Anleitung zum Entlieben

05.12.2010 um 16:20 Uhr

Statt Plätzchen

von: Lapared

Heute, passend zu Weihnachtszeit, wenden wir uns einem ganz besonders spannenden Thema zu. Lchens Nase. 

Lchens Nase ist ein bisschen anders als andere Nasen. Sobald die Außentemperatur unter die magische 10 Grad-Grenze sinkt, fängt Lchens Nase an zu laufen. Und hört bis zum nächsten Sommer nicht mehr damit auf.

Zwischen September und Mai trage ich quasi ständig einen Tropfen trübgelbes Nasenwasser vorne an der Nasenspitze. Zäher als Wasser, aber deutlich flüssiger als Schnodder - übrigens, wie war der Adventskaffee?

Je kälter es wird, desto stärker tropft meine Nase. Ab null Grad und darunter trage ich den Tropfen dann nicht mehr direkt an der Nasenspitze, sondern an einem langen Schnodderwasserfaden auf Kinnhöhe. So kann der Tropfen ein bisschen hin- und herbaumeln und sich umschauen. Und wird auch selbst von anderen Menschen viel besser gesehen (Guck mal Mutti, die Frau hat Flüssigpopel!).

Auf dem Fahrrad ist es auch sehr lästig. Vom Fahrtwind wird der Schnodderfaden dann mal links mal rechts an meine Wangen geschleudert. Bei so kalten Temperaturen, wie wir sie gerade hatten, bleibt er an der eiskalten Gesichthaut haften und friert fest. Meinen Zielort erreiche ich mit Ornamenten im Gesicht, die ein bisschen an die Narben erinnern, die sich Menschen zufügen, denen Tatoos und Piercings nicht mehr reichen. Und wenn ich dann endlich wieder im muckelig Warmen bin, leckt das Näschen zwar nicht mehr so doll, dafür tropft mir getaute Rotze von den Wangen. (Sind Sie einverstanden, wenn wir den großen Plätzchenteil auf´s nächste Mal verschieben?)

Dick - Sie erinnern sich, der in jeder Hinsicht erfindungsreiche Holländer - hatte mir deshalb zum Spaß mal einen Nasentropfenfänger gebastelt. Aufmerksam war er ja. Im Prinzip funktionierte dieser Nasentropfenfänger genau wie die Tropfenfänger, die man leckenden Teekannen umhängt. Mit einer kleinen weichen Schaumstoffrolle, die unter der Nase anlag und die abgehenden Tropfen aufsog, und daran zwei Gummischlaufen, die links und rechts über die Ohrmuscheln gestreift wurden und das Röllchen hielten. Einfach, aber genial. Leider sah ich damit aus wie Adolf Hitler, deshalb wollte ich den Tropfenfänger in Amsterdam lieber nicht tragen. Heute bereue ich, dass ich dieses tolle Geschenk ausschlug. Ich könnte den Tropfenfänger so gut gebrauchen.

Denn meine kleinen Nasenblutgefäße (das sind die, die zu schwach und deshalb an der Triefnase schuld sind, sagt der Doktor), also, die kleinen Dinger sind mit den Jahren ja nicht stärker geworden. Die Winter dafür kälter. Und das Ergebnis: Gestern flirtete ich mit einem Herrn auf dem Weihnachtsmarkt (ganz zaghaft, ich erwog sein nettes Lächeln zu erwidern), als ich plötzlich merkte, dass ein Schnodderfaden in meinen Glühwein hinabhing, als wolle er dort angeln. Der Mann sah das natürlich auch, sein bezauberndes Lächeln musste ganz neu interpretiert werden (er grinste, der Hund!). Noch nie hatte ich so schnell einen Weihnachtsmarkt verlassen. Ja, man kann durchaus sagen, dass meine nasale Inkontinenz mich mittlerweile in die soziale Isolation treibt. Depressionen sind fast unvermeidlich. ABER: Da gibt es etwas, dass mich tröstet…

(Anschnallen, JETZT wird´s weihnachtlich.)

