Anleitung zum Entlieben

15.01.2006 um 22:36 Uhr

Anwesende wie immer ausgeschlossen

von: Lapared

Ich arbeite, wie man so sagt, in der Dienstleistungsbranche. Deshalb muss ich häufig abends lange arbeiten und auch am Wochenende sehr oft ran. Der Kunde wartet nicht gern, das finde ich ganz normal. Was ich nicht normal finde: Warum müssen andere Dienstleister das nicht? Warum ist es mir, wenn ich arbeite, völlig unmöglich, mal zu „meiner Bank“ zu gehen? Oder zum Amt? Oder zur Post, um dieses verfluchte Päckchen abzuholen? Die machen um neun auf, da habe ich schon drei Meetings und zwei Einläufe hinter mir, und um achtzehn Uhr dicht, da hab ich Bergfest. Und über Mittag machen diese Schwerstarbeiter auch noch ein Stündchen Siesta. Um ja nicht dem Sturm der gestressten Idioten ausgesetzt zu sein, die die Mittagspause für Erledigungen nutzen wollen und dabei diese wirklich fiese Unruhe verbreiten. Wo man sich als Postbeamter doch mal gemütlich über sein burn-out-Syndrom ausbreiten will. Und bei den Kollegen Rat einholen, welcher Arzt einen besonders wachen Blick dafür hat.

Zum Hintergrund. Heute Vormittag habe ich mal einen vorsichtigen Blick in meinen Briefstapel geworfen. Tausend Sachen, die ich machen müsste, aber zu denen ich nicht komme. Wie schaffen andere das nur? Muss ich wirklich, wie Curd Rock meint, einfach nur eher aufstehen? Aber wozu? Um durch die verschlossene Tür dem Afrikaner zuzusehen, der seit vier Uhr morgen für 6 Euro die Stunde in irgendwelchen Behörden die Böden schrubbt? Und der nichts lieber täte, als mir stattdessen um acht Uhr mein Päckchen zu geben?

Nein, ich hatte heute keinen Crash mit Babsi. Und mit D. habe ich auch nicht gesprochen, das kann warten, bis wir uns persönlich sehen. Es ist einfach nur… es ist einfach nur… ist doch wahr.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenlucha schreibt am 16.01.2006 um 13:08 Uhr:Du sprichst mit sooooo aus der Seele, wohltuend, das mal zu lesen! Okay, auch mal nach \"unten\" schauen, das kann dann auch schon helfen; aber: Ist doch wahr: In unserer Gesellschaft ist ganz vieles schräg und das muss dann auch formuliert werden, denn sonst ändert sich nichts. Selbstkritik und Bescheidenheit ist eben nicht immer das richtige Rezept!

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