Hasel und Birke
Nachdem ich mich vorher gewissenhaft informiert hatte, was zur Zeit so durch die Luft schwirrt, bin ich dann doch in die Agentur.„Hasel und Birke“, sage ich fachmännisch jedem, der es hören will, denn deren Pollen, steht im Allergiekalender, sind gerade angesagt. Man, Du siehst beschissen aus! hagelt es sensiblen Zuspruch. Aber bei mir geht es wieder weg, denke ich, Pfannkuchengesicht.
Im Fahrstuhl auf dem Weg in die Mittagspause treffe ich die Praktikantin, Sabeth, Sarah, keine Ahung. Sie schielt über ihre Gucci-Brille und ich entdecke genauso pralle kleine Schlauchboote, wie ich sie heute Morgen im Spiegel gesehen haben.“ – „Hasel und Birke?“ frage ich. „Heiko und Heiko“, sagt sie. Ich schiele über über meine Curd-Rock Brille „Angnehm, Dick und Dick“. Der Fahrstuhl war unten und wir zogen unserer Wege. Alles Gute, sister in pain, die Brille steht Dir nicht.
Meine wirkliche Schwester brüllt nur noch. Sie brüllt. „Ich begreife nicht, wie man den gleichen Fehler zweimal machen kann! Ich begreife das nicht! Es gibt wunderbare andere Fehler, neue Fehler, verlieb Dich in einen Zwanzigjährigen mit Mutterkomplex, verlieb Dich in einem Islamisten und verschleiere Dich, verlieb Dich in einen katholischen CDU-Abgeordneten, dann wirst Du enterbt und ich bin reich, das wär was! Aber schon wieder ein verheirateter Mann, wie oft willst Du den gleichen Fehler machen, Du langweilst mich!“ Das ist natürlich das Schlimmste. Aber es gibt keine zwei gleichen Fehler. Es gibt keine zwei gleichen Fehler. Und der letzte Psychoschrei, darin das wieder kehrende Muster zu erkennen, ist nichts als intellektuelles Gewichse. Hurra, ein Muster, ich erkenne ein Muster, ein Muster! So what? Kluges Kind.
Jede Geschichte ist anders, auch wenn sie am Ende Schubladen bedient oder Statistiken bestätigt, das tut jede Geschichte. Wäre diese gut ausgegangen, hätten die Schubladensortierer gegrint: Oh, jetzt wird sie eine von diese späten Eppendorfer 3-Zi-Altbau-Tussen, die mit 40 schnell noch ein Balg rauspressen, um dann Sonntags mit Mann, Kind und Golden Retriever entnervt um die Alster zu marschieren. Versuche ich es weiter mit Dick, teile ich die Schublade mit den anderen dämlichen verzweifelten Frauen kurz vorm Verblühen, die sich als Geliebte hergeben um wenigstens nicht ganz allein zu sein. Bin ich wieder allein, bin ich eine von diesen traurigen kaufkraftstarken Großstadtsingles, die ihren einsamen trotz Pilates erschlaffenden Hintern mit teuren Fummeln behängen, damit vielleicht doch noch einen anbeißt, und die schließlich mit einem Schoßhund enden. So oder so, dem Klischee entkommt man nicht, das Klischee schreckt mich nicht. Ich wäre nur gern ein halbwegs glückliches Klischee.
Das ziemlich unglückliche Klischee hat vorhin noch mal einen Anruf bekommen. Zeit für den finalen Abgesang, Zeit für den Austausch der - wie Miranda es nennt - „Danke Du hast mein Leben bereichert-Reden“ und den letzten „und nun ziehe weiter, entwickle Dich-Gruß“, schnell war er ja immer schon. Ganz im Gegensatz zu mir. So weit bin ich noch nicht. Ich war nicht vorbereitet und musste improvisieren und so war alles, was mir einfiel „Danke, Du hast meine Bikinisammlung bereichert und nun ziehe weiter, leck mich am Arsch.“ Ich denke, ich überarbeite meine Rede noch mal, insbesondere den ersten Teil, den kriegt man vielleicht noch knackiger hin. Und maile sie ihm dann in ein paar Tagen oder Wochen. Oder auch nie.
Im Fahrstuhl auf dem Weg in die Mittagspause treffe ich die Praktikantin, Sabeth, Sarah, keine Ahung. Sie schielt über ihre Gucci-Brille und ich entdecke genauso pralle kleine Schlauchboote, wie ich sie heute Morgen im Spiegel gesehen haben.“ – „Hasel und Birke?“ frage ich. „Heiko und Heiko“, sagt sie. Ich schiele über über meine Curd-Rock Brille „Angnehm, Dick und Dick“. Der Fahrstuhl war unten und wir zogen unserer Wege. Alles Gute, sister in pain, die Brille steht Dir nicht.
