Anleitung zum Entlieben

17.01.2006 um 23:18 Uhr

Grenzpathologie

von: Lapared

Meine Schwester, meiner Meinung nach pathologisch eifersüchtig und zweifellos wahnsinnig gewieft, wenn es um das Sammeln belastenden Indizien geht, rät dringend zur verdeckten Observation. „So weit kommt es noch“, sag ich. Das Eifersuchtsgen, obwohl elterlicherseits dominant vererbt, ist bei mir durch einen Geburtsschaden weitgehend deaktiviert.

Mein Schwester, ihrerseits der Meinung, dass Eifersucht „der Schatten des Herzens“ und ihr eigener Schatten auf jeden Fall subklinisch sei, sieht ganz andere Defekte. „Keine Eifersucht, keine Liebe“, sagt sie, und redet mein eben noch stolz strahlendes Lämpchen fast wieder in einen manifesten Minderwertigkeitskomplex.

„Ich bin eifersüchtig“, sagt ich, „rasend eifersüchtig. Sobald ich weiß, dass ich wirklich Grund dazu habe!“ – „Himmel, Du hast nicht mal das Wesen der Eifersucht kapiert“, stöhnt meine Schwester, „Eifersucht, jedenfalls gehobene, phantasievolle Eifersucht wie in unserer Familie üblich, ist eine Angst und keine primitive Gewissheit. Es ist die Furcht vorm Zahnarzt nicht der Schmerz, wenn er tatsächlich bohrt. – „Hübsche Metapher“, nicke ich und straffe die Schulter, „aber Dick bohrt nicht, da bin ich ganz sicher.“ – „Und wieso?“ – „Weil er es sagt. Und weil er alles hätte erklären könnte, wenn ich ihn ein einziges Mal mehr als drei Worte hätte sagen lassen!“ – „Du bist nicht meine Schwester, Du kannst unmöglich meine Schwester sein. Ich wette, Mutter hatte was mir dem Briefträger!“

Pathologisch, hab ich´s nicht gesagt?!

Aber um das noch mal zu betonen. Ich glaube wirklich, dass D. mich nicht betrügt. Vielleicht bin ich nur so auf ihn los gegangen, weil es so gut tat, einmal nicht die Böse zu sein, die, die immer noch viel zu oft an einen anderen denkt. Aber tief in meinem Innern weiß ich, D. ist ein Guter, ganz sicher. Die Frage, wann Naivität pathologisch wird, klären wir dann beim nächsten Mal.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenlucha schreibt am 18.01.2006 um 17:45 Uhr:Pathologisch, klar, aber auch dich unheimlich liebend - und daher tierisch in Sorge, dass man Dir weh tun könnte! Aber schon heftig schräg, Deine Schwester!



    Aber so ein kleiner Kern Berechtigung hat ihr Gequake ja nun schon: Glaubst du echt, er sagt dir die Wahrheit? Maybe yes, maybe no! Anyway, du wirst es ohnehin nicht rauskriegen! Daher: Klares Gespräch über Deine Ängste, Zweifel und Deine Erwartungen an eine Beziehung mit ihm; Deine Verantwortung ist es, nicht so wahnhaft und paranoid wie Deine Schwester zu sein, er ist aber verantwortlich dafür, keine Zweifel bei Dir aufkommen zu lassen, und dazu reichen sicherlich nicht Millionen von SMS oder Post-its!

Diesen Eintrag kommentieren

Bitte beachte: Gästebucheinträge in diesem Weblog werden erst nach Freigabe durch den Autor angezeigt.