04.03.2011 um 10:55 Uhr
04.03.2011 um 09:28 Uhr
Verschiedene Welten
22.12.2010 um 13:39 Uhr
Der Klingone und Mama fällt vom Stuhl
Beginnen wir mit dem Erfreulichen: David läuft, rennt und redet fließend. Welche Sprache das jedoch ist, wissen wir nicht. Klingonisch kommt dem Wortsalat recht nahe. Außerdem erteilt er mit ausgestrecktem Arm Befehle: "Krrrongglllck!" Wer dem Befehl nicht folgt muß mit einem verärgerten: "Rrritmmmllxytoopap. Imiomiomlacklackrimat." rechnen. Papa, Mama, nein, jo, lecker, heiß (nur geflüstert, gehaucht) und Hase (mit Betonung auf dem e!) kann er auch schon sagen. Das plus klingonisch reicht mit fast 1.5 Jahren, um gut durchs Leben zu kommen und über Mama und Papa zu herrschen. Unser kleiner Alien hat Humor und einen ausgeprägten Dickkopf, er ist unendlich verschmust und schläft größtenteils immer noch in unserem Bett. Ja, ja, ich weiß, u-n-m-ö-g-l-i-c-h und er wird da noch mit 20 liegen. Ich bezweifele das und wir werden noch ein bißchen so weiter machen.
Ich darf dafür noch durch die Welt reisen und nutze die Gelegenheit, um mich gnadenlos vor den neuen amerikanischen Kollegen zu blamieren. Nachdem ein kleiner Kreis bis morgens um 4 gebechert hat und tapfer am nächsten Tag um 7 Uhr beim Frühstück saß, war mir das plus Zeitverschiebung plus überheizter Meetingroom wohl doch zu viel und nach dem ersten Satz meines Chefs bin ich vom Stuhl gekippt. Also, wirklich, nicht metaphorisch. Nach einem peinlichen Auftritt mit den US-Rettungssanitätern: "Who is the president of the United States?" (äh, Angie?), "What day is today?", "What is this place called?" (und das wußte ich wirklich nicht mehr), habe ich einfach weitergemacht und getan als wäre nichts gewesen. Im Nachhinein bin ich mir nicht sicher, ob das meinen Ruf nicht noch weitergeschädigt hat...macht die Nacht durch, kippt um und dann geht es gleich weiter mit ihr - sie scheint das zu kennen! Nun ja, passiert ist passiert und so haben die Kollegen wenigstens was zu reden.
Vielleicht werde ich das Jahr noch beschließen in den nächsten Tagen mit einem ausführlicheren Bericht von meinem letzten grandiosen Auslandsauftritt. Zum ungünstigsten Zeitpunkt auf der Reise zwischen Berlin Tegel- London Heathrow und Frankfurt und wie lange das dieser Tage schlimmstensfalls dauern kann, aber noch sind meine Nerven nicht weit genug wiederhergestellt, daß ich darüber berichten könnte. Das Trauma muß erst verarbeitet werden.
An dieser Stelle Euch schon mal ein wunderbares Weihnachtsfest, erholsame Tage, keinen Streß und ganz viel Liebe und Gesundheit!
02.08.2010 um 08:22 Uhr
Fiesta Tropical
Eigentlich hatte ich einen schönen, langen Urlaub. Geplant. In der Realität sieht es so aus: Eine Kundin dreht durch, zwingt mich tagelang trotz Urlaub bis tief in die Nacht im Büro zu hängen, erpresst mich vor der Präsentation mit einer abartigen Psychonummer("Wenn Sie nicht JEDES KLEINSTE DETAIL kennen - und das vermutet der Global President für Ach-was-weiß-denn-ich, dann wird das für ihn und sein Team ein SCHLACHTFEST! Und Sie wissen ja, was für Ihr Unternehmen derzeit auf dem Spiel steht!"). Nach einer erfreulich guten Präsentation unter diesen Umständen (ja, ich knicke nicht ein und ich kenne jedes gottverdammte Detail!) und zwei schlaflosen Nächten kehre ich erschöpft nach hause zurück...zu einem fiebernden, jämmerlich weinenden Kind. Davids Papa und ich fahren noch abends zum kinderärztlichen Notdienst und erhalten dort ein Rezept für Antibiotika: Der kleine David hat was verschleppt und vereiterte Nebenhöhlen. Als er sich ein paar Tage später wieder halbwegs erholt, werde ich krank. Draußen regnet es. Wir sind bei Oma und Opa, ich starre in den Regen und wiederhole stumpf: Was für ein Sch...-Urlaub! Davids Papa ist ebenfalls durchgehend schlecht gelaunt und grüblerisch. Er hängt in diesem Urlaub vor dem PC, schlägt sich die Nächte um die Ohren und meckert. Nur David erhält -immerhin- von ihm freundliche Aufmerksamkeit. David hat überhaupt wenigstens noch viel Spaß. Oma und Opa organisieren ein Non-Stop-Unterhaltungsprogramm. Wenn die Tochter schon am Rande der Depression schwebt, soll der Enkel wenigstens bespaßt werden.