Meine wirkliche Schwester brüllt nur noch. Sie brüllt. „Ich begreife nicht, wie man den gleichen Fehler zweimal machen kann! Ich begreife das nicht! Es gibt wunderbare andere Fehler, neue Fehler, verlieb Dich in einen Zwanzigjährigen mit Mutterkomplex, verlieb Dich in einem Islamisten und verschleiere Dich, verlieb Dich in einen katholischen CDU-Abgeordneten, dann wirst Du enterbt und ich bin reich, das wär was! Aber schon wieder ein verheirateter Mann, wie oft willst Du den gleichen Fehler machen, Du langweilst mich!“ Das ist natürlich das Schlimmste. Aber es gibt keine zwei gleichen Fehler. Es gibt keine zwei gleichen Fehler. Und der letzte Psychoschrei, darin das wieder kehrende Muster zu erkennen, ist nichts als intellektuelles Gewichse. Hurra, ein Muster, ich erkenne ein Muster, ein Muster! So what? Kluges Kind.
Jede Geschichte ist anders, auch wenn sie am Ende Schubladen bedient oder Statistiken bestätigt, das tut jede Geschichte. Wäre diese gut ausgegangen, hätten die Schubladensortierer gegrint: Oh, jetzt wird sie eine von diese späten Eppendorfer 3-Zi-Altbau-Tussen, die mit 40 schnell noch ein Balg rauspressen, um dann Sonntags mit Mann, Kind und Golden Retriever entnervt um die Alster zu marschieren. Versuche ich es weiter mit Dick, teile ich die Schublade mit den anderen dämlichen verzweifelten Frauen kurz vorm Verblühen, die sich als Geliebte hergeben um wenigstens nicht ganz allein zu sein. Bin ich wieder allein, bin ich eine von diesen traurigen kaufkraftstarken Großstadtsingles, die ihren einsamen trotz Pilates erschlaffenden Hintern mit teuren Fummeln behängen, damit vielleicht doch noch einen anbeißt, und die schließlich mit einem Schoßhund enden. So oder so, dem Klischee entkommt man nicht, das Klischee schreckt mich nicht. Ich wäre nur gern ein halbwegs glückliches Klischee.
Das ziemlich unglückliche Klischee hat vorhin noch mal einen Anruf bekommen. Zeit für den finalen Abgesang, Zeit für den Austausch der - wie Miranda es nennt - „Danke Du hast mein Leben bereichert-Reden“ und den letzten „und nun ziehe weiter, entwickle Dich-Gruß“, schnell war er ja immer schon. Ganz im Gegensatz zu mir. So weit bin ich noch nicht. Ich war nicht vorbereitet und musste improvisieren und so war alles, was mir einfiel „Danke, Du hast meine Bikinisammlung bereichert und nun ziehe weiter, leck mich am Arsch.“ Ich denke, ich überarbeite meine Rede noch mal, insbesondere den ersten Teil, den kriegt man vielleicht noch knackiger hin. Und maile sie ihm dann in ein paar Tagen oder Wochen. Oder auch nie.

Besser, ich halt mich da einfach raus.
Auch, wenn ich Deine Gefühle gut nachvollziehen kann und ich auch, wenn etwas geendet hatte, gern eine Strategie der verbrannten Erde gefahren war.
Fernbeziehungen machen es einfach erforderlich, dass man vertraut und erleichtern die abenteuerlichsten Betrugsszenarios enorm.
Es tut mir ja sehr leid, was Dir passiert ist, aber kannst Du Dir nicht einen Kern des Guten, Glaubwürdigen und Schönem aus dem Ganzen bewahren, für Dich?
Und von dieser Trunkenheit der Liebe wieder nüchtern und wahrnehmungsfähig werden für -sagen wir mal- einfach einen wunderschönen Frühlingstag?
Wir müssen ein Gefühl dafür entwickeln, für uns allein kein Gran weniger
wert zu sein als in einem Stadium permanenter Angehimmeltheit (die Du doch auch unerträglich fandest).
*springt in die Schublade für inkonsequente Plaudertaschen mit Helfersyndrom.;-))
Aber, meine Güte, bemitleide ich die wirklichen Allergiker. Das macht mein Leid ja schon fast wieder erträglich!
Liebe Grüße von novalee mit dem großen gebrochenen Fischherzchen