gibt es zu 2012 noch zu sagen?

Es fing beschissen an. Schon Silvester saß ich in meiner Erfurter Wohnung und fühlte mich alleine. Ein pennender Mann neben mir, ders nicht mal nötig hatte, wenigstens so zu tun als interessiert ihn noch irgendwas.

Es blieb ein ruhiges Jahr. Viel Arbeiten. Körperliche Grenzerfahrungen bei regelmäßigen 11 Stunden Schichten. Gewissenskonflikte auf Arbeit. Aber auch kurze Erfolgserlebnisse wie die bestandene Zwischenprüfung.

Nach Feierabend jeden Tag heimkommen zu dem selben Menschen, den du nichtmehr sehen kannst, weil da einfach nichts positives mehr zu finden ist. In die Wohnung, für die du arbeitest. Die dein komplettes Geld verschlingt. Jeden Tag, sinnlose Streitereien. Aus Wut wird Frustration, aus Frustration Resignation.

Am Ende hielt man sich nichtmal mehr länger als eine Stunde im selben Raum auf.

Selbstwertgefühl am Boden, Reserven am Ende. Jeden Tag mindestens 3 oder 4 Ibuhexal um durch den Tag zu kommen.

 

Zusehen, wie in der Heimat alles vor die Hunde geht. Miterleben, wie die eigene Schwester einen Nervenzusammenbruch nach dem nächsten hat.

Zusehen, wie Schwester das erste Mal WIRKLICH das Gesicht ihrer Familie sieht. Und das ganze kurz danach wortlos wieder zu den Akten legt.

Zusehen wie der Schwager monatelang an Unfallfolgen zu knabbern hat.

Zusehen, wie beide immer mehr alte Muster meiner Eltern entwickeln und ausleben. Versuchen, wegzusehen. Die Fresse zu halten.

Dann die kurze, dann gottseidank unbestätigte Angst, dass Babyneffe epileptische Anfälle habe.

Ebenso die ständige, unterschwellige, immer wahrscheinlicher werdende Angst den Großvater endgültig zu verlieren. Aber immerhin haben wir noch einmal die Versöhnung geschafft. Ich bin stolz darauf, diesem Mann als Enkeltochter auf Augenhöhe begegnen zu können.

 

Trotzdem hab ich nicht gemerkt wie tief ich im Dreck versank.

Aber ab März hast du eingegriffen. Jeden Tag mindestens 100 SMS. Jeden Tag ein "Du schaffst das!". Jeden Tag ein unterschwelliges "Du hast es bald hinter dir."

Erst dezent. Ein paar Minuten Mut machen. Noch ohne festen Plan. Die generelle Erinnerung an die Heimat.

Aber es wurde immer schlimmer.

Im Mai auf Heimaturlaub. Im Stadion stehen, Aufstieg feiern. Mit dir Arm im Arm im Block, Blitz, Donner, Gewitter, Platzregen. Tränen in den Augen. Seit Monaten wieder ein Funken Leben.

Und dann, vom Babyneffen verabschieden. Noch im Treppenhaus hören wie er schreit und weint weil du wieder gehst. Im Auto zusammenbrechen und heulen. Zwei Stunden "Heimfahrt" mit diesem Menschen, dem du nichtsmehr zu sagen hast...in eine Wohnung kommen die du nichtmehr sehen kannst.

Und das war der Punkt wo es nichtmehr ging. Das war der Punkt, wo wir anfingen, im Scherz über eine neue Wohnung zu reden. Sogar übers WG gründen wurde gefrotzelt. Du warst lieb zu mir. Vorsichtiger und freundlicher als es deine Art ist. Wenn du mich schon mit Samthandschuhen anfasst, weiß ich was das heißt.

 

Ab dann ging alles ganz schnell.

Aus Blödsinn nach einer Wohnung geschaut. Eine gefunden, in deiner Straße. Kurz darauf festgestellt, es ist nicht nur deine Straße, sondern dein Haus.

