Anleitung zum Entlieben

23.03.2006 um 22:52 Uhr

Meine Wurst, Deine Wurst

von: Lapared

„Ich esse sogar Deine Wurst,“ sage ich zu 119, den ich prompt in der Mittagspause treffe. Durch Zufall. Einen Zufall, der natürlich wahrscheinlich ist, wenn man ihn – was ich heute zum ersten Mal getan habe – nicht tunlichst vermeidet. Wir arbeiten, ich hab es schon erwähnt, nur 50 Meter von einander entfernt. „Diese geile Fleischwurst von Plus?“ – „Genau die.“ – „Seit wann das denn?“ – „Keine Ahnung, seit ein paar Wochen, ich sag doch, ich werde Dir immer ähnlicher.“ – „Sind das da Haare über Deiner Lippe?“ – „Was?“ – „Kleiner Spaß, Du hast gesagt, Du wirst mir immer ähnlicher. Rasierst Du Dich nass oder trocken?“ – „Har. Im Ernst, ich werd Dir wirklich immer ähnlicher.“ – „Das ist doch Quatsch!“ – „Findest Du?“ - „So schlimm wie Du war ich nie, ich hab Dich nie zwei Stunden warten lassen.“ – „Eine!“ Plötzlich schießt mir das Wasser ins Gesicht. „Ich fühle mich deshalb wie der letzte Arsch, ganz ehrlich, und ich... ich versuche mir einzureden, dass es nichts bedeutet, dass ich halt nur ein bisschen kauzig bin oder nicht daran gewöhnt…“ – „Oder der außerehelicher Bastard eines US-farbigen westfälischen Briefträgers, die Erklärung mochte ich besonders!“ – „ …aber heimlich frage ich mich... also, manchmal denke ich… wenn DU Dich damals so verhalten hättest, also, angenommen Du hättest aus Versehen irgendwelche Medikamente genommen, sehr starke Medikamente, Hammermedikamente... und DU wärest plötzlich so anhänglich gewesen wie Dick… hätte es mich bei Dir auch genervt - können wir vielleicht endlich zahlen?“ Ich furze quer durchs Lokal, um nicht zu heulen. 119 schickt den beflissen heranwatschelnden Pinguin wieder weg. „Hör mal...“, sagt er, „nun hör doch mal...“, er reicht mir eine Serviette, „natürlich hättest Du das bei mir auch getan, ganz sicher sogar, Du bist doch ich! In Wahrheit bist Du ich!“ – „Aber… aber ich liebe ihn doch!“ – „Eben, und er liebt Dich, und er sieht das, und deshalb wird das auch klappen mit Euch.“ – „Meinst Du?“ – „Ganz sicher...“ – „Danke.“ – „Bestimmt.“

Die Wurst ist aber auch gut.

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