Anleitung zum Entlieben

12.11.2006 um 19:42 Uhr

Ein Skandal!

von: Lapared

Gerade als ich mich zu fragen begann, was macht eigentlich Tom Hanks, fiel mir in der Videothek der Da Vinci Code in die Hände. Und da ich das Buch, wahrscheinlich als einziger auf der Welt, nie gelesen habe (ich lese nicht), erfreute ich mich heute Morgen, beim gemütlichen Ansteppen (Anschauen und dabei Steppen) des Filmes, zum ersten Mal des Charmes der These, dass Jesus Ehegatte und fröhlich zeugender Papa war. Und diese ganze Verteufelung der Lust und der Weiblichkeit eine Erfindung von ein paar alten machtgeilen Böcken in Kirchenkutten, die unter dem Deckmäntelchen der Nächstenliebe die halbe Menschheit in Schuldgefühle darüber stürzte, dass sie tut, was menschlich ist. Um aus deren Angst und Seelennöten Profit zu schlagen und fette Immobilien, so genannte Gotteshäuser, zu schachern. Ebenso wie heute die Werbung der Menschheit einredet, dass sie Elektrozahnbürsten, Joghurt mit Bazillen oder Offroadwagen braucht, ebenso wie Unternehmen Bedürfnisse schaffen, die eigentlich keiner hat, um Dinge zu verkaufen, die eigentlich niemand braucht, genauso erfand die katholische Kirche die Schuld durch das Empfinden von Lust, um möglich vielen zu verkaufen, was eigentlich niemand dafür nötig hat: Vergebung. Ein Artikel, den sie ohne dieses ganze Theater um den Sex höchstens ein paar Kriminellen hätten andrehen können. Welch ungleich kleinere Zielgruppe. Welch ungleich kleinere Nachfrage. Welch ungleich geringerer Profit. Aber so, dank der Denunziation des Geschlechtsakts, ein absoluter Verkaufsschlager, etwas, was nahezu jeder zu brauchen glaubte. Hach. Endlich finde ich Zugang zur Kirche. Endlich neige auch ich voller Demut mein Haupt. Chapeau, Jungs. Die erfolgreichste Werbeidee der Menschheitsgeschichte darf sich eindeutig der Katholizismus auf die Fahnen schreiben. Und keinen Cannes-Löwen, keinen ADC-Nagel, nicht mal einen Effie - ein Skandal!

(Die Fortsetzung über meine wahren Gefühle für Schrott, die Mörderkrabbe, verschiebt sich wegen aktueller Empörung auf morgen...)

11.11.2006 um 21:15 Uhr

Die Hummerkrabbe Schrott

von: Lapared

„Als Chef oder als... WAS?“ schnaubt Olli, „sag mal, Lpunkt, bist Du bekloppt, pervers oder extrem depriviert?“ – „Ich weiß auch nicht…“ - „Der denkt doch, Du willst ihn verarschen!“ – „Scheiße.“ – „Wieso hast Du das gesagt?“ – „Keine Ahnung, ist mir so rausgerutscht!“ – „Rausgerutscht? Dir rutscht sonst nie was raus und ausgerechnet bei dem!“ – „Ich hatte nicht geschlafen…“ – „Und was hat er gesagt?“ – „Nichts.“ – „Wie nichts? Du fragst: als Chef oder Mann und er sagt NICHTS?“ – „Als Krabbe.“ – „Als Krabbe?“ – „Als Hummerkrabbe.“ – „Wart Ihr beide besoffen?“ – „Was sollte er denn anderes sagen?“ – „Du hast Recht, als Hummerkrabbe, das hätte wohl jeder in der Situation gesagt.“ – „Nein, jeder andere hätte den Kopf leicht schräg gelegt, die Stimme gesenkt und zurückgefragt: Was wäre Dir denn lieber, Lapared? Zwinker, zwinker. Und dann hätte ich mit dem Arsch in der Tinte gesessen. Wir hätten beide mit dem Arsch in der Tinte gesessen. Weil ich ihn durch eine Antwort entweder angemacht oder beleidigt hätte, und danach hätte er mich nicht mehr einstellen können, was er ja eigentlich gerne möchte. Und das alles hat seine geile Gehirnmaschine nämlich ganz schnell voraus berechnet, und da hat er lieber irgendeinen Quatsch gesagt!“ – „Hummerkrabbe.“ – „Ja, Hummerkrabbe.“ - „Ich fass es nicht, Du verteidigst ihn!“ – „Tu ich nicht, ich sage nur, er hätte mich in die Enge treiben können, aber er hat es nicht getan.“ – „Lpunkt steht auf Schrott!“ Fröbe hieß in seiner Kindermörderrolle Schrott, der Vergleich stammt natürlich von Olli, „LPUNKT STEHT AUF SCHROTT!!!“ und Olli – mit seiner geradezu pathologischen Lust am Verbreiten von selbst erdachten Gerüchten – wird dafür sorgen, dass der Schwachsinn schön die Runde macht.