Bewerbungen schreiben. Noch einmal auf Arbeit schleppen. Angemault werden, weil man trotz 4 Ibuhexal nichtmehr gerade sitzen kann. Heimkommen, sich ums Geld streiten. Ums Essen. Um alles. Alle paar Tage Asthmaanfälle.

Dann die Wohnung in der Heimat besichtigen. Von der bis dahin völlig unbekannten Nachbarin aufs herzlichste Empfangen werden. Glück gewünscht kriegen, von Nachbarn, von Taxifahrern. Von dir. Nach einem kurzen Moment Verhandlung- Handschlag und Vertrag. Ich bin bald wieder Zwickauer.

 

Die letzten Wochen Thüringen.

Meine drei Kisten packen während der Mensch mit dem du 3 Jahre gelebt hast auf Arbeit ist.

Auf Arbeit kündigen. Kein Wort des Abschieds von den sogenannten Kollegen. Mir ists Recht. Zwei, drei Kameraden die sich mit Handschlag von dir verabschieden. Gutgemeinte Warnungen aussprechen. Ein letztes Bier. Dem Ex den Schlüssel in die Hand drücken. Nach Worten suchen und dann doch nur resigniert die Schultern zucken. Ein letztes versuchtes Lächeln, dann ein wortloser Abschied.

Mein Besitz schon auf dem Weg in die Heimat, ich stehe vor der Wohnung und rauche die erste Kippe in Freiheit.

 

Meine letzte Nacht in Erfurt ist meine erste Nacht als Single in dieser Stadt.

Mit den letzten Kameraden unterwegs. Eine Kneipe nach der anderen.

Rotzbesoffen vor der Kneipe auf dem Bürgersteig sitzen, Arm in Arm böse Lieder singen. Telefonnummern von hübschen Frauen zugesteckt bekommen.

Kleine Scharmützel mit der ansässigen Bevölkerung- endlich mal man selbst sein, ohne Rücksicht auf Freund, Familie oder Job- hat man ja alles nichtmehr.

Einen Typen aufgabeln. Kurzer, dreckiger Spaß in einem Hinterhof. Der erste und einzige kurze Zweifel, ob die Entscheidung richtig war.

Danach, immernoch voll, zum Bahnhof. Zwei Stunden im Zug, auf dem Weg nach Hause. Ein Kater aus der Hölle, ein ausgeschlagener Zahn, blaue Flecken überall. Trotzdem gute Laune wie noch nie.

Wie oft bin ich diese Strecke schon gefahren? Jedes Dorf merken, von jedem Bahnhof verabschieden.

 

Und dann bin ich zuhause. In meiner kleinen Wohnung. 30qm, 2 Zimmer. Noch gähnend leer. Nur eins ist schon da und wartet auf mich: Dein Gremlin.

 

Das war im Juli.

Es wurden harte Monate, finanziell. Aber ich hab sie rumgekriegt, vorallem dank dir.

Jeden Tag brennt hier ein Licht für dich, wenn du von der Schicht heimkommst, und jeden Tag bekomme ich ein klopfen oder einen Schneeball, damit ich weiß- du bist zuhause.

Ich bin nicht völlig nutzlos- und du hast jemanden, zu dem du heimkommen kannst.

Etwas, das wir beide lang nicht mehr hatten.

Es ist nicht alles gut hier. Panikattacken, Hüttenkoller, Flashbacks. Die Nähe zur Vergangenheit, zur Familie trifft mich regelmäßig wie ein Faustschlag.

Aber dann klopf es, oder ein Schneeball klatscht ans Fenster, oder es liegen plötzlich Oblaten aus der CSSR vor der Haustür. Und alles wird gut. Warm, Weich, Sicher.

Die Zeit wird zeigen ob irgendwann der Fluchtinstinkt zu stark wird, oder ob ich ihn endlich besiegen kann.

 

Der Körper wird sich langsam Normalisieren müssen. In kleinen Schritten vorwärts. Auch Arbeit wird kommen, wenn die Zeit reif ist.

