Anleitung zum Entlieben

24.08.2006 um 21:31 Uhr

Ex-Talk

von: Lapared

Eigentlich rede ich ja nicht mehr von ihm.

„Heute Nacht habe ich geträumt, ich wäre mit Pierre Price über den Rhein geschwommen...“

Um meiner Schwester meine allerdings fast täglichen Rückfälle ein wenig angenehmer zu gestalten, ersetze ich Dicks Namen beim Ex-Talk inzwischen durch den ihrer ersten großen Liebe. Sie schaltet dann ab und schwelgt in Erinnerungen, während ich selbst in aller psychohygienisch notwendigen Breite erzähle. Das funktioniert ganz wunderbar.

„Erstens: Die Bedeutung Deines Traums liegt auf der Hand: Von so einem Kerl kriegst Du Ausschlag. Und zweitens: Lass Winnetou da raus.“

Meistens.

„Wir sind erst hin geschwommen…“ – „Und dann, lass mich raten, wieder zurück!?“ – „Genau.“ - „Also unsinnig war es außerdem. Wenn du noch mal im Traum über den Rhein schwimmst, möchte ich, dass am anderen Ufer mindestens George Clooney auf Dich wartet. Nackt.“ Vom Idianerhäuptling zum Kinderarzt, 35 Jahre haben ihren Geschmack im Bezug auf Männer reifen lassen.

„Nein, niemand hat am anderen Ufer gewartet es war... nur so.“ - „Nur so? Nur so ist doch schön. Ich hab schon befürchtet, Du denkst, der Traum bedeutet, dass Ihr gemeinsam alle Hindernisse überwindet oder so.“ - „Nein, er bedeutet nichts... nichts Symbolisches.“ – „Ich liebe Deinen klaren, unbestechlichen Verstand.“ - „Er bedeutet, dass wir über den Rhein geschwommen sind. Ich meine... wir sind über den Rhein geschwommen. Es war eigentlich gar kein Traum, mehr eine Erinnerung, aber eben im Schlaf.“ – „Wie bitte? Als Symbolik ist das ja noch entschuldbar, aber warum um Himmels willen schwimmt Ihr in Wirklichkeit durch dieses Brühe.“ – „Aus Spaß... Und um einander zu zeigen, dass wir gemeinsam Hindernisse überwinden - ist das nicht wahnsinnig romantisch?“ – „Wahnsinnig ja, romantisch nur, wenn Ihr Kerzen und einen Stehgeiger dabei hattet, was ich nicht annehme.“ - „Komm...“ – „Und außerdem! Das ist wieder SO typisch! Gemeinsam Hindernisse überwinden, gemeinsam Hindernisse überwinden... mit dem einen Unterschied, dass es für IHN ein gemeinsamer Klacks war, weil er quasi Profischwimmer ist, und für DICH als Badeente, die sonst nur Pools und Badewannen kennt, faktisch Lebensgefahr!“ – „So kann man das nicht...“ - „Für ihn ist das alles vertraut, er ist in seinem Element, und Du springst ins unbekannte Wasser!“ – „Nein, also, so kannst Du das wirklich nicht...“ - „Er hat immer mit einem anderen Menschen zusammengelebt, für Dich war das alles ganz neu!“ – „Stop!“ – „Warum habt Ihr Euch nicht gemeinsam durch die Speisekarte von Burger King gefressen, dass wäre für ihn eine Herausforderung gewesen und für Dich ein Spaziergang?!“ – „Weil der Campingplatz am Rhein lag und nicht neben Burger King!“ – „Warum habt Ihr es nicht erst mal mit einer Wochenendbeziehung versucht, das wäre für Dich normal gewesen und für ihn was Neues!? Und Du! Rindvieh! Schwimmst mit ihm durch den Rhein!“ - „Na ja... Es war auch für mich nicht sooo eine Herausforderung... was ich vielleicht erwähnen sollte... also der Rhein… der Rhein war an der Stelle ungefähr zehn Meter breit.“

Auch das ist so wunderbar an meine Schwester. Sie weiß einfach, wann sie sich verrannt hat. Und schlendert - erhobenen Hauptes das Handtäschchen schlenkernd - ohne jede Eile zurück.

„Egal, Rhein bleibt Rhein. Zurück zu Pierre Price, was habt Ihr zwei denn noch alles so gemacht...“

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenValley schreibt am 25.08.2006 um 16:04 Uhr:Lapared, ich mag Dich und den Curd sooooo gerne.
    Ihr seid eine tolle Inspiration. Du, weil Du so schön schreibst / Curd, weil er der attraktivste Bommelmützenträger der Welt ist und natürlich auch schön schreibt :-)
    Valley

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