Aber ist es Schwachsinn?

(Fortsetzung folgt. Lpunkt muss darüber nachdenken…)

10.11.2006 um 22:03 Uhr

Doppelter Idiot zum Frühstück

von: Lapared

Heute morgen stehe ich mit Chef im Lift. Chef von Agentur. „Ich würde gerne mal mit Dir Essen gehen“. Ich weiß, warum, er versucht seit Jahren, Olli und mich, wie man so sagt, an Bord zu holen. „Lass gut sein“, hätte ich sagen können, „ich esse nicht und außerdem heuern wir nicht an“. Aber ich habe einen Clown gefrühstückt. Jedenfalls schaue ich ihn schräg von unten an und hauche: „Als Chef oder als Mann?“ Einen Clown oder einen Idioten.

Man muss dazu sagen, er ist ein wirklich bemerkenswerter Mann. Er ist in einer Weise hässlich, hässlich, die fast schon wieder schön ist. In seinem Gesicht stimmt nichts, wenn man es als Gesicht sieht, sonst wäre es perfekt. Man will nicht, wirklich nicht, aber man muss immer wieder hinsehen, ein Gesicht wie ein Autounfall. Dagegen sein Verstand! Ein Verstand, klar, unbestechlich, schnell, wie eine hochentwickelte Maschine. Perfekt. Dazu eine anarchistische, infantile, schamlose Fantasie. Und eine Persönlichkeit, die man am besten als offenes Messer beschreiben kann. Zynisch, böse, verletzend und voller Sehnsucht nach Liebe. Vollarsch, wird er von vielen genannt. Manchmal versucht er nett zu sein, dann wirkt er wie Gert Fröbe in Es geschah am helllichten Tag. Mit Handpüppchen und verstellter Kasperstimme. Mit Schokoigeln und einem Rasiermesser in der Trenchcoattasche. Er versucht verzweifelt nett zu sein, aber am Ende muss das Moser Gritli immer sterben... Einfach, weil er nicht anders kann.

Und ausgerechnet zu ihm sag ich: „Als Chef oder als Mann?“ Einen Idioten, eindeutig einen doppelten Idioten hatte ich gefrühstückt.

(Fortsetzung folgt, Lpunkt hat letzte Nacht durchgemacht, Lpunkt schläft gleich ein…)

09.11.2006 um 22:10 Uhr

Staub

von: Lapared

Wenn ich eins nicht ertrage, dann fette Männer, die auf Buddha machen. Buddha mit eine bisschen Flens-Säufer (Plop!) und Teddybär. Und die dann erwarten, dass man ihre Trägheit gemütlich findet und ihre Dösigkeit für innere Ruhe hält. Und dass man sich als dünne, nervöse Frau in ihre dicken, weichen Arme kuscheln möchte (in dem Zusammenhang darf ich erwähnen, dass ich gerade vorm internationalen Gerichtshof von Den Haag auf ein Verbot der der Worte kuscheln, Schleckermäulchen und Zündspule klage.) Jedenfalls… Danke, so nervös, kann ich gar nicht werden, dass ich mich an Fett presse. Und wenn ich einem solchem Exemplar, so einem Flens-Teddy-Buddha, um siebenuhrdreißig morgens begegne, dann fühle ich das, was ein ICE fühlt, der auf eine überdimensionalen Wurst knallt: nichts, haha! Aber über dem ganzen Tag ein feiner fettiger Wurststaub. Fies.

