Anleitung zum Entlieben

21.12.2006 um 12:52 Uhr

Zum Heulen komisch

von: Lapared

Billy Wilder (ich fürchte, das habe ich schon mal erwähnt)… Billy Wilder hat einmal gesagt, eine gute Komödie ließe sich immer genauso gut als Tragödie erzählen. Und schauen wir uns Das Apartment – meiner Meinung nach seine beste - doch mal an. Auch wenn Sie meinen, diesen alten Schinken schon zu kennen, macht nichts, ich selbst habe ihn auch schon 70 Mal gesehen. Also, da hätten wir...

Eine Frau. Eine Frau, die ihren Chef liebt, der verheiratet ist, Kinder hat, nicht im Traum daran denkt, seine Familie für sie oder eine der anderen Geliebten, die er stets hatte und immer wieder haben wird, zu verlassen.

Und einen Mann. Ein rigider emsiger kleiner Versicherungsheini, der so davon träumt, irgendwann ein großer oder wenigstens mittelgroßer Versicherungsheini zu sein, dass er seinen Vorgesetzten bis zur Selbstverleugnung in den Arsch kriecht. Und ihnen sein Apartment überlässt, wenn sie mal wieder eine der Sekretärinnen oder Telefonistinnen oder eins der Elevator-Girls - die gab es damals noch - vögeln wollen.

Unsere Frau ist eine davon. Und am Weihnachtstag, als der Chef ihr nach dem Merry Christmasfick statt eines Geschenks eine 50 Dollar-Note überreicht, um dann schnell mit dem letzten Zug heim zur Familie an den Gabentisch zu eilen, versucht sie sich aus Scham und Verzweiflung umzubringen, dort, im Apartment des kleinen Versicherungsarschlochs, das unbedingt ein großes werden will. Das draußen in der Kälte wartet, bis der Boss fertig mit Ficken ist, und dabei von einem schönen Mädchen träumt, das er heimlich liebt. Aber er selbst ist eben nicht so der Frauentyp. Und als er an diesem Weihnachtsabend nach zwei Stunden - länger brauchen sie nie – verfroren zurück in sein Apartment kommt, liegt dieses schöne Mädchen, das er liebt, in seinem Bett und hat sich umgebracht. Eine Komödie, wie gesagt.

Warum ich das erzähle. Ja, es war vielleicht nicht ganz so witzig, wie es sich im Nachhinein vielleicht liest (wir erinnern uns: dritter Advent, der Besuch der alten Damen, die Rettung durch HK…). HK war ziemlich voll und das allein ist schon gar nicht so besonders komisch. Die beiden Frauen sind in der Tat sehr einsam und hassen sich und lieben sich und quälen sich und brauchen sich, sie machen sich das Leben gegenseitig zur Hölle. Und der Dackel ist alt und krank, sein Fell ist dünn und an vielen Stellen seines fleckigen alten Dackel-Körpers schon gar nicht mehr da, wahrscheinlich leidet er schrecklich und genauso die alte Frau, die das sieht und ihn trotzdem nicht los lassen kann. Zufrieden?

Ich weiß. Selbst meine Therapeutin, lovely Dr. Stock, sagte neulich wie stets in getragenem Ton: Frau Lpunkt, Sie müssen nicht immer unterhaltsam sein, schon gar nicht hier in der Therapie, Sie dürfen traurige Dinge ruhig traurig erzählen. Danke, habe ich zu ihr gesagt, Danke, Stöckchen, das ist sehr süß, aber das ist nicht mein Stil. Wenn Sie unbedingt Tränen wollen, gucken Sie Vom Winde verweht. Aber wenn Sie Ihre 92,50 wert sind, scheuen Sie nicht die Mühe, erheben Sie sich aus Ihrem weichen lederbezogenen Therapeutensessel und sehen Sie sich die Komödie von der anderen Seite an. Bewegen Sie Ihren Arsch, bemühen Sie Ihre Phantasie und ta-ta, genießen Sie die köstliche Tragödie dahinter. Aber denken Sie nicht, dass ich Sie Ihnen auf dem Silbertablett präsentiere. 92,50.

Das hat Frau Doktor Stock in gewissem Maße eingesehen. Und morgen, wenn ich sie zum letzten Mal in diesem Jahr besuche, bekommt sie von mir sogar ein kleines Weihnachtsgeschenk. Richtig, Das Apartment. Damit sie auch sieht, dass am Ende alles gut ausgeht. Dass die Frau im Apartment doch noch nicht ganz hinüber war, dass der kleine Versicherungsmann sie rettet, dass er seinen Vorgesetzten von nun tapfer den Popostecker zeigt und… dass die Frau sich zuletzt sogar in ihn verliebt. Höm. Nicht, weil das Leben nun mal so spielt, sondern weil es eine Komödie ist. Und weil die, egal wie tragisch oder komisch, nach 90 Minuten endet, und zwar definitiv und für alle Zeiten gut. Das ist natürlich der Unterschied. Da haben wir hier bei unserer Langstreckenkomödie noch so unsere Zweifel, nicht wahr?

Aber immerhin… ein Etappen-Happy-End kann auch ich heute bieten: HK und Lapared wagen es, zumindest das. Und wir werden verreisen. New York, Paris, Rio, Plön... wohin es geht, weiß ich selber nicht. HK sagte nur: Viel Garderobe brauchst Du nicht. Zwinker. Das kann einem in Plön wie Paris gleichermaßen passieren.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenengelsche schreibt am 21.12.2006 um 13:44 Uhr:Wann geht es los?! Ich drück die Daumen! Auf die Kotrögie...
    L.punkt, du brauchst für uns (zumindest für mich) auch nicht immer nur witzig zu sein! Den auch ernst und/oder traurig, die Milliömchen lesen dich gern und haben dich gern! Nicht nur unsern lieben alten Buddy Curd Rock(star!)
  2. zitierenerphschwester schreibt am 21.12.2006 um 17:40 Uhr:ich bestehe auf meiner komödie! auch im nächsten jahr.

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