Anleitung zum Entlieben

23.08.2009 um 20:43 Uhr

Starallüren

von: Lapared

Neulich im Park.

Es ist nicht ohne Grund verboten, die Entchen im Park zu füttern. Nicht nur, weil das Entchenfüttern die Entchenfiguren ruiniert. Die Teiche veralgen, weil die Entchen vom Füttern so viel kacken, das auch noch. Die Fische kriegen keine Luft mehr. Die Ratten explodieren, das ganze Ökosystem kippt um. Das weiß ich wohl.

Aber ich schaffe es einfach nicht. Ich halte nicht aus, wenn die Entchen so erwartungsfroh angeschnattert kommen, sobald sich ein Mensch mit einem Eis in der Hand an ihr Teichufer setzt. Und wie sie dann aufgeregt vor einem auf- und abtuckern und sich wie Bolle auf die Waffel freuen, die der Mensch - nach zwei dicken Eiscremekugeln – doch ganz sicher nicht mehr mag. Wie sie auch dann die Hoffnung nicht aufgeben, wenn der Mensch dann doch in die Waffel beißt. Aber wenigstens die Spitze, denken sie dann, die Spitze, da wo keine Eiscreme mehr drin ist, die gibt der Mensch uns ganz sicher ab. Ich schaffe es einfach nicht, diese Enten zu enttäuschen. Und meistens finde ich dann in irgendeiner Tasche zufällig noch ein kleines Stück trockenes Brötchen (Zucker geht wirklich nicht!). Obwohl es ihnen eigentlich nicht gut tut. Ich muss diesen Enten irgendetwas geben. Wusch!

„Sind das schon Star-Allüren?“

Aus dieser Ecke hatte ich die Kritik nun nicht erwartet. Und dann guckte sie auch noch so finster. „Sie“ ist meine Freundin Frau D., mit der ich im Sommer alle zwei Wochen zum Eisessen und im Winter genauso regelmäßig zum Eierlikörtrinken verabredet bin. So ungefähr.

„Man soll Enten nicht füttern. Kaum bist du in Zeitung, Lchen, meinst du wohl, du darfst dich über alles hinwegsetzen.“

„Stimmt doch gar nicht! Ich hab den Enten immer… “

„Das Ökosystem kippt davon um!“

„Ich weiß…“

„Die Fische krepieren!“

„Ich… ich… oje…“

„Die Enten werden fett!“

„Ja und? Meinetwegen muss eine Ente keinen Waschbrettbauch haben, Frau D., verdammt, was ist denn los?“

„Und krank werden sie auch. Du hast dich sechs Wochen nicht gemeldet!

„Oh.“ Oh.

„Du hast nicht mal zu meinem Geburtstag angerufen!“ 

„Na und?! Das ist doch nichts Neues, ich vergesse ihn immer.“

„Starallüren!“

„Genauso wie ich immer Ökosysteme kippe! Herzlichen Glückwunsch!“

„Starallüren!“

„Okay. Willst du ein Autogramm!“

„Nein, noch zwei Kugeln. Zitrone, Erdbeer.“

Das hat man nämlich davon.

P.S. Und im Übrigen verspreche ich: Ich werde damit aufhören. Ich werde die Enten nicht mehr füttern. Das tut ihnen nämlich wirklich nicht gut. Quak, quak.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenMinerva schreibt am 23.08.2009 um 22:42 Uhr:versteht dich!

    Ich füttere auch gern Tauben mit ein paar Bröseln..
    und mich wollte schon mal jemand bei der Polizei anzeigen..
    Hach, aber wenn die Tierseele in mir sagt "Die paar Krumen!" -
    dagegen lässt sich nichts ausrichten!

    Gutend Abend! Und Curd -> fühl dich gefluschelt ^^
    =)
  2. zitierenZauberbonita schreibt am 23.08.2009 um 23:01 Uhr:Frau LPunkt terminiert die Weltentenpopulation mittels angeknabberter Eiswaffeln. Jemand sollte Greenpeace informieren...
  3. zitierenKlabauter schreibt am 24.08.2009 um 20:59 Uhr:Parkenten sind dazu da, gefüttert zu werden! Das sage ich als Mutter von Kindern, zu deren selbstverständlicher Sozialisation das Füttern von Enten gehört. Parks in Städten gehören eh nicht zum natürlichen Ökosystem und müssen mittels viel Technik und Arbeitszeit nutzbar gehalten werden: Rasen sähen, Rasen mähen, Entalgen des Teichs, Rattenreduktion, Baumbeschnitt, Büsche pflanzen... Das ist so in einer Stadt und das ist auch gut so. Also bitte nicht die Pseudoökokorrektheit an dieser falschen Stelle auspacken!
  4. zitierenZauberbonita schreibt am 24.08.2009 um 22:50 Uhr:Ach Frau Klabauter, Sie sprechen mir aus der Seele!
  5. zitierenClarice schreibt am 25.08.2009 um 10:08 Uhr:ja, ja als person der öffentlichkeit darf man sich gar nix mehr erlauben sonst wird es einem gleich als starallüren ausgelegt ;-)
  6. zitierenSirius schreibt am 25.08.2009 um 10:16 Uhr:Öhm, klingt fast so als wäre Fra D. neidisch auf Lchens Erfolg?
    Enten gehören gefüttert. Das geht gar nicht anders. Das ham wir immer schon immer gemacht...ja okay..die Klimaerwärmung liegt an mir wegen der Entchen und so...
  7. zitierenEnte schreibt am 25.08.2009 um 11:43 Uhr:bravo! *rülps*
  8. zitierenfrpeia schreibt am 25.08.2009 um 17:36 Uhr:nack nack nack
  9. zitierenhttp://taotao.myblog.de/ schreibt am 27.08.2009 um 07:15 Uhr:Ich füttere die Enten im Park auch - das ist das Grundrecht alter Leute, kleinen Kindern, deprimierter Frauen und arbeitslosen Frührentnern, die ja auch irgendwie deprimiert sind...
  10. zitierenPoladroidin schreibt am 31.08.2009 um 23:12 Uhr:Oh mein Gott... ich darf nicht auf diese seite bevor ich das Buch vertig habe... oder sind es schon zwei??? aaaaah....
    toll!!!!
    gefällt mir, schöne bilder von curd ;)

Diesen Eintrag kommentieren

Bitte beachte: Gästebucheinträge in diesem Weblog werden erst nach Freigabe durch den Autor angezeigt.