Anleitung zum Entlieben

03.06.2006 um 01:29 Uhr

Zum 100.000sten

von: Lapared

Eigentlich wollte ich damit ja bis zu unserem „Einjährigen“ warten.

Am 12. Juni, vor fast einem Jahr, habe ich angefangen, dieses Blog zu schreiben. Ich war so erfüllt von jener großen, überwältigenden, ewig währenden Liebe zu einem Mann. Diesem legendären Mann Namens 119, der meine Liebe - unerklärlicherweise - aber erklärtermaßen nicht teilte, die blöde Sau.

Ich habe dieses Blog begonnen und es vollmundig „Anleitung zum Entlieben genannt“, denn Entlieben schien mir die einzige einigermaßen vernünftige Art und Weise mit dieser misslichen nicht gerade Glück verheißenden Situation umzugehen. Und ich bin eine Freundin der vernünftigen, wenn irgend möglich komisch distanzierten Art und Weise, das bin ich immer noch, auch wenn mein gegenwärtiges, höchst irrationales und gar nicht originelles Leiden - wie sich in einem der jüngeren, ganz besonders schmissigen Kommentare deutlich zeigte - vielleicht Zweifel daran aufkommen lässt, ob die Vernunft und die Lapared noch so wirklich janz per Du sind.

„Du Lapared?“ – „Ja, Du, Vernunft?“ - „Ich hab Dich lieb!“ – „Ich Dich auch, Du.“

Soviel dazu.

Und vielleicht darf ich zumindest DAS zur Feier des 100.000sten Klicks stolz als kleinen Erfolg verkünden: Ich bin entliebt. Kein Jahr vorbei und ich bin tatsächlich entliebt. Zumindest von 119. Was 119, alias Jesus, und ich inzwischen so machen, das machen wir – unglaublich aber wahr - als Freunde. Als wir gestern zum Beispiel zusammen schwimmen waren, habe ich das erste Mal seit langem so richtig gelacht. Gelacht und genauso richtig und bitterlich geheult… und dann wieder gelacht. Er ist mein Freund.

Entliebt von 119, Laparedchen, aber jetzt haste doch den selbem Scheiß am Hals mit Dick? Ich weiß. Dem kritischen Leser entgeht auch nichts.

Was soll ich sagen? Wenn´s bei 119 geklappt hat, wird´s bei Dick wohl auch irgendwann klappen. Soviel ist sicher. Und noch eins ist sicher: Diesmal probiere ich eine andere Methode, hm?!

Und wem das hier alles zu viel Schreiben und zu wenig Leben ist, dem kann ich nur sagen: Oh doch, ich habe gelebt! Diese ganze Dickgeschichte war ein Riesenerlebnis! Ein riesen Scheißerlebnis am Ende, aber oftmals auch wunder-, wunder-, wunderschön. Fahrradfahren im herbstlich warmen Amsterdam (er hat sich ständig nach mir umgedreht, damit mir ja nichts passiert)… fest umschlungen mitten im Feuerwerk vorm Hotel New York (und total bekifft)… all die Nächte, die ich in seinen Armen geschlafen habe, geschlafen! Ich konnte in seinen Armen liegen und tief und fest und traumlos schlafen. Traumlos, weil kein anderer Traum mehr nötig war. Höchstens so gegen Zwei oder Drei am folgenden Tag eine Vision von Toast und Rührei.

Noch kann ich mir das kaum ansehen, weil jeder Blick zurück entsetzlich weh tut. Weil es mir dabei einfach nur völlig unoriginell, tagebuchhaft das Herz zerreißt. Aber irgendwann werde ich zurücksehen können und wissen: Das alles hatte ich, das hatten wir, das kann uns keiner nehmen. Irgendwann wird das zu den heimlichen Reichtümern gehören, mit denen ich als bösartige, knallroten Lippenstift tragende, alte Schachtel zwischen den fetten gut versorgten Schabracken und ihren geldgeilen Sonntags-Enkeln im Hof eines Seniorenstift in der schwachen Wintersonne sitze. Ich werde herablassend grinsen, wenn in dreißig Jahren ein verpickelter Zivi unbeholfen meine Bettpfanne wechselt und denken, irgendwann einmal hat ein bildschöner, lieber, blonder Mann strahlend vor mir gekniet, weil ich es gelernt hatte, in seiner Gegenwart zu pinkeln. Und ich habe ihn geliebt, weiß Gott, ich habe ihn geliebt.

