Anleitung zum Entlieben

02.02.2007 um 21:07 Uhr

In Memoriam

von: Lapared

Aber die gute Nachricht ist... ich kann mich schließlich selbst veröffentlichen. Kostenlos und unbezahlt steht es mir frei, jederzeit auch meine eigene kleine Bühne der gepflegten Selbstdarstellung zu benutzen. Zwar ist nicht klar, wie viele Motorsportbegeisterte sich da draußen im Zuschauersaal befinden, aber ich denke, wir - wir alle! - sollten uns auch Randgruppenthematiken ein wenig öffnen. Oder Sie nutzen die Gelegenheit und gehen Pinkeln.

Ta-ta! Teil 1 meiner gestorbenen Motorrad-Kolumne (die ich natürlich nicht als Lapared, sondern unter einem Pseudonym geschrieben hätte...)

Lonni K. – von der Selbstständigkeit zum Soziafall

Aus dem Leben einer werdenden Beifahrerin, Teil 1

„Wenn Du Dich da drauf setzt, fliegt der Plattenspieler aus dem Zimmer und wir verkaufen Jürgen Marcus“. Diese Worte stammen von meinem Vater und galten meiner Schwester vor etwa einem viertel Jahrhundert, als sie 15 war. Der Plattenspieler war ihr Grund die Pubertät zu überleben, und Jürgen Marcus ein Hengst, benannt nach einem Schlagerstar, der, als das Pferd weiter fünf Jahre zuvor zu uns kam, die erste Liebe meiner Schwester war. Die aktuelle Liebe meiner Schwester hieß Kalli und hatte ein Motorrad - und eben das war es, worauf meine Schwester sich besser nicht setzen sollte, wenn ihr gewisse Dinge am Herzen lagen. Ich selbst war damals fünf und lernte also früh, dass Motorradfahren gefährlich sehr war. Es konnte den Verlust von Hengst und Musik bedeuten, und das, soviel begriff ich, das tat weh. Dass NICHT Motorrad fahren auch zu schmerzlichen Erfahrungen führen kann, erfuhr ich erst 30 Jahre später. Aber der Reihe nach.

Ich lernte Kai Uwe auf der dritten Hochzeit meiner Freindin Rita kennen, einer entfernten Freundin und engen Busenfeindin, die mich nur eingeladen hatte, um mir zu beweisen, dass ich damals zwar das schönere Barbiehaus, sie in Zukunft aber einen Mann mit Boot und Jugendstilvilla besaß. Um - schneller Konter! - meinerseits zu beweisen, dass ICH dafür aber auch heute noch jeden haben KANN, grub ich George Clooney an, der aussah wie der Doppelgänger eines berühmten Filmstars, auf dessen Name ich nicht kam, und der Trauzeuge ihres vergleichsweise trollhaften Neugatten war. Als der Nebel der fünf Flaschen Champus, mit denen ich Rita zeitgleich materiell zu schädigen beabsichtigte, sich lichtete, und der helle Strahl der Erkenntnis zu mir drang, dass mein Aufriss selbst das Duplikat und außer Doppelgänger auch Holzfäller mit Schwerpunkt Urwaldriesen war, zeigte der Wecker zehn Uhr drei, die Hochzeit vorbei, und neben mir im Bett lag ein nackter Mann. Ich schaute in sein sägendes Antlitz und war unsterblich verliebt.

Etwa drei Stunden später erfuhr ich, dass der nackte Mann angezogen Zahnarzt und Motorradfahrer war. Und damit der Inbegriff all dessen, was ich Zeit meines Lebens fürchtete, was ich mit Bohren am offenen Nerv, Jürgen Marcus und keinem Plattenspieler verband. Wir lagen immer noch im Bett, der Riese war gefällt, diesmal offenbar definitiv, und er sagte: „Scheiße, ich muss Don anrufen, wir wollten heut eigentlich ´ne Tour machen.“ Als ich in meiner postkopulativen und -alkoholischen Eingeschränktheit nicht sofort adäquat reagierte, etwa indem ich ihn einlud, meinen Festnetzanschluss neben dem Bett zu benutzen, fügte er nach Stunden überwiegend schweigenden Handelns in überraschender Erzähllaune hinzu: „Don ist mein Patient und der einzige, der sich einen Zahn ohne Betäubung ziehen lässt, weil er Angst vor Spritzen hat.“ Ah. „Wir wollten heute mit den Motorrädern an die Mosel.“ Ah, ja. Der Zahnarzt und Motorradfahrer und Kumpel von Don dem Schrecklichen griff unaufgefordert zu meinen Apparat.

Inzwischen sind sieben Monate vergangen, es ist Wochenende und mein Urwaldriese widmet sich - trotz meines mit einem „Kein Problem, dann gehe ich eben allein in die Sauna!“ deutlich artikulierten Missfallens - einmal mehr lieber Don und den Kurven im Hunsrück als meinen. Ich hege Groll. Und auf einmal ist da der Gedanke, dass Motorradfahren vielleicht doch gar nicht so gefährlich ist. Jedenfalls nicht, verglichen mit den Risiken des nicht Motorradfahrens, die in meinem Falle in der Belastung und vielleicht langfristigen Zerrüttung meiner Beziehung mit Kai-Uwe liegen. Das sehe ich jetzt. Und stelle es mir deutlich bedauerlicher vor, als den Verlust von Hengst und Plattenspieler. Hach.

„Ein Lied zieht hinaus in die Welt“, diesen unvergesslichen Schlagerklassiker debil summend, sitze ich mit einem leeren 500ml Becher Ben & Jerry´s Chocolate Therapy auf der Couch und starre zu dem Motorrad-Magazin, das Kai Uwe hier vor ein paar Tagen liegen lassen hat. „TOUREN-FAHRER“, ja, ja, schon klar. Ich stelle den leeren Becher Chocolate Therapy neben den leeren Becher Caramel Sutra und strecke meine Hand nach dem obskuren Druckwerk aus. Lonni K., einsam, sexuell unbefriedigt und offen für eine neue Welt…
P.S. Ja, ich habe mir vorher die Hände abgewischt.

(Und nun wieder als Lapared: Ja, ich habe inzwischen eingesehen, dass all dies nicht wirklich nah am Puls der anvisierten Leser war... HMPF.)

02.02.2007 um 09:12 Uhr

Curd Rock - get´s it all!

von: Lapared


 Couchchem, Stramd umd Meer...

 GEHT DOCH!

 Es ist fein eim Gemie zu sein!