jung und desillusioniert - reloaded

13.06.2016 um 16:05 Uhr

Alles hat einen Anfang nur die Wurst hat keinen

„...gleichweit vom Genuss wie von der Gleichgültigkeit entfernt“ –M. Houellebecq

ich habe meinen schriftstellerischen Auftrag in letzter Zeit vernachlässigt. So habe ich eigentlich jeden Blogpost der letzten 4 Jahre begonnen. Heute fange ich damit an, Ihnen zu beschreiben, wie mein Tag zu beginnen begonnen hat (aha): Ich wachte (wuch?) auf, um mich in einem verregneten Berlin wiederzufinden, in das mich das mecklenburgische Malchow ausgespuckt hat, das ich am Wochenende in all seiner randvoll mit Früchteeisbechern gefüllten Trostlosigkeit erblicken durfte. Sodann horchte ich tief in mein kolumnistisches Innres und entschied, dass dieses heute nicht zur Arbeit geeignet sei, geschweige denn auf den Kontakt mit anderen Menschen entsprechend vorbereitet. Ich versuchte mich also eine Zeit lang mit dem, was arbeitsscheue Hipster wortfärberisch „Homeoffice“ nennen – klappte den Rechner auf, stellte eine VPN Verbindung mit meinem virtuellen Arbeitsplatz her. Dann musste ich selbstverständlich kurz die Bude auf halb acht drehen – kann sich ja kein Mensch im Beisein trocknender Wäsche konzentrieren – schrieb einen gepfefferten Vierzeiler in meine in der Entstehung begriffene wissenschaftliche Veröffentlichung und klappte den Rechner wieder zu. Kurz überlegte ich den Selbstmord mit Chiasamen – ließ dann allerdings die Vernunft siegen und bedankte mich beim europäischen Regelrichtwerk für Nahrungsmittelkennzeichnung, dass es mein Getreideprodukt mit einem entsprechenden Warnhinweis versehen hatte, nicht mehr als 15g pro Tag zu verzehren. Ich habe leider bis jetzt nicht herausfinden können, was bestenfalls (Rauschzustand?) oder schlechtestenfalls (Psychiatrie?) passieren würde. Nachdem ich also dem goldenen Schuss sozusagen von der Ab-schuss-rampe gesprungen war, besser: als ich also von der goldenen Rampe gesprungen war, entschied ich mich für einen Nachmittag in der Bibliothek. Kurz pausierte mein Ringfinger über dem Umlaut. Sagt noch jemand Bücherei? Wörter mit –ei am Ende klingen so aufklauberisch, so anmaßend, so vereinnahmend. Und auch ein bisschen abschätzig. Doch was soll die Abschweiferei! Mit einem bezaubernden Blick auf die Commerzbank am Frankfurter Tor blogge ich nun vor mich hin und kann so der Trägheit dieses Tages ja vielleicht noch mal ein Schnippchen schlagen. In dieser jenen Buchverleihanstalt fand ich dann jedenfalls einen Gedichtband von Michel Houellebecq – den meisten unter Ihnen sicher bekannt durch seine geniale Schöpfung „Elementarteilchen“ – die sich passend zu meiner herbstlichen Stimmung „Suche nach Glück“ nennt. Die Bibliothekscafeteria bietet zu dieser Lektüre mit Sicherheit die passenden Getränke – Chiaminztee vielleicht? Leben am Limit. 





+++ Auch 2016 ohne ein Wort über Fußball. +++

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenSweetFreedom schreibt am 13.06.2016 um 17:18 Uhr:Hahaha...
    Hi! Genau, 15 g Chia maximal. Ich schätze, sonst gibt's Darmverschluß oder solche netten Dinge. Hmm... bei mir schon bei unter 15 g genau das Gegenteil - tschüß, Superfood! Süßkartoffeln kann ich persönlich auch nicht empfehlen. Is' mir schlecht! Da hat wohl jemand nicht gut genug das Kochwasser abgekippt? Oder gar mal in die rohe Kartoffel gebissen? Gefährlich, das gesunde Essen! ;-)

    Ich las, beim Brexit kämen demnächst genauso viele Leute neu nach FFM wie da jetzt schon arbeiten. Weiß nicht genau, ob das so toll wäre. Wo wohnten die dann? Hätt' jetzt fast gesagt, auf Booten auf'm Main, aber kein Wort über "Flüchtlinge" von mir hier. Gut, daß Du nichts zum Fußball geschrieben hast. Ich sag ich nicht, daß ich froh bin, wenn die Fähnchen- und Hupzeit wieder 'rum ist. In der Nachbarschaft wollte man(n), also konkurrierende Fans vorgestern mit der Bierflasche in der Hand den Gegner mal gepflegt auf die Ersatzbank schicken. :-( Das Publikum spielte Schiedsrichter, stressig war's aber trotzdem.
    Liebe Grüße
    S.F.
  2. zitierenKuhmilchrockt schreibt am 13.06.2016 um 22:55 Uhr:Vielen Dank für Ihre ergötzlichen Ergüsse und die Ernährungsberatung! Ich unterstütze ja jegliche Verarbeitung von Superfood in der Massentierhaltung! Fußballfans zu Würsten, oder wie war das?!

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