Heute morgen, inmitten der Laparedschen Rushhour, war er plötzlich da. Der in Anführungsstrichen Schreiner, der nun doch meine Fenster - so gut es für 5 Euro und eine Flasche Klaren geht - reparieren soll. Eine Mieterin wie mich, reinlich, leise, flüssig, möchte man ja nicht verlieren. Und dieser Schreiner, ein Flens-Teddy-Buddha mit Zaziki-Fahne, sagt:

„Moin moin, ich bin der Schreiner.“- „Tach, da sind die Fenster. Legen Sie los.“ – „Ah ja, die Fenster. Die Fenster… Ja, für die Fenster muss ich noch mal wieder kommen.“ – „Verstehe. Und was führt Sie heute zu mir?“ – „Na, ich dachte ich guck schon mal. Kost Dich auch nix!“ Er grinst, er findet sich witzig. „Meine Zeit, es kostet meine Zeit, also wenn Sie bitte schnell gucken würden!?“ – „Immer mit der Ruhe, schöne Frau, rieche ich frischen Bohnenkaffee?“ Er zwinkert, er findet sich keck. „Möchten Sie einen?“ – „Da sag ich nicht nein, Prinzessin!“ Prinzessin. „Dann flink nach Haus, da können Sie sich einen kochen. Und wenn Sie mich jetzt bitte entschuldigen, ich muss mir noch das linke Auge tuschen und dann, Achtung, jetzt kommt ein hässliches Wort, zur Arbeit.“ - „Du bist wohl ´ne ganz Wichtige. Mein Bruder hatte auch so eine, ich hab gleich gesagt, das geht nicht gut. Blöde Ziege.“ Ziege. Ziege!

Und über dem ganzen Tag dieser fiese Staub.

08.11.2006 um 22:14 Uhr

Lernen mit Lapared

von: Lapared

Das liebe ich so an meinem Job. Dass er dich zwingt - durch sanften Druck existentieller monetärer Interessen – jede noch so fremdartige Welt zu betreten. Dass er selbst mich, einen geistigen Nesthocker, der am liebsten stets dasselbe Feld beackert, in weite Fernen schickt. Sphären, so unzugänglich, so beispiellos, dass keine meiner Hirnzellen jemals freiwillig in sie eingedrungen, geschweige denn, so tief in sie vorgestoßen wäre. Turbinentechnik, cholesterinspiegelsenkenden Wurstaufstriche und nun - neu! – Vermögensverwaltung!

Ein Etat der mich fordert, ein Etat, der mich inspiriert, ein Etat, der mich auf ungeahnte Einfälle bringt. Dolle Ideen für meine Einhundertachtundachtzigtausend. Vielleicht sollte ich mehr mit meinem Geld tun, als immer nur tagein tagsaus darin zu… baden.

Ich sage nur Asien-Zertifikate. Ich sage nur Spitzen-Rendite. Ich sage nur minimale Volatilität... Jawohl, Volatilität. Ein Wort, bei dem ich bis vor zwei Tagen noch an eine erlebnisreaktive Willensstörung gedacht hätte… oder an die Flugeignung von Milchspeiseprodukten vielleicht. Doch nie an das, pass auf, erwartete Gesamtrisiko eines Investitionsobjekts. Ich sag´s ja immer: Werbung macht klug.

07.11.2006 um 22:25 Uhr

Vier Mal

von: Lapared

Meine Analytikerin will mich vier Mal die Woche sehen. Vier Mal! Ich bin gerührt. Kein Zweifel, sie findet mich super, faszinierend wie ein Skulptur aus Autoschrott, tja, ich bin aber auch ein verrücktes Huhn.

Und ich kann doch so schlecht nein sagen! „Vier Mal?“ stottere ich verlegen, „das ist ja… viel!“ Ich schaffe es einfach nicht, Menschen zurückweisen. Sie meint es ernst: „Ich denke, vier Mal ist nötig, Frau Lpunkt.“ Auch das noch, nötig. Wahrscheinlich hat sie sich gerade eine kleine Eigentumswohnung gekauft, und dann die Leasing-Raten für den kessen metallicblauen Opel Tigra vor der Tür... keine Frage, sie braucht mich!

