stream of consciousness

29.12.2005 um 00:07 Uhr

Diaspora

von: Lyriost

Diaspora

Ruhe finden im Gewühl
der blinden Tauben
ein Korn in der Nacht
Steppengeflüster
in der Luft
der Geruch
verbrannter Kadaver
und der holzige
Rauch der Fremde

03.06.2005 um 11:05 Uhr

Flattern

von: Lyriost

Flattern

Wenn Kenner röcheln
schwingen die Schwalben
sich in die zerzausten
Lüfte im wankenden Flug
als flögen sie nicht selbst
als spräche
stotternd die
Atmosphäre.
Als atmeten
rostrot gefiedert
die wirbelnden
Wolken.
Ein und aus.
Ein.

07.04.2005 um 01:28 Uhr

Blase

von: Lyriost

Die Schneckenschlange
spricht:

Das ganze Weltall ist
nichts als eine Blase
im Lufthauch der
luftigen Seele.
Und du?
Du bist das
auch.

 

07.04.2005 um 00:30 Uhr

Recht

von: Lyriost

Recht

Der Kinderzwerg
hat sie gesehn
aber nicht bemerkt
und er wähnt
sich im Recht
nicht von Irrtum
vergilbt.
Man gewähre ihm
Absolution.
Die roten Augen
sprechen mit
Feuer und Schwert:
kein Urteil.

04.04.2005 um 20:35 Uhr

Der weiße Trost

von: Lyriost

Der weiße Trost

Dompfaffen erschaffen die Notzahl im Abendgrau der gepeinigten Sonnenfinsternis und schäkern mit teuflischem Nachtgelichter und Würfelgesocks in den Gassen und Gossen der blutroten Städte, von Mauern umgeben ohne Zahl und so gerade wie Drähte.

Die farbigen Bilder wie Engelsgewänder, ins Leihhaus geschwind, zu den Kassen der armen Geschröpften. Und die Münzen klingen im Glockenklang wie helle Begierde. Dem Bischof wird anders, ganz anders vor Scham, doch ihm wird nicht bang, denn er kennt ja die Regeln, und er zieht sie lang.

02.04.2005 um 21:44 Uhr

Moosgekühlt

von: Lyriost

Moosgekühlt

Brüchige Gedankenfalten
und am Himmel flimmert
wie Sternenstaub
kalte Gnade.

02.04.2005 um 21:41 Uhr

Erbarmen

von: Lyriost

Erbarmen

Soll ich mich erbarmen
euch zu sagen ihr seid Opfer
blinder Gezeiten
in den ungelenkten Weiten
Längen Breiten
Opfer auch der sternbefleckten
Ausschlaggezeiten.
Wie kein Brot für
den Hunger
in der Not
so kein Wasser
gegen den Durst.
Nur durchlöcherte Fässer
und blutbefleckte
Henkermesser.

02.04.2005 um 21:35 Uhr

Sprecher

von: Lyriost

Sprecher

Wenn der Sprecher die Sprache trifft
findet kein Schläfer mehr Schlaf
und das Wort brennt
wie Höllenfeuer.
Die Luft
reißt.

02.04.2005 um 21:28 Uhr

Traumwärter

von: Lyriost

Traumwärter

Meine Traumwärter machen Jagd auf die feisten Diebe, die mit fetter Beute zu den Hehlern der Tageszeiten fliehen wollen. Sie erreichen sie nicht, aber meine Träume erhellen nicht die dunklen Tagelöhnerstuben.

Kein Licht für das Geld der geraubten Gedanken. Mondbeschienene Bilderwelten ranken in den Horizont der Geschichte.

Und die Gitterstäbe flattern im Kerzenlicht, wenn du deine schmutzigen Hände wäscht mit den Worten der weichen Gedanken.

