Anleitung zum Entlieben

23.12.2005 um 23:39 Uhr

Das große Weihnachts-Special "Familie"

von: Lapared

Weihnachtszeit, Familienzeit. Ich besuche wie gesagt meine Eltern. Ein hübscher Anlass, mal darüber nachzudenken, ob ich das nicht auch später mal will: mit meinen Kindern an der Weihnachtstafel sitzen, bei Gans und Kerzenschein, und in ihrem Lächeln die Anstrengung lesen, die es sie kostet, mir keinen Brokkoli zwischen die Augen zu rammen, dafür, dass ich vor 30 Jahren ihre erste gemalte Schnecke für eine Bratpfanne gehalten und damit den Grundstein ihrer heutigen Beziehungsunfähigkeit gelegt habe.

Im Ernst. Dick zum Beispiel will ja Haus und Hund und Kinder. Ein Haus ist eine feine Sache, mit dem entsprechenden Personal (sorry, ich bin Jungfrau, ich will es sauber, aber mit Aszendent Faultier, ich kann keine 200 qm putzen). Hund? Die Fürsorge für ein Lebewesen, das sich öffentlich paart und sich nicht die Zähne putzt lehne ich grundsätzlich ab. Für treue Blicke habe ich Curd. Sein IQ ist in etwa der einer Töhle, aber er riecht nicht aus dem Mund, haart nicht, im Flieger brauche ich keine Genehmigung für ihn, und sollte er je auf die Idee kommen, einen meiner Schuhe zu zerbeißen, schmeiße ich ihn einfach weg. Tja und Kinder...? Ich bin jedenfalls nicht der Typ, der in Kinderwagen guckt. Wenn ich mit Menschen unter 120 cm zu tun habe, gehe ich nicht mal in die Knie. Ich schaue grinsend auf sie runter und sag „Tach, Wurm!“ Würde ich jemals ein Kind haben wollen, dann höchstens so eins wie Baby Maya von dem knackigen Bestatter Ned aus „Six Feet Under“. Eins, das mit großen Augen schweigend der Welt zuschaut und manchmal leise lächelt wie ein alter Buddha, vermutlich weil es kackt. Aber ich, ich bekäme bestimmt so ein krähendes kleines Arschloch mit allen möglichen Allergien und Integrationsproblemen schon auf der Säuglingsstation. Egal wie lange ich meinen Uterus pränatal mit Mozart oder Walgesang beschalle. Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm.

Also werde ich, wenn ich so alt bin wie meine Eltern, wohl am Heiligabend alleine sein. Halleluja.

So, und jetzt muss ich noch die 300 Geschenke einpacken, die ich für die beiden gekauft habe, und ich bin ziemlich zuversichtlich, dass dieses Jahr der eine oder andere Treffer dabei ist, z.B. die reinen Angorapätschchen für meinen Pa, weil er doch immer so kalte Füße hat. Die werden der Renner.
Irgendwie denke ich immer, wer weiß, wie lange sie noch leben, wer weiß, wie viele Weihnachten wir noch zusammen haben, wie oft ich mich noch darüber aufregen kann, dass mein Mutter schmatzt wie ein Elch und mein Vater beim Auspacken das Tesa abknibbelt, damit man das Geschenkpapier nächstes Jahr noch mal verwenden kann. Ich kann mir ein Weihnachten ohne sie nicht vorstellen.

Das ist eben das Verlockende an Kindern... dass sie einem trotz aller verkannter Frühwerke und pädagogischer Untaten später noch Angorapätschchen schenken. Der Traum der bedingungslosen, ewigen Liebe, mit so einem krähenden kleinen Arsch würde er wahr.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierendieFee schreibt am 23.12.2005 um 23:54 Uhr:*CurdschnelldieOhrenzuhalt* …sie meint das jetzt nicht so! *beruhig*
  2. zitierenChamundi schreibt am 12.03.2009 um 23:48 Uhr:Ich lese jetzt schon seit geraumer Weile dieses Blog, schön chronologisch von hinten angefangen, habe mitgelitten, mitgeschmunzelt und so manche Dinge kommen mir verdammt bekannt vor - aber so gelacht wie bei diesem Eintrag habe ich schon lange nicht mehr! Danke - you made my day!

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