Anleitung zum Entlieben

19.01.2007 um 20:47 Uhr

World of Pain

von: Lapared

Heute war ich also im Tonstudio. Und beim Zahnarzt. Ich könnte nicht sagen, was schöner war.

Es tat mir in der Seele weh, einen einstmals gefeierten Bühnendarsteller mit zitternden Händen in der winzigen Sprecherkabine stehen zu sehen, eine Quarkreklame intonierend als gäbe er den Hamlet. Scheißquark oder Scheißquark, das ist die Frage! Und ihn zu zwingen, in weniger als 20 Sekunden einen Text zu sprechen, für den er sich beim gewissenhaften Einüben 2 Minuten Zeit gelassen hat. Wieder und wieder. Bis es beim 52sten Take endlich klappt und er auch seinen letzten Stolz verloren hat.

Und es fühlte sich auch nicht an wie die Pforte zum Paradies, als mein Zahnarzt, der jetzt nicht mehr Arzt ist sondern Ärztin und nicht mehr aussieht wie Romeo sondern Othella, mit gespielter Sorge diagnostizierte: Etwas ist faul im Laparedschen Kauapparat! Something is rotten! (sie spricht Englisch) ROTTEN! Dreimal. Erst dachte ich, alles Theater, Wichtigtuerei. Doch als sie die Spritze aufzog, wusste ich, nix Hamlet, nix Ketchup. Dies ist das wahre Leben, echtes Blut wird fließen, meins. Und ich sah John Goodman alias Walter Sobchak in „The Big Lebowski“ und er sagte: You´re entering a world of pain.

„Warum müssen Ärzte neuen Patienten eigentlich immer beweisen, dass ihre Vorgänger schlampig waren?“ Beim Abendessen mache ich es diesmal wie HK und halte mich ans Trinken. „Weil es zum ärztlich Ehrenkodex gehört, Leiden zu lindern, mein Schatz“, HK tätschelt meine gefühlstote Wange, „und so tut es Dir weniger leid, dass diese Vollnull jetzt in Marl ist.“ Moers. HK nimmt meine Hand „Erzähl lieber mal... wie hat die Sprachaufnahme geklappt?“ A world of pain...

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenFlocke schreibt am 19.01.2007 um 21:05 Uhr:Zufällig reingeschneit. Schöner Text. Kompliment, BIG LAPAREDSKI, toll.
  2. zitierenrougenoir schreibt am 21.01.2007 um 05:40 Uhr:An DAS Lied musste ich allerdings auch sofort denken.
    Nunjah, und; Nicht nur Ärzte ... Lehrer sind genauso. Wahrscheinlich (fast) alle, die an anderen Menschen etwas tun ;) *harr*

Diesen Eintrag kommentieren

Bitte beachte: Gästebucheinträge in diesem Weblog werden erst nach Freigabe durch den Autor angezeigt.