„Vier Mal ist... toll!“ ich kann sie unmöglich enttäuschen, außerdem hat es ja auch Vorteile, „Und umso schneller sind wird durch, nicht wahr?“ – „Ich denke, Sie sollten sich darauf einstellen, dass es möglicherweise Jahre dauert.“ Gute Güte, oder gehört ihr etwa der metallicgraue CLK? „Fein! Fein... so lerne ich auch gleich, eine langfristige Beziehung zu führen!“ Ich zwinkere ihr zu, Pupsilein... Wie komme ich bloß wieder raus aus der Nummer? „Holen Sie den Gedanken einmal ganz nah an sich ran. Was macht das mit Ihnen?“ – „Äh, ich würde gerne kurz raus an die frische Luft, ja?! Ich hole mir den Gedanken draußen ran...“

Lapared stürzte vor die Tür. Es war kalt geworden, kalt und klar. Sie schlug den Kragen hoch, grub die Hände in die Taschen und überquerte die Straße. Einer dieser Klienten, die nur kurz raus gingen, um sich einen Gedanken ran zu holen...

06.11.2006 um 22:43 Uhr

Vorsichtsmaßnahme

von: Lapared

Also habe ich mir vorhin eine Wohnung angesehen. In der Mittagspause, was ein Gebrassel.

Die Maklerin hat eine Laufmasche so breit wie die A7. Viel versprechend, denke ich. Wir gehen hoch. „Die Wohnung ist eine Perle!“ flötet sie. „Nicht nur das!“ flöte ich, „auch behindertengerecht - für Hörgeschädigte!“ Die Wohnung ist die A7, so laut. „Tja, man muss den Klang der Großstadt schon lieben“, lächelt sie. „Tun Sie mir einen Gefallen?“ lächle ich, „um zwei ist die Mittagpause vorbei, übernehmen Sie meinen Job? Ich hab keine Lust und Sie können das viel besser?!“ – „Was?“ sie scheint interessiert. „Scheiße schön reden“, murmel ich und setze den Blinker.

Acht Stunden Streichfettwerbung später. Wieder zurück in meiner aktuellen Perle widerspreche ich der Kündigung. Jetzt doch, nur vorsichtshalber...

05.11.2006 um 15:40 Uhr

Reich!

von: Lapared

1.000.345… 1.000.346… 1.000.347… dank Willi ist mein voraussichtliches Gesamtvermögen zum 31.11. in ungeahnte Höhen geschossen… 1.000.348… 1.000.349... ich bin quasi REICH… 1.000.350… leider leider geht ja die Steuer noch davon ab… 600.243… ach ja, und die Nachzahlung für 2005 steht bald an… 302.456… und Olli kriegt auch noch was von mir zurück… 188.361… Immerhin, mein Gesamtvermögen – Willis Zahlung schon einkalkuliert – beläuft sich auf 188.361… in Worten einhundertachtundachtzigtausenddreihunderteinundsechzig… Cent. Das ist doch was.

Solche Überlegungen gehören nun mal dazu, wenn man den Wohnungsmarkt studiert. Man fragt sich, was will ich haben, was kann ich zahlen, und wen kann ich heiraten, beerben oder umlegen, um diesbezüglich zu einer Annäherung zu kommen.

Ich hasse es, mich mit diesen profanen existentiellen Problemen auseinanderzusetzen. Ich habe Neurosen, Psychosen, Symptome, Syndrome… ich habe eine Analytikerin, die meine volle Aufmerksamkeit verlangt! Ich kann mich nicht um so einen Kleinscheiß kümmern!

Aber, hach… es muss wohl sein.

04.11.2006 um 22:59 Uhr

Heute leider keine Zeit für einen Eintrag...

von: Lapared

Lapared zählt ihr Geld. HÖM.