Den letzten Tag des Jahres, bei Babyneffen verbracht. Trotzdem ruhig und irgendwie einsam, wie letztes Jahr. Traurig.

Dann Punkt 12- ein Videoanruf: Du streamst mir das Dresdner Feuerwerk, weil du weißt dass ich keins sehe.

2013 ist angebrochen. Unser 13. Jahr. Du denkst an mich. Und plötzlich ist alles in Ordnung.

 

2012, du warst n ziemliches Scheißjahr.

Warst n Scheißjahr für mich, für meine Familie und ein Scheißjahr für die meisten, die mir wichtig sind.

Du hast uns alle Niedergeschlagen und ziemlich hart an die Grenzen geführt. Aber du hast sie alle am Leben gelassen, und das war mehr als ich erwartet hab.

Du hast mich heimgebracht. Warst also ein wichtiges Jahr.

Und 2013 wird mich weiterbringen. Wie jedes Jahr.

Denn es geht immer weiter. Deutsche Eichen fallen nicht!




12.12.2012 um 17:50 Uhr

Schuldenfrei

von: Delanji

yaaaaaaaaaaaaaay...

Nach 6 Monaten!!! Endlich Schuldenfrei.

Endlich nichmehr rechnen brauchen, wie viele Tage man mit ner Packung Nudeln hinkommt.

Endlich! Endlich Endlich Endlich!  Whoooohoooow!

21.11.2012 um 23:28 Uhr

Wutgedanken

von: Delanji   Kategorie: Spiegelscherben

Ich bin ein Arschloch. Ehrlich. Ich bin ein Mensch, der auf locker 99 Prozent seiner Mitmenschen scheißt.

Ich bin ein Mensch der geht wenn er merkt dass ihm der Boden wegbricht, und ich bin ein Mensch, der seine Skrupel ausschalten kann wenn es nötig wird.

Okay, ich habe ein gewisses soziales und gesellschaftliches Gewissen, aber nur insofern, dass ich nicht aktiv Teil eines Systems werden möchte, das meinem Gerechtigkeitssinn wiederstrebt.

Aber das liegt eher an meinem generellen Moralverständnis als an meiner Menschenliebe.

Ich helfe Menschen gerne und so oft und so gut wie ich kann. Unerheblich ob ich diesen Menschen mag oder halt nicht. Einfach, weil man das so macht. Was ein Mensch kann, soll er möglichst breitgestreut einsetzen, denn es gibt genug wo man selbst elendig versagt. Punkt. Das macht man so, so bin ich erzogen. Das mag nützlich sein, ist aber keine Menschenliebe.

99 Prozent der Menschheit kann von mir aus der Blitz beim Scheißen treffen und es wäre mir egal.

Was ich damit sagen will: ich denke, sonderlich gut wird mein Karma-Punkte Konto nicht aussehn.

Womit ich leben kann. Aber hier kommt das restliche 1% ins Spiel.

Denn offenbar ist es in meinem Leben so, dass mein LEBEN zu feige ist mir SELBST in den Arsch zu treten, wenns mir was zu sagen hat.

Nein. MEIN Karma rächt sich offensichtlich an der Hand voll Menschen, die mir NICHT scheißegal sind. 

Meine Schwester, mein Großvater, mein Lieblingsnachbar...zu nem gewissen Teil vielleicht sogar meine Mutter (obwohl ich da schon fast geneigt bin, eigene kosmische Gerechtigkeit zu unterstellen).

Denn die werden, vorallem dieses Jahr, von hinten bis vorne, von oben bis unten, von diesem Leben getreten, verprügelt und zu Grunde gerichtet. Wohin gegen ich zwar zwei drei mal ins Straucheln komme, aber trotzdem auf den Füßen lande, mir den Staub abklopfe und die Schultern zucke.

Mal ehrlich, da steckt doch System dahinter.

