Anleitung zum Entlieben

15.09.2006 um 23:44 Uhr

Lapared goes Gesellschaftslöwe

von: Lapared

Obwohl ich aufgrund der Aufgeschlossenheit und des Liebreizes meines Wesens normalerweise eher der Typ bin, der mit eingebildeten Freunden spielt, habe auch ich einige hartnäckige Sympathisanten in der realen Welt, die es mit viel Geduld und Ausdauer schaffen, dass ich ihnen gegenüber eine gewisse Zutraulichkeit entwickle. Und bei denen ich, wenn sie mal mit mir was trinken gehen wollen, spätestens beim dreißigsten Anruf einfach spontan ja sage. Meine liebe alte Freundin Frau D. gehört zu diesen Unerschütterlichen und gestern Abend in einer ausgewogenen Mischung aus Quarkflucht und sozialem Anflug war es so weit. Wir gingen also einen Trinken.

Frau D. ist einer dieser seltenen und absolut unglaublichen Menschen, in deren Gegenwart man nach mindestens zwanzig Minuten das berauschende Gefühl hat, dass das Leben eigentlich ganz einfach ist. Denn im Gegensatz zu mir, in deren Gegenwart man spätestens nach drei Minuten das berauschende Gefühl hat, dass das Leben ganz einfach scheiße ist, ist Frau D. im praktischen Angang und Regeln von Dingen außerordentlich begabt. Mit dezenter und effektiver Tatkraft ebenso gesegnet wie mit Intelligenz und Charme. In meiner Phantasie sehe ich sie häufig als Concierge eines vornehmen alten fünf-Sterne Schuppens an der Upper East Side, wo sie mit verständnisvollem Nicken und gleichmäßiger Geduld jedem Klagen ihrer Gäste lauscht und Sätze ruhig und freundlich mit „No problem“ beginnt. „In meinem Früchtekorb ist keine westchilenische Zwergpapaya!“ No problem... „In meiner Badewanne schwimmt eine nackte, blonde Damenleiche!“ No problem… Und auch ich hatte nach einem Abend mit Frau D. auf wundersame Weise nahezu keine schwerwiegenden Probleme mehr. Geschissen auf den Quark. Ganz fast ohne Alkohol. Und beschloss: Ab morgen werde ich ein geselligerer Mensch. Ab morgen sage ich spätestens beim neunundzwanzigsten Anruf einfach spontan ja. Spätestens.

Ein kleiner Schritt...