Heute will ich Euch erzählen von Maries Schwangerschaft und Geburt - also wie und wann mein Roman "Gute Nacht, Marie!" entstand. Seit mehreren Jahren schreibe ich ja nun schon intensiv - erst während meines Belletristik-Fernstudiums, danach ging es dann "richtig" los (dass es RICHTIG losgeht, darauf warte ich ja, wie Ihr wisst, sehnsüchtig!). Ich schrieb meinen ersten Roman, der in das Genre `Psychologischer Spannungsroman`gehört, so in Richtung Charlotte Link. Nein, danke der vermuteten Nachfrage, einen Verlag habe ich dafür auch noch nicht. Auf ca. 1000 unverlangt eingesandte Manuskripte kommt rein statistisch gesehen EIN Buch, das veröffentlicht wird, grummel, seufz..
Aber bedeutet das, dass die anderen 999 schlecht sind und es nicht wert sind, veröffentlicht zu werden? Okay, geschenkt, es wird mit Sicherheit einiger Müll dabeisein. Nur - die Entscheidung, ob etwas Müll ist oder nicht, wird mit Sicherheit von unterschiedlichen Personen unterschiedlich getroffen! Denkt an Harry Potter; das Manuskript wurde von verschiedenen Verlagen abgelehnt. Genauso erging es Pippi Langstrumpf, Im Westen nichts Neues von Remarque, und, und, und... Ich habe jetzt gelesen, dass - unglaublich! - sogar Goethe und ich glaube Schiller zumindest einige ihrer Werke im Selbstverlag herausgebracht haben, weil sie niemand verlegen wollte. Tja, dann befinde ich mich wohl in bester Gesellschaft... *ggg*
Aber ich schweife ab. Eines Tages, es wird im März 2006 gewesen sein, entdeckte ich einen Literaturwettbewerb des Eichborn-Verlages im Internet. Anlässlich ihres 26jährigen Jubiläums (das 25. feiern ja alle, deswegen die unorthodoxe Zahl!) suchten sie einen Roman, der, so verstand ich es jedenfalls, kurzweilig, pfiffig, unterhaltsam sein sollte. Einsendeschluss war - natürlich- wiederum ein 26., nämlich der 26.Mai. Fand ich witzig, die Ausschreibung, und ich wusste sofort, dass ich da unbedingt mitmachen wollte. Allerdings war ja nun wirklich nicht mehr viel Zeit, einen ganzen Roman zu fabrizieren, aber das motivierte mich nur zusätzlich. Heissa, da flogen die Gedanken aber durch die Gehirnwindungen, kann ich Euch sagen. Während unseres Skiurlaubs in Damüls entwarf ich das Konzept des Romans, konstruierte die Handlung und entwarf Exposés, also Inhaltsangaben der einzelnen Kapitel. In diesen Tagen und Wochen beschäftigte mich Marie vierundzwanzig Stunden am Tag, sie war präsent, egal was ich sonst tat. Es ist unglaublich faszinierend und inspirierend, sich so intensiv in die Handlung eines Romans hineinzudenken, ich kann mir nichts Schöneres vorstellen...
Natürlich ändert sich vieles im Verlauf dieses Prozesses, vieles wird verworfen, wird durch Neues ersetzt - bis man eines Tages das Gefühl hat: Isch habe fertig. Viel Zeit blieb mir ja auch nicht mehr für das reine Schreiben - also nun mal hopp! Im Rückblick habe ich fast das Gefühl, ich hätte rund um die Uhr geschrieben - was mit Sicherheit nicht sein kann, denn ich bin weder verhungert noch verdurstet noch verlaust, außerdem habe ich zwei tolle Kinder, einen Göttergatten, einen superlieben Wuff, ein Haus und einen Garten (okay, zugegeben, den macht mehr mein GG) versorgt - und alle haben´s ohne bleibende Schäden überlebt, schön, oder? Aber die Kinder haben schon intensivst Anteil genommen an meinem Schaffensprozess - ich hörte einmal, wie der Jüngere vor meiner Arbeitszimmertür zum Älteren sagte: "So ist das also, wenn Mama RICHTIG arbeitet!"
Und dann kam der Tag der Geburt: Am 26.Mai 2006 erblickte "Gute Nacht, Marie!" am späteren Nachmittag das Licht meines Arbeitszimmers - gerade noch rechtzeitig, um drei Sekunden vor Toresschluss bei der Post abgegeben werden zu können und sich mit der magischen Zahl 26 auf dem Poststempel auf den Weg in die große weite Welt zu machen, genauer gesagt zum Eichborn-Verlag (dem mit der Fliege!) nach Frankfurt.
Es war für Marie nicht die rechte Zeit und nicht der rechte Ort, wie Ihr Euch denken könnt - bei 1600 Einsendungen muss auch schon wirklich ALLES passen, damit man der oder die eine ist, nicht wahr? Aber der Tag wird kommen, an dem ALLES passt!
Seitdem habe ich schon wieder viele, viele Kurzgeschichten geschrieben, an meinem ersten (dem psychologischen) Roman herumgefeilt, an Literaturwettbewerben teilgenommen - aber keine literarische Figur ist mir so ans Herz gewachsen wie meine Marie, mit Sicherheit deswegen, weil sie mir am ähnlichsten ist....
Aktuell arbeite ich an dem Konzept für den zweiten Marie-Roman "Träum weiter, Marie!"; zum Schluss soll "Auch schon wach, Marie?" folgen - sofern Ihr mir auf meinem Weg folgt, weil Euch gefällt, was ich schreibe!?!
Liebe Grüße,
Pietjen