 

Deshalb, hochoffiziell:

Liebes Leben/Karma/Whatever,

Wenn du mir IRGENDWAS zu sagen hast, wenn du Leute quälen willst, wenn du deinen DRECKS SADISMUS unbedingt ausleben musst, dann tu es gottverdammt nochmal bei Leuten, die dir gewachsen sind! 

Komm, gibs MIR, du hasts doch oft genug versucht, wir wissen beide dass dus kannst.

Komm, geb MIR mehr Scheiße, geb mir noch paar Asthmaanfälle, noch paar Knochenbrüche, oder noch n paar schöne Erlebnisse mit meinen Eltern.

Komm, bitte, paar mehr Albträume und Panikattacken, mehr körperliche Schmerzen.

KOMM DOCH!  KOMM ENDLICH und HAB DEN ANSTAND und tret gegen MICH an, wenn du ein verdammtes Problem mit mir hast. KOMM DOCH!!!

 

Aber lass einfach die Finger von den paar Leuten die mir wichtig sind. Bitte.

27.10.2012 um 08:09 Uhr

Schnee Schnee Schnee

von: Delanji   Kategorie: Wildes Rumgeknipse

Mäh.

Schnee....

Ich mag keinen Schnee.

Ok, sieht gut aus...Aber es ist KALT und NASS und für Bodenlebewesen wie mich enorm nervig...

schnee2
 
 
bzw schnee1

01.10.2012 um 21:25 Uhr

Winterabende

von: Delanji   Kategorie: Spiegelscherben

Und jetzt ist es wieder scheißkalt, und im Hintergrund läuft Mucc, und es ist dunkel und ich fühl mich alleine.

Und jetzt weiß ich wieder warum ich grad kurz vorm heulen bin.

Und ich bin in Gedanken wieder das erste Jahr in Dresden, und keiner meiner sogenannten Freunde hat es geschafft, mich zu fragen wies mir geht, ob ich mich aufrecht halten kann. 

Und es ist die Weihnachtsfeier unserer Radiosendung in Dresden, und ja, du kommst extra von Zwickau hergefahren, um mich abzuholen, damit ich wenigstens einmal dabei sein kann.

Und du fragst extra die Betreuer im Heim wie lang ich weg bleiben darf, und du bist in dem Moment so sehr großer Bruder für mich dass ich nicht weiß wie ich reagieren kann.

Und auf der Fahrt reden wir, völlig belanglos, aber trotzdem bringst du mich zur Ruhe und ich kann mich das erste mal seit Monaten entspannen und den Kopf ausschalten.

Und wir kommen an bei der Feier, und du bist der selbe überdrehte laute Mensch der du immer bist, und wir ziehen meinen damaligen Typen auf, der dich hasst, weil du der wichtigste Mensch der Welt für mich bist.

Und dann ist es kurz vor 12 und ich muss heim. Und du merkst wie traurig ich bin, weil ich jetzt wieder alleine bin. Und du fragst die Nachtschicht, ob du noch ein bisschen bleiben kannst.

Du bleibst bis fast nachts um 3, und wir liegen in diesem scheißkleinen Zimmer, in meinem Bett, und hast mich im Arm und kuschelst mich, und draußen ists so beschissen kalt und dunkel, und du bist so schön warm und weich, und ich fühl mich seit JAHREN das erste mal wieder sicher und vorallem wohl.

Und gewollt. und willkommen. Und will nicht weglaufen.

 

 

01.10.2012 um 21:07 Uhr

Menschen

von: Delanji   Kategorie: Glücksmomente

Musik: irgendwas von Mucc

Und dann gibt es noch diese Menschen die du liebst.
Die du immer geliebt hast, seit du sie kennst.

Nicht diese Menschen zu denen du "ich liebe dich" sagen würdest. Weil das viel zu dämlich, flach und oberflächlich wäre, für das was du eigentlich meinst. Die du stattdessen nur verlegen angrinst. Und das gleiche grinsen zurückbekommst.

Menschen, bei denen du immer im Hinterkopf Angst hast, sie zu verlieren, weil du ohne sie nicht weißt, ob du weitermachen könntest. Ob du wollen würdest. Menschen die dich am Leben gehalten haben. 