Das alles habe ich gehabt und im Moment scheint es verloren in dem Meer von Tränchen, die – das seh´ ich ein – allmählich gemeinhin nur noch jedem ganz brachial auf den Sack gehen. Aber irgendwann... irgendwann kommt es lächelnd zu mir zurück. Ganz sicher, bestimmt. Und dann pupse ich vergnügt, wenn die Pickelfresse schnaufend an der Bettpfanne zieht.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenBatou schreibt am 03.06.2006 um 01:38 Uhr:Ein ganz entzückender Bilderreigen, den Demoiselle da auftanzen lassen.
  2. zitierensjAlfur schreibt am 03.06.2006 um 10:29 Uhr:...auch wenn sich die Frage stellt, ob es dann immer noch Zivis gibt...
  3. zitierenasa schreibt am 03.06.2006 um 11:08 Uhr:So isses nun mal - und nicht anders...
  4. zitierenklausens schreibt am 03.06.2006 um 16:31 Uhr:DER ENTLIEBUNGSWUNSCH



    sie schreibt von dick

    und dann noch von dem

    mit der hundertneunzehn

    ein erster blick wird

    immer zum ödem als sei

    die liebe wie ein teich

    zum tauchen du oh lapared

    das kann doch niemand

    so gebrauchen denn die

    liebe bringet mehr als

    bloß ein jahr von worten

    - in einem ewiglich sich

    zu verorten wär\' ja doch

    aber nein doch kein zurück.



    -------



    Alles Liebe und Gute, aber

    deutlich mehr Tiefe wünsche ich

    Lapared, die uns so schön beschreibt,

    von einer Welt, wo nichts mehr bleibt.



    Klau|s|ens, 03.06.2006
  5. zitierenpasiphae schreibt am 03.06.2006 um 21:16 Uhr:Auf den Sack, von wegen. Wäre ich der glücklichste und verheirateste Mensch der Welt, würde ich trotzdem bei Dir lesen, aber so kann ich gleich nebenbei noch Hausaufgaben in aktiver Vergangenheitsbewältigung machen. Ich kann Dir also alles nachfühlen und bin ganz bestimmt nicht die Einzige.
  6. zitierenAmster schreibt am 05.06.2006 um 12:39 Uhr:Dem großen tiefen Dichter above: Tiefe versteckt sich meistens hinter dem Offensichtlichen und nicht hinter dem Gewollten. Tiefe entsteht auch nicht dadurch, dass die Zeilen kürzer sind.



    Uns allen steht frei, die Tiefe einer Liebe beurteilen zu wollen, die sich in Worten öffentlich darstellt. Und wer will, darf darüber sagen, dass nichts mehr bleibt.



    Ich setze einfach dagegen, dass ICH diese Liebe auch jetzt zwischen allen Zeilen lesen. Für den einen noch immer, und für den anderen wie nie und leider zu spät.



    Aber das ist eben das, was ICH lesen will. Und darf, denn Worte darf natürlich jeder anders interpretieren. Insofern... entschuldige Dichter, Du natürlich auch.
  7. zitierenC.N. schreibt am 23.07.2010 um 12:06 Uhr:oh ja, ich lese auch zu gerne dass, was ich lesen will!
    weil das nämlich viel schöner ist, und sich viel besser anfühlt, und : viel besser passt!
    Nur "es sich passend machen" ist leider gar nicht so schön, wenn man aus diesem "die Welt ist passend " Gefühl rausgerüttelt wird!
    Wenn ein "du verstehst jedes noch so zweideutige Wort dass ich dir schreibe anders als ich" dich auf den Boden der unschönen Tatsachen zurückholt!
    JA DU IDIOT ! DANN SCHREIBE ES DOCH NICHT ZWEIDEUTIG! ...hätte ich ihm gerne gesagt, aber habe ich natürlich nicht... JA, KÖNNTE SEIN ist nicht ganz das Gleiche, oder?

    auf dem Weg sich zu entlieben und auf dem Weg durch diesen Blog...
    C.N.

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