Mein Trost ist Rudolph. Rudolph, das kleine rotnasige Rentier. Seit Rudolph wissen wir, dass nasale Absonderheiten keineswegs dauerhaft zu Ausgrenzung und Einsamkeit führen müssen. Das Blatt kann sich ganz plötzlich wenden. Denn wie endet bekanntlich die Geschichte vom kleinen Rudolph, der wegen seiner leuchtend roten Nase von allen anderen Rentieren gehänselt wurde? Das Ende der Geschichte geht nämlich so:
„Als Santa Claus an einem besonders nebligen Weihnachtsabend zu seiner Fahrt aufbrechen will, bittet er Rudolph, mit seiner Nase den Weg durch die undurchsichtige Nacht zu leuchten. Seither darf das kleine Rentier den Schlitten anführen und kein anderes Rentier lacht mehr über ihn.“

So wird es vielleicht auch mir gehen, tröste ich mich nach Abenden wie dem gestrigen. Wenn ich nach so einem Weihnachtsmarktbesuch einsam und nicht mal vollständig mit Glühwein abgefüllt auf meiner Couch sitze, glaube ich ganz fest daran, dass mir irgendwann etwas Ähnliches widerfahren wird wie Rudolph, dem Rentier: Ein dicker, alter, schlecht gekleideter Mann wird kommen und sagen, ich soll ihn durch die Nacht kutschieren. „Einfach Ihrem Nasentropfen nach, Lady!“ raunt er mir zu. Gemeinsam fahren wir los. Immer in die Richtung, in die mein kleiner Tropfen gerade baumelt. Und alles wird gut.

Frohen 2. Advent!

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenjana schreibt am 05.12.2010 um 16:53 Uhr:Das hat schon fast Feuchtgebiete-Charme... :-)
  2. zitierenandrina schreibt am 05.12.2010 um 17:47 Uhr:ein kleiner ekelfaktor is das schon dabei, bei deiner geschichte :D schick die mal an die tempo leute, vielleicht kriegst du ein taschentuch abo? :D
  3. zitierenVivi schreibt am 05.12.2010 um 18:09 Uhr:Absolut klasse! Habe sehr gelacht. Habe sogar das selbe Problemchen. Nur, dass sich mein Tropfen noch nicht zu einen Faden verwandelt!
    Halt durch :)
  4. zitierenPenelope schreibt am 05.12.2010 um 22:36 Uhr:Lol! Grüße auch an Curd, was macht eigentlich seine Nase bei dem Wetter?
  5. zitierenJuna schreibt am 05.12.2010 um 23:31 Uhr:You made my day! Mein Gelächter in Berlin müsstest du eigentlich noch in Hamburg gehört haben. Wenn ich ein Mann wäre, würde ich dir einen Heiratsantrag machen.
  6. zitierenHedera schreibt am 06.12.2010 um 13:39 Uhr:auch wenn das thema die sppettitlichkeitsgrenze grenzwertig umtänzelt....die worte sind so genial...das man sich mehr solche geschichten wünscht - nix gegen curd aber lchen pur ist immer wieder ein lesegenuß!
  7. zitierenlenchen schreibt am 06.12.2010 um 20:47 Uhr:hallo, Lchen,ist ja toll, zu welch weitschweifigen gedanken so ein nasentropfen (ver)führen kann.sollte er sich zu einem eiszapfen verwandeln, mach ein foto!
  8. zitierencorazón schreibt am 06.12.2010 um 21:44 Uhr:liebe lpunkt, für alles
    (alles)
    gibt es eine attraktive lösung:

    http://de.dawanda.com/product/102642-NASENWAeRMER
  9. zitierenPe67 schreibt am 06.12.2010 um 23:24 Uhr:Hat sich was mit "Appetitlichkeitsgrenze grenzwertig umtänzelt". Menschen mit einem ausgeprägten bildlichen Vorstellungsvermögen wie ich haben mit diesem Blogeintrag wirklich schwer zu kämpfen!!!
    Dennoch herzliche Grüße.... von der sich immer noch ein bisschen schüttelnden Pe plus Junior
  10. zitierenMuschelsucherin schreibt am 07.12.2010 um 09:49 Uhr:@ corazón:
    Ich finde DaWanda genial! Den Nasenwärmer finde ich allerdings....
    (ok praktisch) gruselig! Einen schönen Menschen soll zwar bekanntlich
    nix entstellen können, hier machen wir aber mal eine Ausnahme ;o)

