Anleitung zum Entlieben

05.09.2006 um 22:20 Uhr

Mein neuer Freund Schneider

von: Lapared

Und das war erst der Anfang.

Still betrachtete ich mein Powerbook und wünschte, es hätte Mundgeruch. Oder Haarausfall. Oder irgendeine andere dieser kleinen Schwächen, die alles auszeichnet, was eigenen Willen hat. Willen, den man modifizieren kann, indem man zum Beispiel na los du verficktes* Scheißteil schreit… oder drauf haut… oder dicke Kullertränen weint, denn all das habe ich vergangene Nacht wiederholt getan. Erfolglos, denn mein Powerbook haart nicht. Es wollte nichts. Es funktionierte einfach nicht. Nur so.

Und ich musste doch bis morgens noch fünf Filmskripts schreiben!

Auch das beeindruckte verficktes* Scheißteil nicht.

Ich rief alle Freunde und Bekannten an, die einen Rechner haben. Und war erleichtert zu hören, dass er auf Elba schönes Wetter hat. Und ein Frühstücksbuffett mit Kellogg's Honey Loops, ein Glück.

In dieser Nacht begriff ich viel, sehr viel. Ich begriff den Wert von Gesellschaft. Ich sah ein, dass es nicht gut ist, so alleine da zu stehen. Und ich fasste einen Entschluss.

Verficktes* Scheißteil, sagte ich, Du wirst ab sofort geselliger! Warum alles alleine machen, hm? Ein zweiter Rechner kommt ins Haus...

Ob Du willst oder nicht!

Ich selbst fand übrigens auch einen neuen Freund: Schneider. Ein verdammt guter, zuverlässiger schwarzer Kugelschreiber. Leider unbehaart.


*gewidmet einem meiner besonders treuen Leser.