Die Alienfrau und die Sache mit der Einsamkeit
Ich kann es ihm so nachfühlen. Wenn es einen überrollt. Dieses Gefühl der Einsamkeit. Und man sich von der ganzen Welt verlassen und unverstanden fühlt. Man reflektiert sein Umfeld und fühlt sich komplett alleingelassen. Sie nennen sich deine Freunde. Kommen und gehen und hinterlassen ein Gefühl der Leere, sobald die Tür hinter ihnen ins Schloss fällt. Für einen kurzen Moment ist man über das wohlvertraute Gefühl dankbar, da obwohl man sie sich gewünscht hat, einen auch die Nähe fast erdrückt. Es ist ein Teufelskreis des Alleinfühlens und Zuvielfühlens. Manchmal möchte man laut, schreien weil die Unerträglichkeit unaushaltbar ist. Doch man ist verdammt dazu diese Realität hinzunehmen. Und die Optimistiker mögen behaupten, dass man sich diese Realität selbst schafft. Dass man Einsamkeitsempfinden selbst beeinflusst und die Sicht auf die Dinge selber verändern kann. Die Bekannte halb-voll, halb-leer Glastheorie. Ist es tatsächlich so einfach? So sagte mir kürzlich eine Frau - sie hätte genausogut ein Alien von einer ganz anderen Welt, als der meinen sein können - dass ein Mensch, der melancholisch veranlagt ist, egal wieviele Therapien er Zeit seines Lebens über sich ergehen lassen würde, diese Veranlagung nie ganz verlieren würde. Sich immer tief im Herzen einsam fühlen würde. Sind ja fantastische Aussichten! Abgestempelt...Schublade zu. Dankeschön! Sie hatte es auf ihn bezogen....sie konnte ja nicht wissen wie sehr sie damit auch mich verurteilte und schubladisierte.
Doch was soll man schon von einer Person halten, die ihm eine andere Stimme geben würde. Weil sie ihr zu "hoch" war. Und sie tiefe, männliche Stimmen lieber mochte. Da hatte ich auch meine Schubladen, in die ich sie schliessen konnte. Und schwubbs war sie drin und kam nicht mehr hinaus. Dort war es nicht schön. Kein Ort, wo man sein wollte. Dort waren sie alle, die nicht-über-den-Horizont-hinaus-Denker. Die, die nicht im Gleichtakt meines Herzens schwangen und fristeten ein langweiliges Dasein. Verdrängt und vergessen - auf Nimmerwiedersehen! Und ich ...ich liess mich in der Zwischenzeit wieder mit Elfenstaub berieseln und flog mit ihm über die satten Wiesen Neverlands...wem es wohl besser ging? Mir...der Spinnerin...unverbesserliche Träumerin, die nicht müde wurde an die Güte seines Herzens zu glauben und ihm zustimmte...niemals erwachsen werden zu wollen...niemals die Farben der Fantasie und ein Auge für das Schöne zu verlieren...?
Ihm eine andere Stimme geben? Ja war sie denn von allen guten Geistern verlassen? Wenn Worte sich in Waffen wandeln liessen, dann wäre ich erdolcht in der Ecke liegend gefunden worden. Hätte sie gesagt, das sei nicht ganz ihr Geschmack gewesen, das konnte man ja akzeptieren. Aber ihm das Absprechen zu wollen, das ihn ausmachte, das kam einer Kriegserklärung gleich. Seine Stimme war es, die mich verzauberte, in den Schlaf wiegte als Kind, mit mir Abenteuer bestritt, mich tröstete, mit mir Kämpfe austrug gegen den Rest der Welt, mich auf den Prinz mit gelocktem Haar und Schnallenhosen ins Abendrot reitend, träumen liess...Nein...seine Stimme war über all die Jahre in denen sich sein Äusseres änderte eine Konstante, die unabdingbar war. Seine Stimme...und ...seine Augen. Und es gibt Millionen da draussen, die das unterschreiben würden. Und auch wenn nicht...ich hätte für diese Stimme alles getan...die Alienfrau gehörte auf den Planeten geschossen von dem sie herkam!