    Lchen,
    ich schlage dir, für den nächsten Weihnachtsmarktbesuch, die Rudi-Variante
    vor: dort laufen doch sowieso immer ganz viele mit bekloppten Nikolausmützen
    usw rum. Kauf dir doch ein Rentiergeweih (sind die dieses Jahr noch im
    Angebot?) setzt dir dazu eine rote Clownnase auf, die du vorher mit
    saugfähigem Küchenpapier ausgestopft hast..... voilá, keiner sieht deine
    Tropfnase! Vielleicht hat dieses Outfit auch noch einen unglaublichen Flirtfaktor...?

    Viel Glück ;o)
  11. zitierenKatja schreibt am 07.12.2010 um 11:11 Uhr:Ach ja ... der Eintrag gilt wohl als herber Ausgleich für den ganzen süßen Weihnachtskram, dem wir nun ausgesetzt sind. Amazon listet nun schon das 3. Buch. Wann darf man denn damit rechnen? Liebe Grüße!
  12. zitierenMartina schreibt am 08.12.2010 um 20:36 Uhr:3. Buch?

    Wo?

    *sich hektisch umschaut*
  13. zitierenHedera schreibt am 09.12.2010 um 14:44 Uhr:ach, das war mir ja bis jetzt irgendwie entgangen...band 3!
  14. zitierenMartina schreibt am 09.12.2010 um 18:09 Uhr:@ Katja

    Ich habe mir den dritten Teil gerade bei dem Buchladen meines Vertrauens vorbestellt, sie sagen etwas von August 2011.

    Aber wie heißt es so schön: "Vorfreude ist die schönste Freude", und ick freu mir! (c:
  15. zitierenMuschelsucherin schreibt am 10.12.2010 um 09:20 Uhr:Puah..... bis August kann man sich aber
    gaaaaanz schön lange vorfreuen!

    Euch allen einen wunderschönen 3. Advent!
    (Das ist schon am Sonntag ;o) )
  16. zitierenxlatia schreibt am 10.12.2010 um 17:02 Uhr:Hihi, dasselbe Problem habe ich auch! Rotz ist halt das einzige chemische Element, welches bei fallenden Temperaturen vom festen in den flüssigen Aggregatzustand wechselt ;-)
    Schönen 3. Advent!
  17. zitierenCarmen schreibt am 16.12.2010 um 07:35 Uhr:Lchen, ich liebe dich! Du bist einfach das lustigste Lchen der Welt! Danke, dass du mir meinen verschnupften Donnerstagmorgen gerettet hast!
  18. zitierenDesti schreibt am 17.12.2010 um 21:36 Uhr:Ich kenne das Nasentropfproblem.... auch ich bin ein mittelschwerer Fall davon, bei mir isses umgekehrt... sobald ich vom kalten ins warme komme ist alles vorbei. Letztens war es auch super im Zug. Draussen in der Kälte gestanden, rein in den warmen Zug, indem ich eh das Problem habe das ich Körpergrößen-mäßig bei Männern immer auf Achselhöhe stehe, fing die Nase an zu laufen. Ich habe in meinen Taschen gekramt, ein altes Tempo gefunden.... Mir gedacht: "Ok, zwar schon dreimal reingeschnäuft, aber einer passt noch", Nase geputzt und als ich 20 Minuten später auf der Arbeit ankam hatte ich noch immer das halbe Tempo unter der Nase kleben...

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