Anleitung zum Entlieben

03.10.2010 um 23:33 Uhr

Lchen, diffus schlecht gelaunt

von: Lapared

Als ehemalige Werberin ärgere ich mich natürlich nicht, wenn Werbung kommt. Im Gegenteil, ich begreife jeden Werbeblock als tolle Chance, eine anderes noch spannenderes Programm zu entdecken, ich zappe sofort weg. Aber das geht natürlich nur im Fernsehen. Auf Spiegel-online muss ich die bis zu 30 Sekunden langen Spots vor den Videos einfach aushalten. Seitdem habe auch sie auch: Hass-Spots. Werbespots, bei denen ich mich sofort übergeben muss. Werberin hin, Werberin her.

Mein Hass-Spot Nummer 1 ist zur Zeit diese Porschewerbung. Ich meine: Porsche. Porsche! Geile Autos (das weiß selbst der Radfahrer)! Und der Spot fühlt sich an wie für Werthers Echte. Aber das ist nicht das, was mich ärgert, sondern… Okay, vielleicht sollte ich den Spot erstmal erzählen.

Es handelt sich um den Spot, in dem die pubertätsblöde Tochter sich im Bad die Haare stylt und der kleine pfiffige Sohnemann ihr den Fön moppst, um die Aerodynamik seiner Seifenkiste im Windstrom zu testen. Vati kommt dem kleinen Garagen-Tüftler auf die Schliche und erkennt sich schmunzelnd in ihm wieder. Eine sonore Altherren-Stimme – wahrscheinlich die Synchronstimme von Robert Redford - schlägt die Brücke zum Erfindungsreichtum von Porsche und ein Text-Chart bündelt die kryptische Botschaft: Genetischer Code (vom Sohn ebenso wie von der Marke Porsche): Dr. Ing.  

Genetischer Code der Tochter: Friseuse. Das steht auf keinem Text-Chart, aber im sexistischen Subtext, jawohl! Da drehen sich mir die Fußnägelchen hoch. Guck an, in Lchen steckt wohl doch eine kleine Emma. (Vielleicht habe ich auch einfach nur schlechte Laune, aber woher sollte die kommen, läuft doch alles super - lesen Sie selbst...)

Mein zweiter Hass-Spot ist eigentlich ganz nett, aber eine gemeingefährliche Lüge. Die Bahn behauptet, in ihren Zügen würde man nette Leute kennen lernen. Nette Leute, die einen sofort anrufen, wenn man ihnen nach charmant verplauderter Fahrt beim Aussteigen die Telefonnummer hinterlässt. Dem ist jedoch nicht so.

Letzte Woche, auf der Heimfahrt von Berlin, habe ich einem attraktiven Mann im Bordrestaurant meine Telefonnummer hinterlassen. Auf einer Serviette. Wir hatten uns toll unterhalten, über seine schöne Heimat Russland. Zwei Tage später bekam ich zwar einen Anruf, aber nicht von meiner Reisebekanntschaft. Ein Mann, der sehr charmant klang (und ebenfalls etwas russisch) entschuldigte sich tausend mal, er wisse, dass es etwas fremdartig sei, was er tue. Aber sein Freund habe gemeint, ich sei nicht nur eine attraktive, sondern auch eine sehr fröhlich Frau, ich würde bestimmt darüber lachen (da schwante mir Böses). Sein Freund sei vor zwei Tagen mit mir im Zug von Berlin Richtung Kiel gefahren und hätte mich um meine Telefonnummer gebeten. Ich sei so freundlich gewesen, sie ihm zu geben. (Ach, so war das!) Aber später sei seinem Freund wieder eingefallen, dass er verheiratet wäre, was er im Zug in meiner netten Gesellschaft ein bisschen vergessen hätte. Und deshalb habe sein Freund ihm die Telefonnummer gegeben, vielleicht hätte ich ja Interesse daran, ihn  kennenzulernen, er sei genau wie sein Freund, nur in allem noch ein bisschen (sprich: einbiiiies-chen) besser.

Das war natürlich ein sehr verlockendes Angebot. Aber ich habe darauf verzichtet. Ich sei seit Wochen nicht mehr Bahn gefahren, habe ich dem charmanten Unbekannten erklärt. Die Frau im Zug habe seinem Freund wohl eine falsche Telefonnummer aufgeschrieben, versehentlich, er sei jedenfalls falsch verbunden. Nastrovje!

Gemeingefährlich ist diese Bahn-Werbung, ganz gemeingefährlich. In der Bahn lernt man nämlich nur blöde Idioten kennen, DAS ist die Wahrheit. Ich habe schlechte Laune. Was denken diese Männer sich…

P.S. Hat da jemand gesagt, ich stehe in der Brigitte-Kolumne? Hab ich noch gar nicht gesehen, aber es stimmt, ich habe wirklich mit Ildiko von Kürthy gesprochen! Das war eine Sache… Guten Tag, hier ist Ildiko von Kürthy - Guten Tag, Ildiko von Kürthy, und hier ist Königin Beatrix… Na, das erzähle ich ein anderes mal, das passt jetzt nicht zu meiner üblen Laune...

P.P.S. Sorry for being so late...