Menschen, bei denen du aber eigentlich weißt, dass du garnicht genug scheiße bauen kannst, um sie zu vergraulen. Was dich irgendwie beruhigt. Menschen die deine Lügen kennen, ohne dass du ihnen je die Wahrheit gesagt hättest, und sie dir trotzdem lassen, weil sie wissen dass du sie brauchst um weitermachen zu können. Menschen, die dich dein verdrehtes Selbstbild leben lassen, auf Gedeih und Verderb. 

Menschen, die die einzigen sind, die deinetwegen, nicht ihretwegen traurig wären wenns dich nichtmehr gäbe.

Menschen die dir alles zutrauen. Im Guten wie im Schlechten. Die keine Fragen stellen.

Menschen die du siehst, und anfängst zu lächeln.

Menschen, mit denen du eigentlich die meisten schönen Szenen in deinem Leben verbindest.

Menschen, die selbst die beschissensten, unerträglichsten Szenen deines Lebens irgendwie geteilt und erträglich gemacht haben. Die mehr von dir kennen als du selbst.

Menschen, denen du selbst als Kontroll-Mensch blind vertraust.

Menschen, die dich zu dem gemacht haben was du bist.  Menschen die nie gesagt haben "ich bin für dich da" und es immer waren.

 

 

22.08.2012 um 14:11 Uhr

Gewitter

von: Delanji

Hachja...Gewitter in der Heimat sind schonbissl was anderes als in Thüringen...Wenns dann mal eben von 3 Seiten gleichzeitig kommt.... hey, ich bin ein kleiner fluchtgeneigter Bodenbewohner, ich darf mich da unterm Bett verstecken...

 

gewitter

Aber geil sahs schon aus...

 

17.08.2012 um 02:29 Uhr

Das (eigentliche) Lebenszeichen

von: Delanji

Ich bin zurück in meiner Heimat.

Habe Martin verlassen, meine Lehre geschmissen und bin in eine kleine niedliche Wohnung in Zwickau gezogen. Habe meinen letzten Abend in Erfurt in vollen Zügen genossen (was ich vielleicht hätte lassen sollen) und bin dann gegangen ohne zurückzuschauen, wenn auch mit Zweifeln, die vorher nicht da waren.

Mit Arbeit ists zur Zeit finster, aber mir gehts gesundheitlich eh momentan beschissen genug als dass ich nicht wüsste wie ich es schaffen sollte. Bei irgendwas hab ich mein Bein verletzt oder überlastet, jedenfalls hab ich seit über 2 Wochen jeden Tag Schmerzmittel genommen. Mittlerweile kann ich es fast wieder belasten, aber sämtliche Gelenke fallen jetzt nacheinander aus.

 23 Jahre und kein Tag ohne Schmerzen, auch das ist mein Leben. Solang ich nicht anfange, drüber nachzudenken ob sie schlimmer / mehr werden, ist auch das tolerabel.

Ich bin auf Gedeih und Verderb meiner Personalabteilung ausgeliefert und kann nur hoffen dass die ausm Knick kommen.

Ich hatte / habe Zweifel. Ich hatte / habe Angst. Weil mich gerade die Behörden im Stich lassen, weil grad nichts von alledem nach dem (sporadischen) Plan läuft den ich mir zurecht gelegt habe.

Ich habe meinen Großeltern mein Versagen eingestanden. Ich musste Schulden machen bei meiner Schwester, ich hab wiedermal eine Beziehung in den Sand gesetzt. Wiedermal ein Backup-Leben verbraucht. Ich bin wieder bei 0. 

Das ist der Stand der Dinge, ungeschönt.

 

Und trotzdem.

Es ist schön wieder zuhause zu sein.

Es ist schön, sich willkommen zu fühlen. Liebgehabt. Wortlos.