 

 

03.11.2006 um 21:14 Uhr

Meine Tage mit Willi

von: Lapared

Aus. Vorbei. Meine Tage mit Willi sind gezählt. Er nimmt mich zum Abschied in den Arm und gibt mir einen Kuss, ich gebe ihm auch einen Kuss und die Rechnung – das war´s mit dem schönsten Mann, den ich je gesehen habe. Ab Montag beginnen meine Tage mit Tim, auch ein schöner Mann, die Werbung wimmelt von schönen Menschen, und dazwischen zwei Tage mit mir, nur mit mir, ich kann gar nicht sagen, wie ich mich nur auf mich freue... Das Bett ruft. Halt die Fresse, rufe ich zurück. Laparedchen stromert jetzt mit Laparedchen noch ein bisschen durch die Nacht...

02.11.2006 um 22:42 Uhr

Willi und der Witz

von: Lapared

Willi war heute sehr gut gelaunt. Er hatte eine Idee gehabt. Eine Idee, die er toll fand. Und so fand er auch SICH toll und überhaupt, die ganze Welt fand er heute toll, die Welt, das Wetter, den Papiertacker und auch mich, Laparedchen. „Gehen wir essen, Laparedchen?“ – „Aber nur eine Kleinigkeit“, ich bin durch mit dem Thema, „teilen wir uns ein Schwein?“ Und gerade dachte ich, dass es eigentlich sehr einfach sein würde, von ihm geliebt zu werden, ich müsste ihm nur ständig das Gefühl geben, dass er toll wäre, und das mache ich doch mit Links, im Vorbeigehen, das ist meine Spezialität... als er einen Witz erzählt.

„Zwei Freunde treffen sich auf der Straße. Mein Gott, sagt der eine, warum trägst du eine Orange auf dem Hals, wo ist dein Kopf, ich hätte dich fast nicht erkannt?“ Ich lache, vorsichtshalber, bei diesen modernen Witzen weiß man ja nie. „Ja, das kam so, sagt der andere, ich hab neulich eine Fee getroffen und die sagte, ich hätte drei Wünsche frei.“ Ah, der Drei-Wünsche-Witz. „Als erstes habe ich mir viel, viel Geld gewünscht, erzählt der Mann, und wusch, Geld soweit das Auge reicht.“ Und als zweites? „ Und als zweites habe ich mir eine supergeile Villa gewünscht, und wusch, eine supergeile Villa.“ So was. „Ja, und dann, fragt sein Kumpel!“ Ja, und dann, frage durch gespanntes Mienenspiel auch ich. „Ja, und dann habe ich mir eine Orange als Kopf gewünscht!“

Willi krümmt sich vor Lachen, ein typischer Werberwitz, ich finde ihn natürlich auch sehr komisch. „Du lachst ja gar nicht!?“ - „Ich lache innerlich.“ – „Kannst ruhig sagen, wenn Du ihn nicht witzig findest.“ – „Doch, sehr witzig“, ich lache herzlich. Zu spät. „Das ist ein Witz, der stark polarisiert, manche Menschen finden ihn total witzig, und andere gar nicht. Meine Mutter fand ihn auch nicht komisch.“ Eben noch Gehen-wir-essen-Laparedchen, schon in einem Topf mit seiner Mutter. „Ich finde ihn witzig, ehrlich.“ – „Weißt Du, das Witzige daran ist, dass er so mit den Erwartungen bricht.“ – „Ja, das ist wirklich superwitzig.“ – „Jeder denkt, jetzt kommt wer weiß was, irgendeine total schräge Geschichte, eine Frau mit Orangenhaut geht vorbei und er sagt: Oh Gott, wenn ich so was im Gesicht hätte oder so... das fänden viele sicher komisch“, viele, damit meint er seine Mutter und mich, „aber der Typ hat sich die Orange als Kopf schlicht und einfach gewünscht! Ist das nicht komisch?“ – „Ja, total!“ – „Aber weiß Du, man kann natürlich auch sagen, ein Witz ist nicht alleine dadurch witzig, dass er sich den Erwartungen an ihn als Witz verweigert und unerwartet nicht witzig ist, so kann man natürlich argumentieren, es ist schon ein sehr schräger, besonderer Humor irgendwie...“ Ich schalte ab, ich hör einfach nicht mehr zu. Hatte ich wirklich gedacht, es wäre einfach von so einem Willi geliebt zu werden? Es wäre Schwerstarbeit.

