Anleitung zum Entlieben

29.03.2006 um 23:00 Uhr

Weihnachtsstimmung

von: Lapared

Ein bisschen ist es so wie kurz vor den Weihnachtsferien. Wenn die Maschinen zum Ende des Jahres von irgendeiner Macht, die größer ist als man selbst, schon langsam runtergefahren werden, obwohl man eigentlich noch mal richtig Gas geben müsste, eigentlich, aber irgendwie geht es nicht, es geht einfach nicht mehr, und mit Willen ist da nichts zu machen. Olli hat übrigens einen Namen für die Macht. Er nennt sie Faulheit.

„Mann, sind wir Luschen.“ Nach einer längeren Periode des Schweigens, in der unsere Gehirne mitten im Endkampf stehend eingeschlafen sind und unsere letzten Funken Ehrgeiz selbstversunken in der Nase bohren, nimmt Olli gähnend wie ein müder, alter Löwe den Dialog wieder auf. Ich nicke zum Zeichen, dass ich ihn höre, und ein paar Minuten schwebt diese erschütternde Feststellung folgenlos im Raum. „Also, wo waren wir gerade...?“ antworte ich irgendwann und schalte nach diesem Akt tobender Dynamik sofort wieder zurück in den kognitiven Leerlauf. „Wir haben überlegt, was man da machen könnte...“ antwortet Olli kaum, dass eine Stunde vergangen ist. „Ja, was kann man da machen... was kann man da machen?“ Von draußen klingen die Stimmen der Kinder, sie versuchen sich in Witzigkeiten, während sie in der Teeküche für einen Espresso anstehen. Um sechs wird die Maschine ausgestellt, wer jetzt keinen mehr kriegt, muss ohne Wachhalter durch die Nacht, und die wird wieder mal lang, aber die Kinder finden das toll irgendwie. Scherzend ziehen sie zurück ins Atelier vor ihre großen teuren Grafikrechner. Es wird still. Leise summen unsere kleinen noch teureren Freelancer-Laptops. „Mann, sind wir Luschen!“

DAS nennt man übrigens „rocken“.

29.03.2006 um 13:40 Uhr

Curd vam Rcok – beshcört Kumstskamdal

von: Lapared

Milliömen Memshcne habem nir geschriebem umd gesagt, Curd van Rock, Meister, bötte sage ums, was Du als nähstes schaffem wirst, wir haltem die Spammung nicht nerh aus.

Num...

ER, curd vam Rcoh, hat mit eim Zyklus vom Heiligembilderchem begommen. Jeder große Neister hat Heilige gemalt. Ich begimme mit eim Bild vom Jumgfrua Maria. Bbei Heiligembildchem bemutz mam immer umbedimgt viel Gold, gcuk...

Image Hosted by ImageShack.us
(„Jumghrauu Maria“, Crud van Rock 2006)

Bestinnt wollem jetzt wieder Milliömchen wiisem, ob sie das schöme Bildchem kaufem können. Hm. . . Natürlich fällt nir besomders schwer mich zu tremmen. Ich meime, das ist nicht irgemdeim janes Deam, das ist eim heilig Jumgfrau...

Image Hosted by ImageShack.us

Na gut... ich nuss auch am meim treu Sammler demken....

Image Hosted by ImageShack.us
(Pries:1 000000000000 0 0Euro, eim bisschem tuerer wegem den viel Gold..)

... umd an eim klein Villa mit vielem Garage für all meim Mercedes...

29.03.2006 um 00:02 Uhr

Ein Ogcocephalus darwini bei Starbucks

von: Lapared

Wenn man sich - wie unlängst - zufällig trifft, ist es etwas ganz anderes. Man ist so hektisch damit beschäftigt, die verfluchten Manuskripte wiederzufinden, die man im Kopf irgendwo unter „Texte für zufälliges Wiedersehen“ abgelegt hat, nur wo, wo, wo verdammt? Wenn man sie endlich gefunden hat, ist es mehr als genug, sich aus dem Stand für eine der 211 Versionen von „peppig/keck“ bis von „Sex und Alkohol zerstört“ zu entscheiden, weil natürlich jede ihre Stärken hat. Und in dem ganzen Stress hat man beim besten Willen keinen Kopf dafür, ihn anzusehen, ihn wieder zu erkennen, seine Augen, seine Zähne, seine Haare, und zuzuhören, was er eigentlich sagt. Man ärgert sich vielleicht noch, dass man morgens zu faul war, die Wimpern zu tuschen. Oder überlegt, wo es in der Nähe ein Etablissment gibt, dessen schlechte Beleuchtung die aufziehende grün-graue Gesichtsfarbe kompensiert. Man ist so damit beschäftigt, seine Gefühle zu verbergen, dass man vor Anstrengung keine hat. Und wenn man gerade so weit ist, wenn man die primären Schocksymptome überwunden hat und wieder atmen, zuhören, sprechen und einigermaßen denken kann... dann sieht man, wie er zum Abschied winkt und geht. Dann ist es plötzlich schon vorbei.

Ganz anders, wenn man ihn zufällig sieht, nur sieht. Wenn man bei Starbucks hinter der Scheibe steht und seinen Latte dingsbums trinkt, und er geht plötzlich vorbei, so nah, dass man beinahe nach ihm greifen könnte, wenn da nicht diese Scheibe wäre, geht einfach, geht, unterhält sich mit einem Kollegen, geht, lacht, redet, blinzelt, lebt... ohne dich. Und man fühlt sich wie ein Fisch in einem Aquarium, ein Fisch, der in einem früheren Leben ein Mensch war, und draußen schlendert lächelnd jener andere Mensch vorbei, dessen Gesicht man schon hielt, geht mit einem neuen Menschen und einem neuen Leben und dem alten Schal, dem man ihm zu Weihnachten geschenkt hat, lacht und spricht und steuert zu den blöde grinsenden Delphinen. Und schaut nicht mal rüber zu dem Fisch. Dem Flossentier, das einst seine Hand in seiner Tasche wärmte, bevor es, vielleicht weil es als Mensch notorischer Falschparker war oder Sportartikelmilliardär, der T-Shirts zu Billigstlöhnen von Kinder nähen ließ, nach seinem tragischen Unfall als Ogcocephalus darwini wiedergeboren wurde, der hässlichsten aller Seefledermausarten, die nicht mal richtig schwimmen kann, sondern nur unbeholfen über den Bodengrund watscheln, wofür es jetzt von den fettleibigen Prollgören asiger Auqariumsbesucher, die ihre schmierigen Pommesfingerchen an die Aquariumsscheibe drücken, quäkend verlacht wird. Das arme Flossentier.

Wenn man nicht mit ihm spricht, sondern ihn einfach nur sieht wie er da draußen vorbeigeht, dann findet man alles ganz schnell wieder. Dann ist alles plötzlich wieder da.

Zeit, endlich mal gründlich auszumisten.

Image Hosted by ImageShack.us
(Abb.: Ogcocephalus darwini, Ex-Sportartikelmilliardär)

P.S. Von Curd Rock (2004* - ) soll ich ausrichten: Er zieht sich schaffensbedingt mal ein klein wenig zurück. Und bereitet seine große Ausstellung vor. „Curd van Rock – die frühen Jahre“. Man sieht sich bei der Vernissage.