Anleitung zum Entlieben

18.03.2006 um 21:43 Uhr

Lernt lieber Französisch

von: Lapared

Wieder mal ein Plausch mit Maggie Bambi Thatcher.

Ich: „Wußtest Du, dass Tête à Tête wörtlich von Angesicht zu Angesicht heißt?“ – Sie: „Nein, aber dafür ich könnte bei einem Tête à Tête mit dem Papst Lateinisch mit ihm plaudern. Was soll die Frage, wir sind altsprachlich!?“ – „Das nützt uns aber nichts, wir werden kein Tête à Tête mit dem Papst haben, wir sind Protestanten und außerdem sind WIR Papst, Du könntest Deutsch mit ihm plaudern“ – „Und zu wissen, dass Tête à Tête wörtlich von Angesicht zu Angesicht heißt, würde uns mehr nützen?“ – „Allerdings. Mir zumindest hätte es genützt, ich hätte bestimmt nicht okay zurück gesimst.“ – „Aber vielleicht dackor!“ – „Das schreibt man anders!“ – „Das weißt Du doch nicht, Du kannst kein Französisch!“ - „Egal, was ich erzählen wollte... Dick hatte mir diese SMS geschrieben Morgen ein Tête à Tête zum Elefantenschießen? und ich dachte, er meint, ob wir morgen telefonieren, und hab okay gesimst.“ – „Ja, wenn mich jemand um ein Tête à Tête zum Elefantenschießen bitten würde, würde ich auch denken, er will mit mir Telefonieren.“ – „Mit Elefant meint er die Wut, die wir gerade mal wieder aufeinander haben – also, die nennt er immer Elefant - und er denkt, indem man redet, könnte man ihn bzw. sie ausräumen, erschießen quasi, deshalb.“ – „Hübsche Metapher.“ - „Eben, und da dachte ich Tête à Tête gehört auch zur Metapher, weil Morgen ein Telefonat zum Elefantenerschießen?, das würde man ja nicht sagen, oder?“ – „Niemals! – „Und außerdem wusste ich ja auch gar nicht, dass Tête à Tête wörtlich von Angesicht zu Angesicht heißt!“ – „...“ – „Und deshalb stand er gestern Abend einfach vor meiner Tür bzw. um die Ecke im Fettpuff.“ – „Na, so war es wenigstens eine Überraschung!“ – „So kann man es nennen.“ – „Du liebst ja Überraschungen!“ – „Über alles.“ – „Und, wie war´s!“ – „HÖM.“

PS. Ich hab ihm also Unrecht getan. Er hat sich nicht über mein Nein hinweggesetzt. Er hat nichts erzwungen, von dem er wusste, dass ich es nicht wollte, er ist schließlich nicht blöd.
Er hat es ergaunert. Denn mal unter uns: Ich glaube, er wusste ganz genau, dass ich ihn missverstanden habe. Erst die Absage und zwei Stunden später einfach lalülala okay? Und er fragt nicht mal zurück? Außerdem: Sonst schreibt er mir immer, wann er los fährt, wie er durchkommt, wann er voraussichtlich ankommt, ob er aus Holland noch „was“ mitbringen soll... Und diesmal: Nichts. Nach meinem okay war plötzlich absolute Stille. Das Nächste, was ich dann wieder hörte war Parke gerade vor Deiner Haustür. Warte auf Dich im Z. Aber drüben im Fettpuff nach 600 Kilometern im Auto - hätte ich ihm sagen sollen, dass ich das Manöver peile...?

Glucksende Frau durchschaut und schweigt.

PPS. Abgesehen vom HÖM haben wir auch den Elefanten erschossen. Redend. Es funktioniert. Und als ich heute Morgen zum Kundenpups musste, hat er es ohne allzu große Verstimmung geschluckt, als ich sagte, dass ich möchte, dass er, wenn er ausgeschlafen hat, bitte fahren soll, weil ich heute Abend wahrscheinlich lieber ein bisschen für mich sein will. Und jetzt vermisse ich ihn und das ist ein schönes Gefühl. Viel schöner als Ersticken. Ich weiß, es gibt ein noch schöneres: die Klospülung zu hören und zu wissen, dass der Mensch, den man liebt, da ist. Da. Das hatte ich auch schon mit ihm. In Amsterdam, in Rotterdam, und länderübergreifend in der Horizontalen... (alte Leute wie wir müssen zwischendurch mal). Aber solange ich nicht sicher bin, dass ich es daheim in meiner Wohnung auch vertikal empfinde, begnüge ich mich lieber mit dem Zweitschönsten. Und halte es ansonsten mit dem unerträglichen Kaiser: Schaun mer mal.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenNyx schreibt am 18.03.2006 um 23:43 Uhr:Sei keine 119 und auch keine 0, sei eine 1! Der Mann fährt 600 km für Dich um einen Elefanten zu schiessen... !!!
  2. zitierenMarle schreibt am 19.03.2006 um 12:33 Uhr:Ich verstehe echt nicht, dass das so schlimm ist, mit der Wohnung, Du liebst ihn und bist gerne mit ihm zusammen. Nur Deine Wohnung willst Du für Dich, na und? Es gibt nichts Schlimmeres als Ersticken. Und nichts Liebestötendes. Ich finde es gut, dass Du ihn wieder nachhause geschickt hast. Sag was Du willst, tu was Du sagst. Sonst wird er Deine Neins nie ernst nehmen und glauben, man muss Dich zu Deinem Glück zwingen.
  3. zitierenMm_Maharet schreibt am 20.03.2006 um 09:06 Uhr:hallo!



    was ich mir gerade gedacht habe ist, das ich Dick eigentlich ganz toll finde. Er scheint total intelligent zu sein, überhaupt viel symphatischer und reifer und überhaupt als 119. Ich finde auch seine vorstellung von beziehung und lieber und keinen Abstand brauchen viel natürlicher.



    Hat er nicht mal was von Therapie für dich gesagt? Und du dann was von \"wenn der Leidensdruck gross genug ist\"?

    Nun der Wert an Leidensdruck den du dafür rechentechnisch nehmen musst ist nicht der jetzige, sondern der Absehbare für:\"was passiert wenns so weitergeht.\"

    Also wieder die ganze entlieben müssen story von vorne mit Liebeskummer und allem. Dann wieder neue beziehung aufbauen- in der du vermutlich eh nur wieder mit den gleichen problemen konfrontiert würdest. Weil diese Kionstellation das immer einer wegrennt geht offensichtlich von dir aus.



    Also würde ich kommentieren: Mach vielleicht dch lieber ne Therapie, bevor du den Mann verlierst. Mir scheints du steuerst darauf zu.



    lg
  4. zitierenAmster schreibt am 20.03.2006 um 10:25 Uhr:Man empfindet wohl immer das als natürlich, was dem, wie man selber empfindet, ähnlich ist. Ich persönlich brauche auch viel Raum und mein eigenes Territorium, insofern finde ich das keineswegs so therapiebedürftig. Vielleicht seid Ihr ja einfach zu verschieden. Manchmal kann man sich noch so bemühen, es klappt trotzdem nicht. Es geht nie gut, wenn einer das aufgeben muss, was er ist. Das kann D. nicht von Dir verlangen und Du genauso wenig von D..

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