Anleitung zum Entlieben

12.07.2005 um 23:52 Uhr

Der nette Mann aus dem Bad

von: Lapared

Was war eigentlich das Letzte, das ich über „netten Mann aus dem Freibad“ habe verlauten lassen. Ich glaube, dass ich ihn doch nicht so nett finde, nett im Sinne von verliebensrelevant. Das hat sich inzwischen ein wenig geändert. Und seit dem ich weiß, dass er nicht zu haben ist, hat sich das sogar ganz erheblich geändert. Merkste was? Es ist zum Verrücktwerden! Ziehen mich etwa nur Männer an, die – aus welchem Grund aus immer – unerreichbar sind? Will ich immer genau die, die nicht zu haben sind? Und wenn, was soll der Scheiß? Will ich um alles in der Welt das Eine vermeiden, was mir auf gar keinen Fall passieren darf: glücklich sein? Kurz gesagt: Bin ich bekloppt?

Ich sage mal... nö. Aber meine Psychologin, die ich nicht habe, hätte für dieselben Fragen – und natürlich ein paar von diesen fantastisch durchdringenden Psychologinnen-Blicken obendrauf - verteilt auf fünf Sitzungen den Gegenwert eines 42 Zoll-Flachbildfernsehers kassiert. Und in Gedanken schon die Mäuse für die fünfhundert weiteren Sitzungen verpulvert, die es mindestens brauchen dürfte, meine „Muster“ (Psychologen lieben Muster!) meinem Erkennen zuzuführen und zu „durchbrechen“. Durchbrechen, auch was ganz Feines.

Die Wahrheit, meine Wahrheit, ist die: Ich habe diesen Mann in den letzten Wochen ein paar mal zufällig gesehen, wir haben uns jedes Mal sehr nett unterhalten, er ist klug, attraktiv, selbstbewusst und hat eine Stimme, die stehenden Fußes an die Nackenhaarwurzeln geht, ruhig und dunkel und sanft und... Sehr angenehm eben. Außerdem ist er Arzt und Ärzte finde ich, Zahnärzte ausgenommen, sowieso sexy. Helden, Retter eben, wie Feuerwehrmänner nur – akademikerinnenfreundlich - studiert. So. Und weil ich gemerkt habe, dass er mir zunehmend gut gefällt, hab ich ihn heute ganz beiläufig gefragt, wo seine Freundin denn arbeitet, und er antwortete ganz beiläufig „im Kindergarten“, wodurch festgestellt sein dürfte, dass er eine Freundin hat, und dass es höchste Eisenbahn ist, mich gegen seinen scheiß säuselnden Retter-Charme bis an die Goldkronen zu wappnen, weil ich genug hab von Helden, die nicht zu haben sind, das ist klar, das ist keine Frage, aber man wird es ja wohl ein klein wenig bedauern dürfen, ohne deshalb gleich als bekloppt dazustehen. Hmpf.

Zumindest kommen in diesem Eintrag nicht ein einziges Mal die drei Zahlen vor. Obwohl er angerufen hat. Er hatte den Text gefunden. In dem Buch. Ich hatte gedacht, er würde ausrasten, schließlich ist es auch seine Geschichte. Aber er fand ihn toll. Den und auch die anderen Texte, die ich dort veröffentlicht habe. Er fand sie ganz toll.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenclub schreibt am 13.07.2005 um 10:13 Uhr:Sie sind auch toll, deine Texte in dem Buch. Der Hammer, sozusagen. Hab sie gelesen, mehrfach sogar. Wie überhaupt das ganze Buch! Wer kommt nur auf solch eine bescheuerte Idee? Irre …

    club
  2. zitierenchaos schreibt am 13.07.2005 um 16:57 Uhr:Du hast wirklich eine tolle Art zu schreiben. Deine Texte sind viel zu gut für ein Weblog!!

    Deine Erfahrungen mit der Anteilnahme auf Familienfesten kann ich nur allzu gut nachempfinden. Hinzu kommen noch die verzweifelten Versuche der Eltern eine Erklärung für das Single-Dasein der Tochter zu finden. Nach dem Motto \"Sie arbeitet ja auch so viel...\" Na super....
  3. zitierenclub schreibt am 13.07.2005 um 21:40 Uhr:Also ich kann chaos da nur auf ganzer Linie Recht geben: Viel zu gut für ein Weblog! Perlen vor die Säue, hätt ich fast gesagt (Sorry, chaos, wirklich nicht persönlich gemeint …). Aber du hast immerhin inzwischen 1156 Besucher in deinem Blog gehabt, insofern solltest du vielleicht doch am Bällchen bleiben …
  4. zitierenclub schreibt am 13.07.2005 um 21:43 Uhr:… dennoch: Es gibt Alternativen!

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