02.04.2005 um 01:16 Uhr

Vergiß nicht

von: Lyriost

Vergiß nicht

Schau in das Stacheldrahtgestrüpp. Siehst du die blutigen Leiber? Erkennst du ihre Gesichter? Nein. Du mußt näher herangehen. Sonst sie du bloß Farbe auf funkelndem Stahl. Geh näher heran. Und vergiß nicht die Werkzeugkiste.

01.04.2005 um 10:15 Uhr

Zerschneiden

von: Lyriost

Zerschneiden

Wenn du die Farben zerschneidest
schabst du den Rost von
der Zeit.
Und wenn du die Kühe ertränkst
läuft die Milch
rückwärts durch die Gedärme
der grausigen Gräser
zurück in die Quelle
der Hoffnung
ohne Los.

01.04.2005 um 00:08 Uhr

Austausch

von: Lyriost

Austausch

In den Luftgruften
atmen die Wolken
den Sabber der Schlote
der schmierigen Stangen.
Nichts will fortgelangen.
Wohin auch.

31.03.2005 um 08:36 Uhr

Sandwölfe

von: Lyriost

Sandwölfe

Schaun wir mal rein ins Kino des Blutes: Rosen über Rosen und Fischleiber, Gestrüpp zwischen den Zäunen und zwischen den Zähnen und über allem das endlose Blau, das Geglucker in den Zisternen und das Heulen des Wüstenwindes: Sandwölfe jagen nicht nur in der Nacht.

30.03.2005 um 13:25 Uhr

Ungelegen

von: Lyriost

Die Schneckenschlange spricht:

In den Kammern der unverzerrten Blicke rostet auch das gedankengestählte Wort und sieht bald aus wie Mehltau im Regen. Kommt ungelegen.

27.03.2005 um 10:49 Uhr

Keine Gewalt

von: Lyriost

Keine Gewalt

Verrohung der Moose in den brackigen Wäldern; durch die sonnigen Lichtungen bricht keine rohe Gewalt, denn die roten Moränen sind auf der Hut: Genug der listigen Gelüste.

26.03.2005 um 09:24 Uhr

Soll ich es wagen

von: Lyriost

Soll ich es wagen?

Soll ich es wagen, dich mit der Axt zu schlagen? Ich hab aber keine, und wenn ich eine hätte? Und wieso wagen? Ich tret dich mit dem Wort in die Waden. Und nicht nur dahin. Wenn dir der Sinn von der Stirn in die Eingeweide rauscht, dann merkst du, welch ein Unsinn die merkwürdige Existenz deiner Oberflächenritualität ist. Mama, Mama, der hat mich gehaun. Aber da ist doch gar keiner, mein Junge. Doch, doch. Komm, iß mal dein Nutellabrot.

26.03.2005 um 08:57 Uhr

Die Schneckenschlange spricht:

von: Lyriost

Die Schneckenschlange spricht:

Wurde mir gesagt heut nacht von einer grünen Schneckenschlange: Wenn der Wahn, der die Wirklichkeit bewirkt, verraucht, gehn für immer die Lichter aus auf allen Schiffen und in allen Meeren der zivilisierten Konglomerate.

25.03.2005 um 14:35 Uhr

Gewittersahne

von: Lyriost

Gewittersahne

... ich muß besser aufpassen, daß nicht immer gleich alles zur Form gerinnt wie Sahne beim Gewitter.

25.03.2005 um 10:55 Uhr

Schöpfung

von: Lyriost

Schöpfung

Ob du im Augenblick zu sehen bist oder nicht, gesehen wirst oder nicht – du fummelst ständig am Sein herum. Existenz oder Nichtexistenz sind Kategorien für Blinde.

Und wieder läuten die Glocken.

25.03.2005 um 10:32 Uhr

Freut euch

von: Lyriost

Freut euch

Wenn Gott nicht ein formwilliger Schizophrener wäre, wären wir alle nicht da. Nicht hier. Kein Sein in der Zeit, keine Liebe, kein Streit. Nicht mal ein Klümpchen Schleim in einem warmen Moor. 

Gottfried ist jetzt sicher Gottes Assistent.