Anleitung zum Entlieben

09.11.2005 um 19:48 Uhr

Heidi vs Dick

von: Lapared

Heute finde ich dann einen Brief im Briefkasten. Von Heidi.

Hatte ich schon mal von Heidi geschrieben? Rosi ist wirklich nett. Nur: Heidi wohnt unter mir und hört daher jeden meiner Schritte (so ist das leider in diesem Haus). Davon wird Heidi wütend (ganz wütend, so als hieße sie Johanna oder Katharina) und würde am liebsten raufkommen und mir vors Schienbein treten. Aber Heidi ist eine Gefange ihres Namens, seiner Niedlichkeit. Seelisch und körperlich wirkt sie in ihren Namen förmlich eingefercht (ihr kleiner Körper wirkt, als hätte irgendwas – der Name! – ihr Wachstum unangemessen früh gestoppt.) Und so sitzt Heidi da unten in ihrer Wohnung, leidet, lauscht auf jeden Laut aus meiner Wohnung, und ihre Wut, die sie als Heidi nie zeigt, wirkt wie ein Corbra 4 Subwoofer Superverstärker, sodass sie schließlich sogar Dinge hört, die sie gar nicht hören kann (neulich stand sie vor meiner Tür, gequält lächelnd, mit einem Ölfläschchen in der Hand, um meine Türen zu ölen – die gar nicht quietschten).

Und heute also ein Brief. In feinster Heidi-Sonntags-Schrift. Und ich wette, sie hat ihn in drei Versionen vor- und danach erst ins Reine abgeschrieben.


Hallo!
Hier schreibt Dir Heidi. Die letzte Nacht war für mich wieder ein richtiger Alptraum (Ich schätze, sie meint die vorletzte, die letzte war ein Alptraum für MICH). Wir müssen da eine Lösung finden, ganz unabhängig von meinen Prüfungen. Mich nervt es total, so aktiv an Deinem Leben mit dran teilnehmen zu müssen. Ich habe tief geschlafen und war auch sehr müde, als ich ins Bett ging. Erst weckten mich schwere Schritte mehrmals, dann regelmäßiges Poltern, letztendlich war ich wach bis ihr dann nacheinander fertig ward. (Ich denke, mit dem etwas bissigen „nacheinander“ hat sie lange gerungen, wahrscheinlich gab es eine Schönschrift-Version mit und eine ohne „nacheinander“.) Bitte nehmt Rücksicht. Ich höre, wie gesagt, sogar Deinen Lichtschalter. Nur in der Schlafenszeit! (Und dann, das ist süß, noch in einer anderen Farbe im Nachhinein daneben geschrieben:) Und nur über meinem Schlafzimmer.

Sorry, liebe Grüße (LIEBE Grüße!!!)
Heidi

(Ich wette, sie musste sich zwingen, nicht vor lauter schlechtem Gewissen in alle vier Ecken Herzchen zu malen.)

Vorhin war ich unten, mit zwei Stückchen Käsetorte und einer Thermoskanne Kaffee, aber sie macht mir nicht auf. Wahrscheinlich ist ihr alles inzwischen äußerst peinlich und sie hat Angst mir über den Weg zu laufen.
Also blieb mir nichts anderes übrig, als ihr auch einen Brief zu schreiben...


Hallo Heidi,
ich wohne 18 Stufen über Dir. Wenn es irgendwann wieder ein Mal zu laut sein sollte, komm einfach rauf und boller kräftig an die Tür. Das ist besser, als wenn Du im Bett liegst, wütender und wütender wirst... und immer hellhöriger - übrigens bin ich ein bisschen neidisch, dass Du hören kannst, wenn D. „fertig ist“, bei mir macht er nie einen Laut :-)
Ich persönlich schlafe übrigens - seit ich vor 5 Jahren hier eingezogen bin - mit Ohrstöpseln. Weil auch die beiden Menschen, die über mir wohnen Beine haben. Und Stimmen. Und eine Toilettenspülung. Und gelegentlich Geschlechtsverkehr.
Bei www.sonicshop.de findest Du 20 verschiedene Ohrstöpsel-Arten. Ich persönlich empfehle die „MultiPlux“ von Ohropax. Sie haben eine mittlere Schalldämmung von 30 Dezibel, sind super bei hohen Frequenzen (z.B. dem Quietschen der Müllcontainer-Klappen im Hof) und wieder verwendbar. Die „Sleepsoft“ sind auch nicht schlecht, nicht so dämmend aber bequemer. Da hast Du nicht dieses „Völlegefühl“ im Ohr.
Aber das nur als Notlösung. Denn natürlich werde ich versuchen, in Zukunft leiser zu sein.

Liebe Grüße
L.

P.S. Glück für Dich, Pech für mich: D. ist Holländer und kommt nur alle paar Wochen.


Ich hoffe, der Brief ist in Ordnung so. Ich wollte auf keine Fall so einen herablassenden Du-bist-ja-nur-neidisch-weil-ich-Sex-habe-und-Du-Prüfungen-Tonfall anschlagen.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenschnuff schreibt am 09.11.2005 um 21:50 Uhr:Super!

    Bitte genau so abschicken. Er ist absolut geglückt, denn er macht es weder für sie, noch für dich peinlicher (was fast bei jeder Antwort angelegt ist), sondern

    bietet gleichzeitig Lösungsansätze und lustige Distanz, ohne zu verletzen.



    Bitte schicken

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