Anleitung zum Entlieben

21.11.2010 um 21:30 Uhr

Hits und Shits

von: Lapared

So langsam komme ich schon in Jahresrückblicksstimmung. Ich überlege, was die Hits und was die Shits des Jahres waren. Mein Hit ganz eindeutig: die Entdeckung des Freestyle. Yeah. Oder etwas kleiner: Im Jahre 2010 lernte Lchen Kraulen. Übrigens mein einziges wirkliches Erfolgserlebnis in diesem Jahr, reiten wir ein wenig darauf rum.

Am 16.05. haben ich es hier erstmalig verkündet: Lchen – bis dahin stets tuckernd und gut frisiert unterwegs - tauchte pour la première fois das Köpfchen unter Wasser und schaltete in den Kraulgang. Nach 10 Metern musste ich an die Beatmungsmaschine.

Und nun, ein halbes Jahr später (Verletzungspausen abgerechnet) kraule ich locker (locker!) 1000 Meter – hin und her und hin und her… - ohne zu verschnaufen, Lpunkt, der VW-Käfer des Pool, schwimmt und schwimmt und schwimmt. Gestern nun eine weitere Premiere: Erstmals habe ich auf der Tempobahn (die Tempobahn ist so etwas wie die Autobahn des Pools, nur Schwimmer, die mindestens 60 schwimmen können, dürfen drauf…) und dort auf der Tempobahn habe ich also nicht nur geschwommen, sondern ich habe überholt. Das heißt, ich hatte mindestens 61 Sachen drauf. 61 Sachen, nur ein halbes Jahr nach dem allerersten Kraulzug - Hit oder Hit?

Kommen wir zu den Shits. Ich gebe zu, ich war bei meinem spektakulären Überholmanöver ein bisschen gedoped. Mit Adrenalin. Auf der Hinfahrt war ich mit Rolli in eine Fahrradkontrolle geraten, das hatte mich wütend gemacht. Der Polizist hatte mein kleines weißes Mini-LED-Lämpchen nicht als Vorderlicht anerkannt. Dabei hatte ich das Lämpchen mit viel Sorgfalt genau so am Henkel meiner Schwimmtasche befestigt, dass es fein mittig und strahlend hell über den Rand von Rollis Fahrrad-Körbchen baumelte, in dem die Tasche lag. Ein ausgetüfteltes System. Aber das Baumeln gefiel dem Polizisten nicht. Er wollte ein fixiertes, unbewegliches Lämpchen. („Ein UNBEWEGLICHES Lämpchen? Mit Verlaub, Herr Polizist, das Lämpchen bewegt sich ohnehin, wenn es an einem Fahrrad ist!" – „FAHREN darf Ihr Lämpchen ja, aber BAUMELN nicht! 15 Euro, gnädige Frau.“) 15 Euro! Für ein völlig intaktes Vorderlicht, nur weil es baumelt! Aber noch mal zurück zum Pool.

Die Wut auf einen Polizisten war es also, die mich so sportiv an meinem Vordermann vorbeiziehen ließ. Ein toter Mann übrigens, der aus dem Nichtschwimmerbereich herübergetrieben war (oder einer jener lebenden Männer, die trotz offensichtlichen Unvermögens überzeugt sind, ihnen gehöre die Tempobahn des Lebens, immer). So oder so, für mich war dieses gedopete Überholmanöver der Glanzpunkt des Tages. Womit im Kleinen bewiesen wäre, was auch für die große Scheiße gilt, über die wir nicht so gerne reden: Nichts ist so schlecht, dass es nicht für irgendwas gut ist. Und ohne die Trennung von WE – Shit of the year 2010 - hätte ich es nie auch nur in die Nähe einer Tempobahn gebracht! Insofern… TOLLES JAHR.

Und eigentlich ist es ja auch noch lange nicht zuende.