Anleitung zum Entlieben

15.03.2006 um 23:44 Uhr

Lernen von 119

von: Lapared

Seit Montagmorgen herrscht Funkstille. Die Botschaft ist, so scheint es, angekommen. Ein Viertel Jahrhundert bedächtiger, empathischer, mit größter Sorgfalt vorgetragener Beziehungskritik für den Arsch, was wirkt sind 200 Dezibel. Wie ordinär ist die Welt.

Dass ich mich melden soll, wenn ich wieder zu reden bereit wäre, war das Letzte, das durch mein eigenes Brüllen hindurch zu mir drang. Und Hilflosigkeit, wenn ich mich recht entsinne. Das hatte er von einer Jungfrau nicht erwartet, eigentlich ist ER der Löwe, astrologisch gesehen.

Ich würde mich ja melden. Aber ein bisschen graut mir vor dem, was mich dann überfluten wird. Drei Tage alte, angestaute Gedanken, Vorsätze, Versprechen. Und vor allem: der amateurtherapeutisch einfühlsam und „für den anderen annehmbar“ in diversen Versionen unterschiedlichster Länge vorformulierte Vorwurf, eine ganz blöde Sau zu sein. Und ich weiß, mit jedem Tag, den ich verstreiche lasse, sammelt sich jenseits der Staumauer mehr von dieser Brühe.

Woher ich das alles so genau weiß? Weil es eben nicht allzu lang her ist, dass ich selbst diesseits der Staumauer saß. Und ein gewisser 119 davor, genau da, wo ich jetzt sitze. Müde, konfliktscheu und auf ein Bad in dieser Brühe genauso versessen wie heute eine gewisse Lapared. Und meistens hat ER es tatsächlich geschafft, dem zu entgehen. Wie? Hier die drei goldenen Regeln. Plus Notfallregel.

Lernen von 119 oder: Wie man der Staubrühe entgeht

1) Melde Dich besser erst in Phase III!
Denn: In Phase I (Tag 1 und 2 nach dem Eklat) ist der Andere noch wütend, es bricht sofort aus ihm heraus. In Phase II (Tag 3 und 4) ist er verzweifelt, auch dann ist immer noch mit Ausbrüchen zu rechnen. In Phase III (Tag 5 bis 10) geht die Verzweiflung langsam über in Erschöpfung und Demut - der ideale Zeitpunkt für eine gefahrlose Kontakaufnahme. Dein Noch-Partner ist so froh, dass Du Dich überhaupt meldest, er schluckt die Brühe einfach runter.

2) Achtung: Phase III endet zuweilen jäh!
Wenn Du länger als zwei bis drei Wochen wartest, bevor Du Dich meldest, besteht zunehmend Gefahr, dass jenseits der Staumauer niemand mehr sitzt. Durch Späher (Freundinnen, Kollegen) regelmäßig prüfen lassen.

3) Bei Kontaktaufnahme: Heiterkeit!
Wenn Du nach Tagen den Kontakt wieder aufnimmst, gebe durch eine offensiv heitere bis agressiv lapidare Eröffnung einen Staubrühe-abweisenden Gesprächston vor. Geeignet sind Sätze wie: „Wie geht´s, wie stet´s?“ oder „Hi, wie läuft das Werberleben*?“ (*Studentenleben, Sachbearbeiterleben etc.) oder auch Klassiker wie „Und, was macht die Kunst?“ Der Andere, sofern nicht völlig dämlich, wird einsehen, dass seine Staubrühe, so er sie abließe, an Dir abperlen würde.

NOTFALLREGEL
Bei Unwirksamkeit von Regel 1) bis 3): Schweigen!
Sollte es trotz Beachtung der drei goldenen Regeln dennoch zum unkontrollierten Austreten von Staubrühe seitens Deines Noch-Partners kommen, ist jedes Antworten umgehend einzustellen! Stattdessen Antwortattrappen vorschieben wie „Ich weiß es doch auch nicht!“, „Was soll ich dazu sagen...“ oder „Du hast ja Recht!“.

Tja,119chen, da siehste mal, am Ende muss ich mich noch bedanken. Denn diese Staubrühe, egal wie laut oder leise, annehmbar oder verletzend, selbstkasteiend oder vorwurfsvoll sie im Einzelfall ausfallen mag, ist nach so einem Tag wie dem heutigen einfach zu ätzend. Und das Wissen, wie man ihr entkommt, ist von unschätzbarem Wert. Danke.

Danke vor allem aber für jedes einzelne Mal, bei dem Du die Regeln über Bord geworfen hast. Bei dem Du den Po zusammengekniffen und Dich der ätzenden Brühe gestellt hast. Bevor Phase III erreicht war.

Das tue ich jetzt nämlich auch...

15.03.2006 um 15:32 Uhr

Curd Rock - enpört

von: Lapared

Heits das etwa, Milliömem Memschem kömmen Curd Rokc jtez NIHCT schreibem, wie famtastisch er mit seim neu Jeams-Sturzheln aussieht? Das ist eim eim eim... SKAMDAL!

Curdchen, nun beruhige Dich doch, gerade habe ich gelesen... die Kommentarfunktion wird wieder heile gemacht. Bald werden Dir – wie Du es gewohnt bist – die „Milliömem“ wieder schreiben.

Ich bötte darun. Los jetz!

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15.03.2006 um 13:29 Uhr

Und neue Kommentare erscheinen einfach nicht...

von: Lapared

Obwohl die Kommentarfunktion eingeschaltet ist. So was.

Dies nur um klarzustellen, dass das Verschwinden der Kommentare keine Reaktion darauf ist, dass die letzte Bemerkung eines Lesers meinen Verzicht aufs Kochen als "billiges Klischee" bezeichnete und deshalb meine Echtheit bezweifelte, was natürlich nicht sehr nett war, liebe glimmerbox, aber gerade noch auszuhalten. Mit einer weiteren Knorr-Snackbox Nudeln in Pilz-Rahm-Soße als Trost... Und vielleicht einem neuen Paar Stiefelchen, das ich mir jetzt in der Mittagspause eigentlich kaufen könnte, um für ein paar hundert Euro noch ein weiteres billiges Großstadtwerberinnenklischee zu bedienen. Damit habe ich nämlich gar kein Problem, höm.

Jedenfalls, ich war´s nicht.

15.03.2006 um 12:49 Uhr

Kommentare weg

von: Lapared

Alle. Warum weiß ich nicht, ich hab nichts gemacht...