Anleitung zum Entlieben

19.07.2006 um 23:29 Uhr

P.S.

von: Lapared

Eben bin ich nach Hause gekommen. Er baut Regale, er putzt, er kocht... er strengt sich mindestens so an wie ich. Mindestens.

19.07.2006 um 22:55 Uhr

Rudi-Bonus

von: Lapared

Mit seiner Halskrankheit stößt D. punktgenau in das gewaltige Sympathie-Vakuum, das Silberpüdelchen Rudi Carrells Tod in unserem Land hinterlassen hat. Ich sehe also beste Chancen für sein berufliches Fortkommen. Ich wünschte nur, er hätte eine Fernsehshow. Aber statt volksnaher Unterhaltung verkauft er sehr besondere, sehr schöne, sehr sauteure Stühle. Und das, wie man sich denken kann, alles andere als am laufenden Band. Schon im Tulpenland florierte das Geschäft nicht eben, aber dort lag es eher an dem sehr gelassenen Vertrieb. Nötig hatte er es ja nicht. Hier jedoch sind die Widerstände keineswegs motivationaler Struktur. Blei im Arsch ist gerade nicht sein Problem.

Dick braucht meine Hilfe. Er strampelt sich ab, er versucht es, aber ich müsste ihm zumindest Türen öffnen, Kontakte machen, helfen, emails und Briefe zu schreiben. Schließlich ist Deutsch nicht seine Sprache und schriftlich, auf dem Papier, hat sein holländischer Akzent selbst im Land des Rudi Carrell nur noch den Charme von Legasthenie. Ohne meine Unterstützung klappt es nicht. Ohne meine Unterstützung strampelt er ins Leere. Oder, wie heute, aus Langeweile auf seinem Rädchen ins Freibad, wo er dann Stunden schwimmt wie ein Verrückter, um wenigstens ein Mal am Tag das Gefühl zu haben, durch Anstrengung weiterzukommen. Ich müsste ihn jetzt unterstützen, aber wie denn? Wann? Ich sitze immer noch in der Agentur.

„Och, andererseits gab es sicher unangenehmere Orte, um den heutigen Tag zu verbringen, als das Freibad...“, höre ich meine Schwester im Geiste sagen. „…nicht klimatisierte Agenturräume, klimatisierte Agenturräume, Räume mit erhöhtem Arbeitsaufkommen schlechthin“. – „Sei still!“, sage ich zu ihr, „Du bist boshaft!“

Er würde wirklich gern, er versucht es, verzweifelt, er tut, was er kann.

Und ich muss mich wirklich hüten, ihm in meiner zackigen, selbstgerechten Karrieretussengereizheit nicht Unrecht zu tun.