Anleitung zum Entlieben

07.12.2008 um 17:45 Uhr

Curd getrennt

von: Lapared

 Warum hat Lchem ums nur getrennt...?

 Ach, meim geliebte weiße Couch, I miss you...

 Ich glaube, Lchen ist eifersüchtig! Wegem Lied! Frauem...

P.S. Zu Nikolaus hat sie mir deshalb auch nichts geschemkt, eifersüchtig, gamz klar...

07.12.2008 um 14:20 Uhr

Lchen in Rage

von: Lapared

Im Großen und Ganzen, das kann man sagen, bin ich ein gut angepasstes Mitgleid unserer Gesellschaft und reagiere meistens situationsadäquat. Nicht nur in Situationen mit wenig Handlungsspielraum wie z.B. auf dem Operationstisch. Auch in Situationen, in denen man viel falsch machen kann wie jetzt September bei den abendlichen Ramadanfeiern unserer türkischen Nachbarn. Ich finde immer die richtigen Worte („Sie wissen aber schon, dass dieses späte Essen eigentlich Gift ist für Ihre Figur?!“) und bin in der Regel friedfertig, nachgiebig und konfliktscheu. Außer: im Schwimmbad.

Im Schwimmbad – treue Leser wissen es – bekomme ich regelmäßig Krach. Der Grund ist eigentlich immer derselbe. Ein untersetzter Mann (es ist immer ein untersetzter Mann), der meint, dass alle anderen ihm ausweichen müssen und er ihnen umgekehrt nicht. Nie.

Diesmal war es einer von der übelsten Sorte: ein untersetzter Mann in einem Ganz-Körper-Neopren-Anzug (in einem 25 Grad warmen Außenbecken, Länge 20 Meter, Tiefe 1,30). Mit einer Uhr, auf der er bei seinem Hochleistungsgeplansche stets Zeit, Puls und Kalorienverbrauch etc. im Auge behalten konnte. Und mit einem Fläschchen Powerade, dass er am Ende der Bahn parkte, um die nach 2 x 20 Metern verbrauchte Energie gleich wieder nachzutanken.

Einer von der Sorte, die ihr hartes Schwimmtraining tags zuvor beim Mittagsitaliener gerne schon angekündigen („Das trainiere ich morgen alles wieder ab!“). Und wenn dann ein Kollege fragt: "Ist es am Wochenende nicht total voll?" dann sagen sie: "Ja klar, aber ich hab da so einen Trick. Man muss immer geradeaus schwimmen, sturr gerade aus, dann weichen die anderen aus, hähä, Fräulein, gibt´s noch Parmesan!?" Und genau mit dieser Haltung stürzt der Mann dieser Sorte seinen Nudel-in-Neopren-Körper dann in die Fluten, schwimmt stur geradeaus und fühlt sich… guuuuuuut.

Bis Lchen kommt. Lchen, der Robin Hood des 20 Meter-Außenbeckens, Lchen der Kämpfer für Gerechtigkeit im Freizeitbad. Ha-ha!

Pass auf. Also, der untersetzte Mann stürzt sich in die Fluten. Und wählt nun ausgerechnet meine Bahn um stur geradeaus zu schwimmen. Aber natürlich ist es nicht wirklich meine Bahn, sie gehört mir nicht, das weiß und bedenke ich natürlich, und weiche dem Mann aus. Drei Mal, vier Mal, fünf Mal… Und als ich ihn dann gerade mal am Rand erwische, wie er sich japsend ein Schlückchen Energiedrink genehmigt, sage ich sehr freundlich und charmant: „Entschuldigen Sie bitte!? Möglicherweise ist Ihnen in Ihrem sportiven Eifer etwas entgangen… Ich weiche Ihnen ständig aus und schwimme zickzack, Sie allerdings schwimmen geradeaus und weichen nie aus?! Weil Sie zu schwach sind, einen Umweg zu schwimmen und es sonst nicht mehr zu Ihrem Fläschen schaffen würden oder weil Sie einfach unhöflich sind?“

