'Kindergarten' ist ein viel zu langes Wort für das Display eines Handys
Dinge, die die Welt nicht braucht: Außerreguläre Anrufe aus dem Kindergarten. Mein Display leuchtete auf, 'Kiga' blinkte es neurotisch auf und ab, apropos neurotisch, ich denke eigentlich tagsüber bei JEDEM Klingeln, dass es ein Notfall ist, aber irgendwie war es nie einer, deshalb wog ich mich in Sicherheit, PUSTEKUCHEN: Kiga, Kiga, Kiga, Kiga. Tüdelüüüdü, tüdelüüüdü, tüdelüüüdü-düüt.
Mit zitternden Fingern ging ich ran. Der gefürchtete Satz lautete: "Die Erdnuss hatte einen Unfall."
Bäh! Das will man nicht hören. Der freundliche Erzieher sprach weiter: "Nichts schlimmes. Eine Eisenstange..." (iiiiiiiiiiiiiiiiik) "auf den Fuß" (Puuuuuuuuuuuuuuuuuuuh!) "genauer der Zeh." (Pfüüüüüh!) "Sie weint und es blutet und es tut weh." (iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiik) "Am besten, Sie kommen gleich vorbei."
Fünf Minuten später: Die zitternde Erdnuss mit einem halb angelutschten Eis in der Hand, knallrotgeweinte Birne. "Me-me-me-MAMAAAAAAAAAAH!" Der Zeh war knallerot und aufgeschürft. Sah RICHTIG nach AUA aus. Unfall. ARbeitsunfall, um genau zu sein. Ja-ha. EIn Arbeitsunfall. Die Erdnuss arbeitet jeden Tag von 9-16 Uhr im Kindergarten. Sie arbeitet hart und will auch schon mal zwischendurch eine EIsenstange in die Erde rammen. Nur Arbeitsschuhe hatte sie nicht an. Scheiße. Schöne Scheiße. "Me-me-me-Mama? Ich will kein Eis." Oje. Dann isses ernst.
Jedenfalls haben wir jetzt wegen einem fies aufgeschürften Zeh sage und schreibe drei Stunden im Krankenhaus verbracht. Nach einer halben Stunde Wartezeit hört das Zittern und Weinen auf. DIe Erdnuss schaut sich um. Mit dem Rotz in der Nase verkündet sie: "Der Raum sieht aus, wie ein Badezimmer ohne Klo." "Ja, und die Badewanne fehlt." "Ja, aber ein Waschbecken ist da." "Genau."
Schweigen.
"Soll ich einen Witz erzählen?"
"Ja, den kann ich jetzt brauchen."
"Äh, kommt Fritzchen in einen Klorollenladen."
"Hahaha"
"Mama! Ich hab noch gar nicht angefangen."
"Doch. Und der Anfang ist schon mal lustig... "
"Mh?"
"Der Witz fängt gut an."
"Ach? Ja? Ja. Stimmt." Kichern. Endlich. Endlich wird wieder gekichert. Wir haben uns dann die Wartezeiten zwischen Röntgen, Wundesäubern, Wunde verbinden und Bericht für den Kinderarzt schreiben schön vertrieben. Zeitschriften haben wir durchgeguckt (Cate Blanchet ist eine schöne Frau, finden die Erdnuss und ich), Tierraten gespielt (der Papa musste natürlich 'Pupsfrosch' nehmen, hihihi), und ich hab die Erdnuss im Schreibtischstuhl des Chefarzt im Affenzahn um die Krankenliege drumrum gerollt (so viel zur Sorge um den Zeh.)
Nix gebrochen. Nagel noch dran. Wir durften nach Hause. Gingen über die Eisdiele. Zogen Vanille und Schokoeis ein. Jetzt isses wieder gut.
Aber wisst Ihr, was ich blöd finde? Genauer gesagt, absolute Scheiße? Dass nie die Wahrheit gesagt wird. "Soo. Jetzt machen wir den Hautfetzen ab, aber das tut gar nicht weh." HA! NATÜRLICH TAT ES WEH. ES TAT SOGAR BEIM HINGUCKEN WEH! "S, jetzt säubern wir die Wunde, aber das ist GAR NICHT schlimm." WAS? BITTE? Ihr schabt mit einem metallenem Gerät in der offenen WUnde meiner Tochter rum, die völlig außer sich gerät, und behauptet, es wäre nicht schlimm? NICHT SCHLIMM? HALLO? HALLO-HO? Wer hat den Schuss nicht gehört? Ich oder Ihr? Mh?
Aber das nur am Rande. Morgen reicht vielleicht schon ein Pflaster. Jetzt ist sie stolz auf den Verband.
Puuuuuh...
