"Bist Du glücklich?"
"Ja klar, welche Frau wäre nicht glücklich, wenn sie Vollzeit arbeiten gehen darf, danach in den Kindergarten rennt um den Kleinsten abzuholen.
Zwischen drin natürlich fürsorglich für die ganze Familie kocht. Dem Mann in der Früh die Brote richtet, weil er sonst maulig wird. Den Kinder Morgen für Morgen die selbe Schallplatte abspult: geht bitte ins Bad, putzt Euch bitte die Zähne, habt Ihr eure Schulbrote schon fertig, räumst Du bitte Deinen Schlafanzug ins Bett, lüftest Du bitte Dein Zimmer usw.
Natürlich ist eine Frau mit einem solchen Leben glücklich. Sie darf fast den ganzen Haushalt alleine schmeißen - für die groben Arbeiten hab ich ja ne Putzfrau. Wäsche, tägliche Reinigungsarbeiten, Hausaufgaben der Große und Unterhaltung des Jüngsten sind doch pure Erholung.
Ganz zu schweigen von den allabendlichen Aufräumarbeiten, wenn die Kinder endlich im Bett sind. Natürlich ist man glücklich, wenn man so ein erfülltes Leben führen darf!"
Sag ich so was laut? Nein, natürlich nicht. Denn das würde nur wieder zu endlosen Diskussionen führen, dass er dafür das Auto betankt und nach dem Öl schaut, oder das Auto in die Werkstatt fährt wenn was kaputt ist. Und Einkaufen geht er schließlich auch mit. Und in der Früh bringt er den Kleinen in den Kindergarten. Ist doch alles gerecht verteilt, oder?
Dieses "gerecht verteilt" lässt mich sehr nachdenklich werden. Denn daran sieht man, was er für eine Wertschätzung für die Arbeit einer voll berufstätigen Hausfrau/Mutter hat. Er sieht scheinbar nicht, was in diesem Haushalt alles anfällt. Nee, warum auch, wenn zu viel rumliegt motzt man eben mal und die Alte rennt und macht alles weg, aus Angst, dass er noch mehr rummault, oder gar die Kinder anhält die Arbeiten zu erledigen.
Also schufte ich Tag für Tag und er wundert sich Samstags früh, warum ich nicht eine Stunde entspannt im Bett liegen kann. Ich kann nicht mehr entspannten. Ich bin ständig angespannt und hab den Kopf voll mit Dingen, die noch erledigt werden müssen.
Fühle mich ständig überfordert und müde. Finde keine Ruhe mehr. Kleinigkeiten nerven mich. Immer wieder kommen mir einfach so die Tränen. Ich kann mich an nichts mehr erfreuen.
Hab ich so ein Leben gewollt? Natürlich nicht, aber ich finde kein Anderes.
Immer wieder sagt er, dass er meine ehrliche Meinung hören will, dass ihm etwas daran liegt. Aber wenn ich sie dann sage, fangen diese endlosen Diskussionen wieder an. Dann bringt er gegen jedes Argument das ich habe 4 Gegenargumente. Ich habe nicht die Kraft für solche Gespräche. Also stimme ich ihm meistens zu. Dann ist Ruhe.
Ich glaube, dass nennt man Resignation. So war es bei meinen Eltern auch. Mein Vater fing an zu schreien und meine Mutter war still. Hab ich dieses Verhalten übernommen? Weil ich nie gelernt habe, dass es etwas anders gibt?
Ich vermute es fast, auch wenn ich es nicht wahrhaben will. Ich denke auch, dass ich es nicht ändern kann, denn mir fällt kein Weg ein diesen Weg zu verlassen....