Er guckt mich durch seine beschlagene Rennbrille an und brüllt: „WAAAS???“ Dann nimmt er die Öhrstöpsel raus, ach ja, die Ohrstöpsel, die hatte ich vergessen. Der ambitionierte Freizeitschwimmer braucht ja nicht nur Speedo-Mützchen, Rennbrille und Nasenklammer, sondern neuerdings auch Ohrstöpsel, alles farblich passend. Also, ich fasse noch mal kurz zusammen, denn der Sportler wird schon ungeduldig: „Hören Sie, ich schwimme die ganze Zeit zickzack! Können wir uns mal abwechseln - wäre das für Sie eine Option?“ Und er. Er grinst mich frech an. Er nimmt noch ein Schlückchen und sagt dann mit sonorer Stimme, die er auch immer anbringt, wenn die Küken im Büro sich über irgendwas grundlos aufregen: „Schwimmen Sie doch einfach geradeaus, schöne Frau! Mache ich auch, dann kommt man gut durch, auch bei dieser Vollheit.“

Die Welt ist ungerecht. Ich gebe zu, von einem gutaussehenden, athletischen Mann hätte ich das keck gefunden. Hätte mir die Frisur gerichtet und mit Samantha-Touch gesagt: "Das werde ich, mein Lieber, und ich freue mich schon auf unsere… (zwinker, zwinker) Karambolage!" Aber von diesem Mann, der – erwähnte ich das eigentlich schon? - nicht gutaussehend und nicht athletisch war, fand ich dieser Spruch nun mal nicht keck sondern nur… feist. Und die Vorstellung, wie sich sein hochrotes Köpfchen mit der engen Gummihaube zwischen meine Brüste bohrt, während er mit seinen Ärmchen schaufelt, weil ich in dem 1,30 Becken stehe wie eine deutsche Eiche und ihn nicht vorbeilasse, erschien mir… nicht schön.

Aber weiter (Sie müssen das nicht zuende lesen, ist nur so für mich, quasi therapeutisch…). Also, er ist ganz angetan von seinem eigenen Spitzen-Joke, schaut auf die Pulsuhr, ruft noch mal: „Einfach immer gerade aus, Gnädigste, das schaffen Sie schon!“ und stößt sich dynamisch ab. Huuuiii!!! Jedoch. Als er das nächste Mal wendet, steht sie genau vor ihm: Lchen, die deutsche Eiche des Schwimmbeckens. Er hebt japsend das Köpfchen, für das nämlich doch kein Parkplatz war zwischen meinem Busen. Ich hatte die Arme vor der Brust verschränkt. So ging´s…

„Ach verzeihen Sie“, sage ich lächelnd, „dieses Prinzip mit dem Geradeausschwimmen, das müssten Sie mir noch mal genauer erklären. Ich habe es versucht, aber mir persönlich kommt dann immer so ein kleiner keuchender Mann in einem Gummianzug entgegen.“ HAR! Er schweigt. Besiegt. Gebrochen. Und schwimmt um mich herum. Und die nächste halbe Stunde durfte er dann erfahren, was Sturrheit ist. Ach, Sie hätte mich sehen sollen: Ich schwamm immer gerade aus, immer, genau wie er gesagt hatte. Obwohl er frontal auf mich zuhielt. Und einmal rief ich ihm sogar zu, während er mir dann auswich: „Mache ich das gut so?“ Es war, als wäre ich die Titanic (von Robin Hood zur deutschen Eiche zur Titanic, ist das ein Bilderreigen oder ist das Bilderreigen?) also, als wäre ich die Titanic und er eine Nussschale (willensmäßig, körperlich war ich natürlich das Nüsschen und er der Kreuzer)… Und vor allem, das ist das Wichtigste: Ist es nicht schön, wie ich mich an so kleinen Triumphen seitenlang erfreuen kann? Ein Geschenk. Eine Gabe.

Als ich WE von dem Vorfall erzählte, banal nur auf den ersten Blick, bei genauerem Hinsehen eine Metapher für meine Konsequenz und Geradlinigkeit, für Mut und Willensstärke… da hat er mir dann auch ganz lieb über den Kopf gestreichelt, mir auf die Nase geküsst und gesagt: „Fein, das hast du toll gemacht, meine kleine Titanic, mein deutsches Eichlein, Robin Hoodchen, Nüsschen… Noch fünf bis zehn Jahre und du bist so weit, dieselbe Konsequenz und Geradlinigkeit auch mal für Dinge einzusetzen, die sich lohnen… Du bist da auf einem ganz, ganz prima Weg.

Hmpf.

P.S. Ich habe schon wieder diesen Hinweis, dass hier wohl bald kein Platz mehr ist, Besucher werden auch nicht mehr gezählt (oder hab ich keine???)... so was! Sollte das hier keiner heile machen, werden Curd und ich irgendwann wohl doch umziehen müssen. Bei Bedarf dann googeln, ja?