Anleitung zum Entlieben

21.09.2006 um 23:51 Uhr

Damensack

von: Lapared

Sogar Olli geht mir auf den Sack. Dabei war ich so froh, dass das Schicksal uns an der Quarkfront endlich wieder zusammengeführt hatte. Vereint mit meinem alten Kameraden wird das ab jetzt ein Spaziergang, hatte ich vor drei Tagen noch gedacht. Doch heute fiel mir auf, dass der Mann, mit dem ich schon mal 10 Jahre ohne die leiseste Missstimmung erfolgreich zusammengearbeitet habe, irgendwie ziemliche Dickstrahler-Allüren hat. Und natürlich frage ich mich, woran es liegt, ob tatsächlich er sich verändert hat, oder ich. Geht mir auf den Sack... hätte ich früher auf den Sack geschrieben? Nämlich auch nicht. Wo ist sie nur geblieben, die sprichwörtliche Laparedsche Milde, die gewählte Formulierung, die differenzierte, die moderate, die verständnisvolle Sicht? Im Arsch, will mir scheinen.

Wie einfach er es sich macht! Schmeißt mir ein paar halbgaare Bröckchen hin, Ideenkrümel, „Könnte man nicht vielleicht irgendwie so irgendwas mit diesem oder jenem machen, irgendwie...“ und Laparechen rattert los. „Ja vielleicht, vielleicht wenn man das so macht, oder so, ich probier mal!“ Und während er sich in stolz geschwellter Befruchterpose zufrieden wieder der ran-Webseite widmet, sitze ich stundenlang da, schreibe, feile, bebrüte den Krümel, bringe in schriftreifer Form nieder, was er möglicherweise bestimmt nur gemeint haben könnte und empfinde bei all dem auch noch tiefste Ehrfurcht und Dankbarkeit für seine Inspiration. Ohne die ich nichts zu schrieben hätte, nichts zu feilen hätte, nichts wäre, eigentlich.

Wenn ich dann endlich so weit bin und - meinerseits nun auch ein bisschen stolz - verlese, was ich aus dem Krümel hübsches Rundes gemacht habe, guckt er mich nur gelangweilt an und brummt: „So kann´s gehen, hab ich doch gesagt.“ Danach lehnt er sich mit verschränkten Armen zurück, schließt die Augen, wirft die Stirn in Schöpferfalten, bereit ein weiteres Mal Gold zu scheißen. Laparedchen spitzt unterdessen beflissen den Bleistift, lauscht, ist fertig zum Dikat.

Natürlich, und das mache ich mir in solchen Situationen sehr schnell klar, ist ein Unterlegenheitsgefühl nicht angebracht, von keiner Seite. Natürlich ist es wie bei jeder Befruchtungssache am Ende stets ein Gemeinschaftwerk. Auch wenn Erzeuger sich tradionell unentbehrlicher fühlen, als die, die nach langen Mühen endlich „austragen“, was ihr planloser Befruchter im Sekundenakt aus ihm herausbrechender Kreativität gepflanzt hat. Doch egal, wie wichtig dieser oder jener tut, am Ende haben es immer beide gemacht, denke ich. Und das weiß Olli auch, sage ich mir. Und beruhige mich.

Schon regt sich der Meister - bereit erneut seinen Samen zu streuen? Nein, kein Streuen, eigentlich eher ein Schnarchen, ich lächle, denn es ist so männlich, dieses grunzende Nickerchen danach. Ich lasse ihn. Kurz darauf wacht er von alleine auf, sie wachen immer von alleine auf. „Mensch Laparedchen“, sagt er, „von Dir kommt gar nichts, mit Dir pennt man echt ein!“

Und ich denke… Mensch Ollichen, Du gehst mir auf den Sack. Jawohl, auf den Sack. Meinen moderaten kleinen Damensack.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenKFM schreibt am 22.09.2006 um 00:41 Uhr:Ihr seid alle viel zu satt.
  2. zitierenBloomsbury schreibt am 22.09.2006 um 20:25 Uhr:Der Kommentar ist aber mutig. Kaum einer bringt etwas kritisches. Dabei hat Lapared mal geschrieben, sie bräuchte einen Tritt in den A***. Ich frage mich nur, vom wem. Etwa von einem von uns Lesern?
  3. zitierenKFM schreibt am 22.09.2006 um 22:32 Uhr:Ein Kommentar ist ein Kommentar und keine Kuschelveranstaltung.
  4. zitierenMarle schreibt am 23.09.2006 um 14:18 Uhr:Zu satt?

    Hunger allein ist auch kein Verdienst. Zufriedenheit übrigens in vielen Fällen auch nicht. Sattheit hingegen ist in vielen Fällen ein Zeichen dafür, dass der Betreffende es zumindest hinkriegt, seine Brötchen zu verdienen. Kein Grund zum Vorwurf.

    Und im Übrigen: Lieber satt und unzufrieden als hungrig und unzufrieden. Und: Lieber unzufrieden und interessant, als unzufrieden und langweilig. Zumindest aus Lesersicht.
  5. zitierensnufkyn_blues schreibt am 23.09.2006 um 14:33 Uhr:kuschelveranstaltung? "höm" ?!
    statt "gehst mir aufn moderaten damensack" zu denken, solltest du s mal reziproker weise verbalisieren.
    ä-höm!
    ausserdem, sieh das alles nicht so sexistisch (=männlich), damit beisstu dir doch nur in den eigenen schwanz haha
  6. zitierenlucha schreibt am 24.09.2006 um 20:46 Uhr:Zu der satten Kuschelveranstaltung: Ein sattes Rülps!!!

Diesen Eintrag kommentieren

Bitte beachte: Gästebucheinträge in diesem Weblog werden erst nach Freigabe durch den Autor angezeigt.