Anleitung zum Entlieben

15.08.2006 um 23:09 Uhr

Die Zeiten ändern sich

von: Lapared

Nach meinen jüngsten Erlebnissen wäre ich ganz sicher die Letzte, die ein frühzeitiges Inkenntnissetzen darüber, dass Mann vergeben ist, nicht zu schätzen wüsste. Aber SO früh? Nachdem ich bei Dick und seiner legendären 7 Monatsmarke wahrscheinlich an einen der tendenziell späteren Ehebekenner geraten war, habe ich heute einen Mann aus dem Spitzenfeld kennengelernt. Drei Minuten. Drei Minuten im Wartezimmer von unserem guten alten Bekannten Dr. Gellerhaupt. (Absatz) Überhaupt schien er von der schnellen Truppe. Er hatte noch nicht die Jacke aus, schon eröffnete er mit einem echten Wartezimmerklassiker: „Haben wir das letzte Mal nicht auch zusammen gewartet?“ – „Ich bin zum ersten Mal hier!“ vermassel ich ihm die Parade und hoffe, dass Gellerhäuptchen, der die herzliche Geste pflegt, seine Patienten - zumindest die privaten - persönlich vom Wartezimmer ins Sprechzimmer zu geleiten, mich diesmal nicht mit „Sie haben aber abgenommen!“ begrüßt. So sehr ich ihn sonst dafür vergöttere. „Sie waren wirklich noch nie hier?“ hakt der Ankömmling nach und setzt sich direkt neben mich, obwohl das ganze Wartezimmer leer ist. „Ich bin nur zu Besuch!“ will ich eventuelle Absichten umgehend im Keim ersticken, zögere aber, weil ich in dem Moment feststelle, wie angenehm er riecht. „Ich bin nie krank“, signalisiere ich stattdessen Fortpflanzungstauglichkeit (nicht bewusst, aber die von mir so geschätzte Tiefenpsychologie würde es sicher so deuten). Prompt sieht der gut riechende Mann sich genötigt festzustellen: „Ich bin verheiratet!“ Nach nicht mal drei Minuten. „Und Sie glauben, dass Dr. Gellermann Ihnen da helfen kann?“ frage ich bissig und finde mich nur noch bedauernswert, da ich offenbar so viel Verzweiflung verströme, dass ein Mann mir nach 180 Sekunden eine solche Mitteilung macht. „Nein“, stottert er, „ich weiß auch nicht, warum ich das gesagt habe… eigentlich wollte ich Sie zu einem Kaffee einladen, aber... ich dachte, ich sage besser, dass ich verheiratet bin!“ – „Warum? Wollten Sie mir den Kaffee ans Bett bringen?“ frage ich. Ich meine, was soll denn das? “Ah, da ist ja meine Lieblingshypertonie!“ trompetet Gellerhäuptchen über den Flur. Dann doch lieber: Sie haben aber abgenommen. Scheißtag. „Haben Sie´s gehört?“ sage ich, „Der Arzt meint, ich habe Bluthochdruck! Ich fürchte, das wird nix mit Kaffee!“ (Absatz) Von 7 Monaten auf 180 Sekunden, Gott, wie weit bin ich gesunken!