Anleitung zum Entlieben

28.08.2006 um 17:10 Uhr

Bon Voyage

von: Lapared

„Das ist gut!“ sagt meine Schwester, als ich ihr erzähle, dass ich dabei bin, jenem Impuls aufzulauern, der seit einigen Tagen regelmäßig in dieser blauen Minute unmittelbar vorm Einschlafen wie ein bis dahin stummer Cowboy plötzlich seinen Kopf hebt und mir von der anderen Seite des Tresen mit einem Glas Whisky in der Hand lallend zuprostet: „Auf Dich... ab morgen ändern wir Dein Leben, Baby!“ - „Das ist sehr gut!“ wiederholt meine Schwester nachdrücklich, „jede Reise beginnt mit dem ersten Schritt.“ - „Findste?“ sage ich gerührt und gleichzeitig tief angewidert von so einer Sülze. „Ja, Du spürst Deinem Unbehagen nach, Du gehst ihm auf den Grund, das ist der erste Schritt!“ Meine eigene Schwester. „Aber wer geht heute schon noch zu Fuß, man greift zum Hörer, bestellt ein Taxi und fährt zum Flughafen... ich meine, irgendwie habe ich das Gefühl, dass ich mit Nachspüren und auf den Grund gehen nicht weiter komme.“ In der Tat ist es so, dass meine nächtlichen Impulse tagsüber schnarchend auf dem Rücken liegen. „Was ich sagen will... Ich glaub, so dauert die Reise zu lang, ich brauch´ den Turbo, ich brauch jemand, der mir in den Arsch tritt, ich glaub... ich mach ´ne Therapie! “ – „Super, das find ich toll! Fantastisch!“ – „Ja, fantastisch. Ich hab nur die Befürchtung… also vorhin, als ich am Telefon die Stimme von der Nase hörte...  dieses Bedächtige, Einfühlsame, Therapeutische! Was, wenn nun nicht er mir sondern ich ihm in den Arsch trete?! Weil ich das einfach nicht ertrage? Gilt das dann auch als erster Schritt?!“ – „Klar Lchen, alles was nach vorne gerichtet ist... wenn ER es nicht ist, dann vielleicht ein anderer, aber es ist ein erster Schritt!“

Er hat übrigens nur angerufen, um mir mitzuteilen, dass es mindestens noch 6 Wochen dauert. Der Turbo.

Aber vielleicht, denke ich plötzlich, geht´s ja gar nicht um Tempo, Zackigkeit, Dynamik. Sondern darum, herauszubekommen, wo es eigentlich hingehen soll. Ruhig und bedächtig. Vielleicht ist das die eigentliche Beschleunigung beim Reisen. Vielleicht ist der Typ gar nicht so übel?!

Und im selben Moment, in dem ich das denke, sehe ich da meinen inneren Cowboy, am helllichten Tag, mit einem Glas Apfelschorle in der Hand. Ein Grund mehr oder weniger zur Therapie?

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenwalkunafraid schreibt am 28.08.2006 um 17:55 Uhr:einer mehr
  2. zitierenerphschwester schreibt am 28.08.2006 um 17:57 Uhr:der weg ist das ziel, aber - bittschön! - mache das mal einer jemandem mit bluthochdruck klar.
  3. zitierenNLN schreibt am 29.08.2006 um 14:48 Uhr:deine Unzufriedenheit braucht Therapie.........und dass geht nicht schnell genug...........Unzufriedenheit?

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