Nun geht es gleich zurück ins Hamsterrad. Ein Blick nach draußen zeigt mir, daß hier, pünktlich zum Arbeitsbeginn, das Wetter natürlich deutlich besser ist. Keine Überraschung.
Ich nehme nun an jedem Preisausschreiben mit Aussicht auf Reisegewinn teil. Ich will mit David sonnenbebrillt unter Palmen liegen, ich einen Mojito in der Hand, David einen alkoholfreien Fruchtcocktail und aufs Meer starren. Okay, von mir aus baue ich im Puderzuckersand auch 1.000.000 Sandburgen und renne David schwitzend hinterher, der keine neue Schwimmwindel will, was lustiges entdeckt hat oder anderen Leuten die FlipFlops klaut - ach ne, an diesem Strand, den ich meine, gibt es ja gar keine anderen Leute. Egal. Ich will, ich will, ich will. Davids Papa darf dann gerne im Hotelzimmer sitzen und am PC spielen. Macht mir dann gar nichts mehr aus.
8.11 Uhr. Ich sitze hier mit nassen Haaren und im Bademantel und müsste mich längst fertigmachen. Davids Papa und David liegen friedlich im Bett und schlafen noch. Ich sehe nicht erholt aus. Psychologisch ist es für die Mitarbeiter doch wichtig, daß die Chefin gut erholt aus einem längeren Urlaub kommt, oder? Tatendurstig, hoch motiviert, entspannt, in die Hände klatschend, mit Ausrufen wie: "So, Leute, jetzt geht es los!" Ich hätte vor Tagen mit einem Selbstbräuner anfangen sollen, jetzt ist es zu spät.
8.18 Uhr, eine Kippe und eine halbe Tasse Kaffee später. Sonnenlicht fällt durch die halbruntergelassene Jalousie. Ich denke: Last night I dreamed of San Pedro..tropical the island breeze, all of nature wild and free, this is where I long to be (keine Ahnung, wie das jetzt in meinen Kopf kommt). Und: Es wird Zeit, ich muß los.
01.07.2010 um 23:42 Uhr
Gratis halbnackter Italiener
30.05.2010 um 21:37 Uhr
Ei ei
Wir sind auf dem Kindergeburtstag eines frisch gebackenen 1jährigen. Das Geburtstagskind thront auf einem Plastikstühlchen, vor sich einen Teller mit geschätzten 30 Mini-Wienerwürstchen und einem fetten Klecks Ketchup. Das Ketchup befindet sich außerdem in seinem Gesicht, an seinen Händen, auf dem Tisch und auf der Mutter. David und ich sehen fasziniert zu, wie sich der kleine Gastgeber Würstchen um Würstchen in seinen Mund schiebt und ähnlich einer Würgeschlange komplett hinunterschlingt. Paul hat nämlich erst zwei Zähne und die liegen ungünstig zum Kauen. Ich kann es kaum glauben, aber tatsächlich vernichtet er auf diese Art und Weise den kompletten Inhalt des Tellers. Und kotzt nicht. Respekt. Als die Babies schlafen, beschließt die Mutter, daß es Zeit für einen Trinkspruch für Paul ist. Der geht so: "Auf den Geburtstag, den ersten, von meinem süßen kleinen Paul!" Dazu müssen alle merkwürdigen Schnaps trinken (ich nicht, ich fahre). Dieses Prozedere wird dann im 5-Minuten-Takt wiederholt, wobei sich der Trinkspruch auf "Auf Paul!" und später auf "Paul" beschränkt, weil die Mutter schon schielt und, wenn sie sich erhebt, mit einer Hand am Gartentisch festhalten muß. Ihr Mann trägt eine Sonnenbrille und mittlerweile ist es 10 Uhr abends. Tatsächlich artet das Ganze in ein fieses Saufgelage aus. Die Mutter vertraut mir schwer lallend an: "Ich komm ja nisch raus..und wennsch mal dringggen kann..." Sie hat den guten Magen offensichtlich nicht an Paul vererbt, weil sie irgendwann, die Hand vor den Mund gepresst, hinterm Haus verschwindet. Auch Davids Papa ist schwer angeschlagen, als wir zu später Stunde nach hause fahren. Er philosophiert über Babies, schwärmt von unserem David und, schläft ein. Dies war also ein erster erster Geburtstag, an dem ich teilgenommen habe. Das lässt für die Zukunft hoffen.