01.11.2006 um 23:15 Uhr

Der große POÄNG

von: Lapared

„Wie geht´s Ihnen?“ Das mag ich wie gesagt an meiner Therapeutin, sie unternimmt nicht mal den Versuch, originell zu sein. „Muss ja.“ Ich selbst bin auch nicht in Plauderstimmung. Einundzwanzig, zweiundzwanzig, dreiundzwanzig... ei, sie will spielen... vierundzwanzig, fünfundzwanzig, sechsundzwanzig... Na, gut.

POÄNG.

Ich wende mich ihrem Couchtischchen zu. Ihr Couchtischchen hat mich von Anfang an beschäftigt. Es ist der kleinere der beiden Satztischchen POÄNG, eines IKEA Neoklassikers in Birkefunier für 54,90, zweiteilig. (Ich hab mal Reklame für IKEA gemacht.) Es gibt ja diese psychologische Theorie über Menschen, die Satztischchen kaufen. (Satztischchen sind diese Tischchen zum Ineinanderschieben, absolut identisch, nur in der Größe verschieden, in der Regel zwei, ein größerer, ein etwas kleinerer, manchmal auch drei, aber die psychologische Theorie bezieht sich vor allem auf die 2er-Satztischchenkäufer.) Jedenfalls, nach dieser psychologischen Theorie sind Satztischchenkäufer Menschen, die sich nach Harmonie und Geborgenheit in einer symbiotischen Partnerschaft sehnen, in der Regel alleinstehende freundliche Damen mittleren Alters. Ich stutze... Aber wer bitte kauft erst zwei Satztischchen und reißt sie dann auseinander? Ein kleiner Schauder läuft mir über den Rücken. Das wäre interessant, aber darüber sagt die psychologische Theorie natürlich nichts, so weit ich weiß, und ich müsste es wissen, denn sie ist meine. Mir wird so kalt. Obacht, Laparedchen, denke ich, Obacht...

„Was denken Sie?" fragt die Satztischchenauseinanderreißerin scheinheilig. Ich schaue sie an. Dabei sieht sie so harmlos aus. „Wo ist der große POÄNG?“ Sie verzieht keine Miene. „Sie fragen sich also, wo der große Peng ist... Sie warten auf irgendein großes Ereignis in Ihrem Leben, etwas, das auf einen Schlag alles verändert?“ Schätzchen... Ich lächle. „Warten wir nicht alle auf den großen Peng? Warten und warten und warten und dabei werden wir älter und älter und älter. Und eines Morgens wachen wir auf und schauen in den Spiegel und sehen eine Frau, die Satztischchen auseinander reißt... NICHT WAHR?“ Nicht das leiseste Zucken, alle Achtung. „Satztischchen, ich verstehe nicht?“ Sie verstehen sehr gut. „Und heimlich hassen wir alle Frauen, die jünger sind oder besser aussehen und die uns die Pengs vor der Nase wegschnappen, das haben sie nämlich immer schon getan, während wir geackert und geschuftet haben, um mit unserer mittelmäßigen Begabung soeben das Diplom zu schaffen, haben sie mit den Pengs in den Bars und Cafés rumgehangen, aber wir wussten, auch Ihr mit Euren zehn Pengs an jedem Finger werdet irgendwann alt, und dann guckt Ihr dumm, weil da plötzlich keine Pengs mehr sind, und dann landet Ihr bei uns, dann liegt Ihr bei uns auf der Couch und wir legen eine Packung Tempotaschentücher auf dem billigen kleinen Couchtischchen bereit, falls ihr weint. Und gucken verständnisvoll.“ Sie guckt verständnisvoll. Dann sieht sie zum Couchtischchen, verräterisch. „Die Zeit ist um, Frau Lpunkt. Ich denke, wir müssen das nächste Mal ausführlicher über die Pengs reden.“ Auf dem Couchtischchen steht auch ein kleiner Wecker, TICKA 9,99, auf ihrer Seite, auf meiner Seite liegen die Tempos, berechnendes Luder. „Möchten Sie das?“ lächle ich. Hab ich Dich.

Als ich hinausgehe, werfe ich durch den Türspalt einen raschen Blick ins Nachbarzimmer. Der große POÄNG! Mit einem Kaktus darauf. Das kann ja heiter werden...

Aber ich denke, wir sind heute einen großen Schritt weiter gekommen.