Anleitung zum Entlieben

11.03.2012 um 21:01 Uhr

Pudding ist mein Gemüse

von: Lapared

Über die kleinen Ticks bzw. Phobien des/der Liebsten haben wir gesprochen. Regel Nummer 1, man übernimmt sie am besten einfach - Ticks kann man nie genug haben. Eine weitere Herausforderung für jeder junge Partnerschaft sind die Essgewohnheiten.

Half achtet sehr auf seine Ernährung, man kann mit ihm stundenlang übers Essen plaudern. Er hat sogar so eine kleine dreidimensionale Ernährungspyramide der DGE (Deutsche Gesellschaft für Ernährung) in der Küche stehen, und… Wie heißen die 10 Regeln für vollwertiges Essen und Trinken? Na?! Na?! Half könnte man nachts wecken und sie kämen wie aus der Hüfte geschossen.

Fast noch beeindruckender: Er beherzigt sie auch alle. Von der ersten ("Vielseitig ernähren!") bis zur berühmtesten, der vielzitierten „Nimm 5 am Tag“-Regel betreffend Obst und Gemüse. Dass mein Schatz nur Bio kauft, muss ich nicht extra erwähnen. Er tut es ganz automatisch. Kein Wunder, er wurde quasi mit einer Karotte im Popo geboren (einer Bio-Karotte!), seine Mutter war Ernährungswissenschaftlerin.

Nun zu mir. Ich ernähre mich in Epochen. Jede Epoche ist von einer Lieblingsspeise dominiert, die ich mir während dieser Zeit fast ausschließlich reinhaue. Bis sie mir ganz plötzlich von einem auf den anderen Tag aus den Ohren kommt, was dann nach einer kurzen Phase der Suche und Neuorientierung zu einem Epochenwechsel führt.

Ich hatte schon alle möglichen Epochen: eine „Nudeln mit Butter und Parmesan“-Epoche, eine „Weltmeisterbrötchen mit Lätta“-Epoche, eine „Überbackener-Rosenkohl“-Epoche (da war ich Single und konnte nachts im Bett die Internationale pupsen, wenn ich wollte), eine „Karottenapfelsalat mit Mandelblättchen“-Epoche (da wurde ich zuletzt ganz gelb vom Karotin), eine „Gebratener Camembert mit Preiselbeeren“-Epoche (hm, die könnte ich mal neu auflegen), sogar eine Hering-in-Gelee-Epoche (das war nicht ich, der Geist des verunglückten Nachbarkaters war in mich gefahren)… und und und. 

Die Epochen dauern in der Regel zwischen vier und acht Wochen. Vielseitig kann man meine Ernährung also nur dann nennen, wenn man übers Jahr mittelt. „Variabel einseitig“ beschreibt es wohl besser. Und die „Nimm 5 am Tag“-Regel beherzige ich nur, wenn die Kakaobohne auch als Gemüse zählt. Schokolade ist nämlich das einzige, was ich in diversen Formen täglich mehrfach zu mir nehme, epochenübergreifend.

Und nun versucht Half also, mich an die vielseitige, gemüsereiche Ernährung heran zu führen. Sendungsbewusst wie ein wohlgenährter katholischer Prediger bei einem Kannibalen-Stamm am Amazonas. Und genauso chancenlos.

Ich bin nämlich gerade in der Blüte meiner Ziegengouda-Epoche. Ziegengouda auf getoastetem Kürbiskernbrot, um genau zu sein (köstlich!). Stur wie ein alter Esel will ich einfach nur Abend für Abend meine Käseschnittchen. Und zum Nachtisch einen Puddis-Schokopudding, bitte. Immer.

Gestern am Abendbrottisch nach dem dritten „Und du willst wirklich keinen Broccoli?“ platzte mir der Kragen.

„Zum hundersten Mal: nein! Danke! Für mich keinen Broccoli!“, fuhr ich ihn an. „Warum müssen Männer immer missionieren?“

„Keine Ahnung. Für alle kann ich nicht sprechen. Ich weiß nur, dass ich dich einfach möglichst lange bei mir haben will…“, erwiderte er erschrocken.

„Gut…“, knurrte ich.“Okay. Das ist natürlich ein Argument. Verständlich.“ Gerührt machte ich neben meinem Schnittchen ein bisschen Platz für das doofe Gemüse.

"Kriege ich die Hälfte von deinem Pudding?", fragte er kurz darauf und grinste. "Zu viel Süßes ist nicht gut."

"Vergiss es…", sagte ich.

Man muss auch Grenzen setzen. Regel Nummer 2 einer harmonischen Partnerschaft.