Bei der Arbeit mache ich keine Fortschritte mit meinen neuen Mitarbeitern. Im Gegenteil. Von den Herren an den Rande eines Nervenzusammenbruchs getrieben, schmeiße ich während eines Meetings einen Stift auf den Tisch und rufe verzweifelt: "Ich bin doch hier nicht der Depp!" Das ist untypisch für mich und an den Blicken der Verursacher sehe ich, daß sie sich bezüglich der Richtigkeit dieser Aussage nicht ganz sicher sind. Mir geht es ja genauso. Habe ich doch mittlerweile eine ganz langsame Kindergartensprechweise angenommen, damit sie mich auch verstehen, in der unsinnigen Hoffnung, daß sie Z-U-H-Ö-R-E.N. Ich frage auch immer wieder: "Ja? Seht ihr das auch so? Versteht ihr, was ich meine?" Sie lächeln und nicken, nur, um bei nächster Gelegenheit das Gegenteil zu tun oder zu sagen. Außerdem wird permanent gemeckert: Alles ist so hart, alles ist so schwer, sie brauchen eigentlich 10 neue Mitarbeiter und eine Gehaltsverdoppelung. Der eine der beiden ist an einem Vormittag plötzlich verschwunden. Sein Team weiß auch nicht, wo er ist. Ich versuche ihn anzurufen, hinterlasse eine dringende Nachricht in seinem Büro - nichts. Und an diesem Morgen ist bei uns wirklich die Hölle los! Ich schicke ihm eine erboste Mail nach zwei Stunden, auf die er umgehend von seinem Blackberry aus antwortet: "Liebe Sarah, bin gerade bei Mercedes, um meinen neuen Wagen zu bestellen. Melde mich direkt bei dir, wenn ich zurück bin." Ohne Kommentar.
Erfreulich hingegen die Fortschritte, die David macht. Ruft man "bravo", klatscht er in die Hände. Hält man ihn auf dem Arm und geht von einer anderen Person weg, winkt er freundlich. Manchmal macht er das auch vor dem Ende einer Begegnung, was dann aussieht wie: "Danke für das Gespräch. Schluß jetzt." Das macht er wirklich, so habe ich den Verdacht, weil er sich langweilt und will, daß seine Mutter endlich aufhört zu reden und was lustiges mit ihm macht. Ich ahne schon, daß er ähnlich undiplomatisch wie sein Vater wird. Außerdem hat er vier Zähne und einen halben, der sich gerade auf den Weg macht. Und Energie, die mir fast unheimlich ist. Er ist permanent in Bewegung und versucht sich überall hinzustellen. Einen Trick gibt es, wenn ich nicht mehr kann und es leid bin, ihm die ganze Zeit hinterherzuwuseln: Wir gehen zu einem fremden Menschen nach hause. Bis er da so rumtobt, braucht er erst mal ein Stündchen, bis er sich traut und Mama kann die Beine hochlegen und den verwunderten Gastgeber fragen: "Ist es okay, wenn ich mal kurz die Augen zumache? So ein halbes Stündchen?" Abends, wenn wir beide völlig erledigt sind und er auf meinem Schoß sitzt, dreht er sich manchmal zu mir um, sieht mich liebevoll an, streichelt meine Wange und sagt tröstend: "Ei ei ei". Das wirkt Wunder.