Eingekuschelt in einen geschenkten Pullover, an dem Erinnerungen hängen. Der nach ihm riecht. Ein Geruch, den ich noch kenne aus Zeiten, bevor mein ganzes Leben über mir zusammengebrochen ist.

Die einzige Konstante meines Lebens.

Warm, weich, sicher. 

Das erste mal im Leben mitten in der Nacht durch die Wohnung tabbsen, im Dunkeln und unbewaffnet, und keine Angst haben. Nichtmal das Bedürfnis sich umzudrehen oder sofort das Licht anzuschalten.
Selbst nach einem Albtraum im Dunkeln aufwachen und keine Panikattacke haben.

Wissen, dass es hier jemanden gibt, der immer ein Auge auf dich haben wird. Dich immer beschützt. 

Wortlos, kommentarlos. Im Hintergrund. Einfach nur da, und zwar bevor es über deine Kräfte geht. Nicht erst, wenn du die ersten Ausfallerscheinungen zeigst.

 

Als ich mit meinem Opa telefoniert habe, sagte er (über Martin) "ich hab mich nur so gefreut weil ich dachte, du hast jetzt jemanden der sich gut um dich kümmert."

Da ist mir das erste Mal klar geworden, warum ich jetzt fühle wie ich mich fühle. Ich brauch keinen der sich "um mich kümmert". Ich brauch jemanden der mich lieb hat.

 

 

 

16.08.2012 um 22:27 Uhr

An den geschätzten Leser

von: Delanji

Ein Lebenszeichen ward gewünscht, und ja, ich glaube es ist an der Zeit die Worte wiederzufinden.

Gibt es doch jetzt nichtsmehr zu verlieren und nichtsmehr geheimzuhalten.

Zunächst nur zu Erklärung weshalb hier Ruhe eingekehrt war. Ich habe erfahren, dass hier wohl genau jene Menschen intuitiv auf meine Gedankengänge gestoßen sind, die eigentlich die letzten sind, denen ich Schwäche demonstrieren wollte.

Ich hab das zum ersten Mal in meinem Leben nicht als Angriff empfunden, auch wenn es mich für den Moment hat verstummen lassen. Auch wenn mir noch immer nicht behaglich dabei ist. Aber ich denke, vielleicht ist das garnicht die verkehrteste Art der Kommunikation.

Ich konnte schon immer Dinge gut verkaufen. Gut dozieren, auch gut Propaganda machen. Was ich nie konnte (und nie können werde) ist, über Dinge die mich beschäftigen / mich betreffen verbalisiert zu reden. Das ging immer nur in schriftlicher Form. Nur leider konnte ich diese Form nie zur Konfliktlösung für mich wählen, weil jedem Text eine "Unterhaltung" gefolgt wäre. Ich hasse "Unterhaltungen". Ich hasse "Wir müssen reden". Jedem gesprochenen Wort mit einem gegenüber folgen Gefühlsregungen, Rücksichtsnahme. Unkontrollierte, unlogische Emotionalitäten. Dinge, die einen dazu zwingen, vieles unausgesprochen zu lassen.

Wenn ich Dinge, die ich denke aus Angst nicht sagen kann, schweige ich lieber ganz. Wenn ich schreibe, kann ich fokussiert bleiben. Meistens jedenfalls.

Deshalb, lieber Mitleser. Fühl dich eingeladen, wenn du wissen willst was / wie / warum ich denke. Aber erwarte keine Diskussion darüber. Keine Rechtfertigungen. Und erwarte nicht dass dir die Dinge hier gefallen. Das hier ist mein Rückzugsort. Ich habe sonst keinen. Ich bin ungerecht, rücksichtslos und ich bin subjektiv. Ich hab in den letzten Monaten und Jahren einiges über mich gelernt. Auch, dass ich viele Dinge schlicht und ergreifend nichtmehr weiß. Verdrängung ist was schönes. Anscheinend ist es aber nicht der verkehrteste Weg: Immerhin bin ich die letzte, die noch steht...

 

Wenn du damit leben kannst, fühl dich willkommen. Ich hab dich lieb.