Anleitung zum Entlieben

08.07.2012 um 17:35 Uhr

Grillsaison

von: Lapared

In Taiwan gibt es einen Fotografen, der macht Bilder von Hunden, kurz bevor sie eingeschläfert werden. Nicht einfach Aufnahmen, die die todgeweihten Köterchen in ihren letzten Momenten zeigen. Sondern sorgfältig inszenierte Porträts, auf denen die Hunde mindestens so wichtig wirken und so würdevoll wie Präsident Obama oder Kanzlerin Merkel auf dem Titelblatt des Time Magazine. Mit behutsam gesetztem Licht, stimmiger Pose, gewähltem Hintergrund… und dem hohen Anspruch seitens des Fotografen, nicht bloß das Äußere abzubilden, sondern das innerste Wesen des Porträtierten sichtbar machen zu wollen. Wahrscheinlich wurde den meisten dieser Kläfferchen in ihrem ganzen Leben nie so viel Aufmerksam zuteil wie bei diesem einen Foto.

Denn der Fotograf fotografiert keine altersschwachen vierbeinigen Freunde kurz vorm Gnadentod. Er handelt nicht im Auftrag betuchter Herrchen oder Frauchen, die von ihren treuen Gefährten, kurz bevor sie sie von irgendeinem unheilbaren Leid erlösen, noch ein letztes Erinnerungsfoto haben wollen. Der Fotograf porträtiert die Insassen eines staatlichen Tierheims - ist das nicht groß? Obwohl denen eine schöne Wurst zum Abschied wahrscheinlich lieber gewesen wäre als ein Hochglanzfoto.

In solchen Heimen landen all die verlausten Streuner und ausgesetzten Vierbeiner, von denen es in Taiwans Städten viel zu viele gibt. Wahrscheinlich deshalb, weil – laut Tierschützern - die überwiegend buddhistische Bevölkerung glaubt, dass böse Menschen als Hunde wiedergeboren werden. Hunde in Taiwan haben da wohl ein echtes Imageproblem. Nur als Welpen sind sie als Spielzeug noch beliebt, werden sie dann älter, werden viele einfach auf die Straße gesetzt. Dort machen die Tierfänger auf sie Jagd und liefern sie dann in solchen Heimen ab. Nach durchschnittlichen 12 Tagen Wartefrist werden sie meistens von dort aus ins ewige Schlummerland befördert. Die armen Hunde. Mögen Sie alle als Kühe wiedergeboren werden. In Indien, versteht sich.

Viel besser und genauer ist das alles übrigens auf SPIEGEL ONLINE nachzulesen. Dort kann man sich vor allem auch die Fotos ansehen. Und ein paar Tränchen abdrücken, wenn man so nah am Wasser gebaut hat wie ich.

http://www.spiegel.de/panorama/fotograf-in-taiwan-macht-bilder-von-hunden-vor-einschlaeferung-a-842749.html.

Der Fotograf will durch seine Fotos das Bewusstsein in seinem Land zu verändern. „Ich hoffe, dass diese Bilder die Betrachter dazu bringen, über diese bedauernswerten Leben nachzudenken, mit den Tieren zu fühlen und die Unmenschlichkeit zu verstehen, der sie durch die Gesellschaft ausgesetzt werden", sagt er.

Ich wünschte, hier bei uns würde ein Fotograf auch mal solche Fotos machen. Nicht von Hunden, aber von den armen Schweinen und Rindviecherchen und Hühnchen, bevor sie in unseren Schlachthöfen abgemurkst werden.

So, das war jetzt mal mein Beitrag zur Grillsaison.